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Rezension - Der Chinese

Henning Mankell
Der Chinese
Originaltitel: Kinesen
Aus dem Schwedischen von Wolfgang Butt

Krimi/Thriller, Taschenbuch
dtv, München, August 2010
608 Seiten / 10,95 €
ISBN: 9783423212038

Mit seinem Roman wendet sich der bekannte schwedische Krimiautor Henning Mankell den aktuellen Entwicklungen im Reich der Mitte zu. Alles beginnt mit einem Mord an 18 Bewohnern eines kleinen schwedischen Dorfes. Die Richterin Birgitta Roslin entdeckt, dass sich Familienangehörige unter den Opfern befinden. Daher beginnt sie, eigene Recherchen über die entsetzliche Mordserie anzustellen. Während die Polizei im Dunkeln tappt, findet Birgitta eine mysteriöse Spur, die darauf hinweist, ein Chinese habe die Morde begangen. Obwohl ihr die ermittelnden Beamten keinen Glauben schenken, ist die Richterin dennoch von ihrer Entdeckung überzeugt und sucht auf eigene Faust weiter nach dem Täter. Dabei gelangt sie bis nach China und begibt sich immer mehr in Gefahr.

In »Der Chinese« beschreibt Mankell im Grunde genommen die negativen Konsequenzen der Globalisierung. Am Beispiel Chinas weist er darauf hin, wie rücksichtslos Akteure im globalen Kapitalismus agieren und versucht herauszuarbeiten, welche Konsequenzen zu erwarten sind. Mankell verarbeitet dabei Informationen über Chinas Entwicklung, die derzeit in regelmäßigen Abständen in den Tageszeitungen oder TV-Reportagen auftauchen. Im Grunde genommen ist Mankells Buch eine Kritik am reinen Kapitalismus, in die er sorgsam eine Kriminalgeschichte einwebt. So beginnt der Roman recht spannend und schnell. Doch im Laufe seines Buches gelingt es ihm nicht immer, diese Spannung aufrecht zu halten. Gelegentlich holt er zu weit aus. Dies betrifft die Beschreibung des Maosimus, genau so wie Situationen, in denen Birgitta Roslin zusammen mit ihrer Freundin Karin in leicht weinerlichen Erinnerungen schwelgen. In diesen Momenten sinkt das Lesevergnügen deutlich ab, sodass man nahe daran ist, eben diese Seiten einfach zu übergehen.
Eine weitere Schwäche betrifft das eigentliche Motiv der Morde. Dieses ist für die Ermittler als auch für Birgitta recht schnell klar. Es muss sich um einen Racheakt handeln. Doch genau dieses Motiv rückt im Laufe des Buches immer mehr in die Ferne. Zwar erklärt Mankell in einem hundertseitigen Zwischenspiel, was dahinter steckt, doch aufgrund der darauf folgenden Debatte, in welche Richtung China nun steuern soll, verschwindet das Motiv im Hintergrund, was zur Folge hat, dass die Motivation des Mörders nicht mehr plausibel wirkt.
Trotzdem gelingen Mankell immer wieder spannende Schilderungen, indem er seine Hauptfigur in gefährliche und teils unübersichtliche Situationen geraten lässt. »Der Chinese« ist somit ein Kriminalroman, der zwar interessante Informationen bietet, dabei aber den eigentlichen Fall aus den Augen verliert.

Copyright © 2010 by Max Pechmann

 

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