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Rezension - Das Nest

Ben Kay
Das Nest
Instinct, New York (USA), 2010
Aus dem Englischen von Heike Holtsch

Science-Fiction-Thriller, Taschenbuch
Rowohlt Verlag, Hamburg, Januar 2011
416 Seiten / 9,99 €
ISBN: 9783499255298

Laura Trent ist eine von Englands führenden Biologen. Eines Tages erhält sie Besuch des Amerikaners Bishop, der einem Forschungsprojekt der NATO vorsteht. Eine Gruppe von Wissenschaftlern hat in einer geheimen Forschungsstation im Dschungel von Venezuela eine neue Wespenart gezüchtet, die größer und aggressiver als herkömmliche Wespen ist. Diese Insekten sollten ursprünglich als Waffe gegen den Terrorismus dienen, ohne dass die Spur direkt zu einem der NATO-Staaten zurückverfolgt werden kann. Doch die Wespen übertreffen alle Erwartungen und erweisen sich als extrem schwer kontrollierbar. Nach und nach steigen alle NATO-Staaten aus dem Projekt aus, nur die USA wollen das Potenzial nicht ungenutzt lassen und die Wespen weiterhin einsetzen. Nur ist der Projektleiter vor Kurzem ausgefallen und Laura soll kommissarisch für ihn einspringen. Als sie sich weigert, lässt Bishop Lauras Sohn entführen. Widerwillig begleitet sie ihn nach Venezuela, nicht ahnend, welcher Alptraum sie dort erwartet, denn die Wespen geraten mehr und mehr außer Kontrolle. Gemeinsam mit einer Handvoll Wissenschaftler und Soldaten müssen Laura Trent und ihr Sohn in den Mitteltrakt flüchten, der vor über zehn Jahren versiegelt wurde. Keiner der Menschen weiß, welche Gefahren dort lauern, doch schon bald müssen sie erfahren, dass die Killerwespen ihr geringstes Problem sind …

Das Nest ist der Debütroman des Londoner Werbetexters Ben Kay. Der Plot erinnert ein wenig an ein B-Movie und genau mit einer solchen Erwartungshaltung sollte man auch an den Roman herangehen, wenn man nicht enttäuscht werden will. Das Buch ist nämlich kein ausgefeilter Wissenschaftsthriller im Stil eines Michael Crichton, sondern vielmehr leichte Unterhaltung, wenngleich sehr ansprechend aufgemacht. Allein die riesige Wespe mit dem stilisierten Totenschädel auf dem Rücken ist ein Blickfang, der neugierig auf den Roman macht. Man sollte aber schon ein Faible für den sogenannten Tierhorror haben oder zumindest an den ALIEN-Filmen Gefallen finden. Bereits die Charakterisierung bedient sich einschlägiger Stereotype, angefangen bei der biederen Wissenschaftlerin Laura, dem skrupellosen Projektleiter Bishop und dem dienstbeflissenen Soldaten Webster, der sich im Lauf der Handlung als sympathischer Draufgänger entpuppt. Aber ein Buch, in dem es um mutierte Killerinsekten geht, sollte auch keine differenzierte Charakterstudie sein und die Attacken der Riesenwespen sind wirklich brutal und blutig beschrieben worden. Was man bei dem Roman leider schmerzlich vermisst, ist ein wenig Fachwissen über Verhalten und Biologie der Wespen. Dafür gleitet die Geschichte im letzten Drittel endgültig ins Absurde ab, als die Protagonisten den ominösen Mitteltrakt betreten, in dem sie !ACHTUNG SPOILER! Riesenspinnen, gigantischen Skorpionen und Monsterfliegen begegnen. Dass Spinnen keine Insekten sind, lernt man übrigens bereits in der 5. Klasse und erschreckend ist eigentlich nur die Tatsache, dass dieser Fehler nicht nur dem Autor unterlaufen ist, sondern auch dem Übersetzer und dem Lektor durch die Lappen ging. Eine Riesengrille, die aufheult, weil man ihr zu fest an den Fühlern zieht, ist beinahe schon satirisch zu nennen, doch leider mehr ärgerlich, denn lustig. Eine wissenschaftliche Abhandlung in Sachen Geräuscherzeugung und Schmerzempfinden bei Gliederfüßern wird sicherlich nicht erwartet, doch ein gewisses Maß an Realismus und ein Minimum an Recherche stünden auch einem Science-Fiction-Horror-Roman gut zu Gesicht.

Über die wirklich ansprechende Aufmachung wurden oben bereits einige Worte verloren, und auch der Satzspiegel und die Papierqualität sind absolut überzeugend.

Fazit:
Genmanipulierte Killerwespen wenden sich gegen ihre Schöpfer! Ein Fest für Liebhaber einschlägiger Tierhorror-Kost. Wer auf sorgfältige Recherche, ein gewisses Maß an Realismus und ausgefeilte Charaktere nicht sonderlich viel Wert legt, ist hier goldrichtig. Unterhaltsam ist dieser Entomologie-Thriller allemal.

Copyright © 2011 by Florian Hilleberg

 

© by 2011
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