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Rezension - Creepers

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Gunter Arentzen | Stefan Jahnke

David Morrell
Creepers

Thriller, Taschenbuch
Knaur Verlag, Münschen, Dezember 2006
429 Seiten / 7,95 €
ISBN: 9783426634479

David Morrell, der Erfinder von John Rambo, legt mit diesem Buch einen weiteren Thriller vor. Und wieder hat sein Stoff einen sehr realen Hintergrund. Denn Creepers – Leute, die in alte, leere Häuser einsteigen und sich darin umsehen – gibt es wirklich. Nicht nur in den USA, sondern überall auf der Welt.

Die Frage, die ich mir stellte war lediglich jene, ob dieses Thema wirklich einen guten Stoff abgeben würde.

Eine Gruppe Creepers um den alternden Professor Conklin beschließt, in ein seit Jahren leerstehendes und zum Abbruch freigegebenes Hotel einzusteigen, um darin dem Odem des Alten nachzuspüren. Weder wollen sie zerstören noch wollen sie etwas stehlen. Es geht ihnen lediglich darum, den Hauch der Geschichte zu erleben.

Neu zu dieser Gruppe stößt ein Journalist, der über diese Aktion und die Gruppe einen Artikel verfassen möchte.

Ausgestattet mit all den Werkzeugen und Utensilien, die sie für ihr Vorhaben benötigen klettern sie durch einen alten Tunnel in das Paragon-Hotel, welches seit 1968 für Touristen geschlossen ist und seit Anfang der Siebziger leer steht. Einst von einem spleenigen Millionär erbaut, sieht es nun seinem Abriss entgegen.

Schon bald nach ihrer Ankunft müssen sie feststellen, dass das Haus seine Tücken hat. Doch damit haben sie gerechnet, denn dies ist bei alten Gebäuden oft der Fall. Womit sie nicht gerechnet haben, ist das Fremde, das in der Dunkelheit lauert. Im Angesicht der zunehmenden Gefahr müssen sie zudem entdecken, dass auch unter den Creepers nicht alle mit offenen Karten gespielt haben.

Ein tödliches Spiel beginnt.

Der Roman beschreibt die Ereignisse eines einzigen Abends. Auch beschränkt sich die Handlung auf diesen einen Ort, das Paragon Hotel. Die Story an sich ist dabei nicht sonderlich innovativ. X Personen gehen hinaus, bedeutend weniger kommen heraus. Dazwischen liegen Unfälle und grauenvolle Morde. Dem Buch darum einen ausgefeilten Plott zu bescheinigen, wäre sicherlich falsch. Ja, hin und wieder bekommt man als Leser den Eindruck, als habe der Autor nachträglich einen guten Einfall oder eine Lücke in der Handlung durch eine rasche, seltsame Wendung überbrückt.

Dennoch ist dieser Roman ein Pageturner, denn das Tempo, mit dem die Geschichte erzählt wird, ist derart hoch, dass man kaum zum nachdenken kommt. Einige Charaktere bleiben blass, andere hingegen wirken leicht überzeichnet. Der Autor beschränkt sich jedoch auf die wesentlichen Charaktermerkmale der Protagonisten. Es genügt der Story und lenkt nicht ab. An manchen Stellen allerdings wünscht man sich ein bisschen mehr Tiefgang. Rasant wird die Handlung fortgetrieben. Action und Schock wechseln sich mit kurzen Erholungsphasen ab. Humor ist sehr sparsam vertreten, Erotik gibt es keine. Man verfolgt die Flucht der Protagonisten durch das Haus, ihre verzweifelten Versuche, ihm zu entkommen und oftmals glaubt man, das hektische Atmen der Personen hören zu können.

Das an sich durchaus gelungene Finale wirkt ein wenig pathetisch, wie man es von manchen amerikanischen Filmen her kennt. Held und Heldin liegen sich in den Armen, die Kavallerie – Pardon, Polizei – rückt an und von ferne glaubt man ein Halleluja zu hören.

Fazit:
Ein Thriller, der einen mitzureißen vermag. Die Charakter sind glaubwürdig beschrieben, bleiben aber teils ein bisschen blass, teils sind sie ein wenig überbetont. Auch wirken manche Stellen wie nachgeschoben. Dennoch ist es ein Buch, das man kaum aus der Hand legen kann. Morrrell zeigt hier, dass er einer ganz großen auf dem Gebiet der Action-Thriller ist. Doch auch wenn sich der Klappentext so liest, ist dieses Buch kein Horrorthriller. Das Übernatürliche bleibt außen vor.

Copyright © 2006 by Gunter Arentzen

David Morrell
Creepers

Thriller, Taschenbuch
Knaur Verlag, Münschen, Dezember 2006
429 Seiten / 7,95 €
ISBN: 9783426634479

Geheime Orte zu erkunden, das ist sicher nicht nur für Väter mit ihren gerade allein laufenden Söhnen interessant und spannend, sondern hat manchen Reiz für die normalen Erwachsenen.
Dass es gar Vereinigungen, ganze Organisationen gibt und diese sich nicht nur in Übersee zu einer Plage für längst dem Verfall preisgegebene Gebäude entwickelt haben, war mir als unvoreingenommener Leser bisher nicht bewusst, ließ sich jedoch anhand verschiedener Recherchen nicht nur im Internet leicht nachprüfen.
Brachen sind heute dort, wo einst Hunderte Menschen arbeiteten, Ruinen da, wo sie lebten und verlassene Gebiete, wo einst Touristikunternehmen mit Hotelbesitzern um günstigere Konditionen und einfachen Strandzugang feilschten.
Morrell nimmt den Leser mit auf einen Abenteuertrip in ein längst verlassenes Gebäude in einer Stadt, die als Hochburg der Erholung und des Luxus galt, heute jedoch verfallen und fast leer ist.
Ein von der Bluterkrankheit Gezeichneter baute sich vor Jahrzehnten ein Hotel in Form einer Pyramide, das er nie verließ. Nie sah er wirklich jene Bauten, die Ägypter und Mayas uns an verschiedenen Orten der Welt und zu verschiedenen Zwecken hinterließen, sondern orientierte sich an Berichten seiner Eltern. Schon allein die Form des Gebäudes ist mystisch, deutet sie doch auf Freimaurer, vergessene Kulturen und Geheimnisse hin. Dass der Chef der kleinen Truppe als Professor es eigentlich besser wissen sollte und sich und seine ehemaligen Studenten nicht den Gefahren aussetzen dürfte, die ein altes Gemäuer nun einmal birgt, wissen wir alle. Wer stand nicht schon einmal in einer Ruine, sah, dass sich Dach und Fußböden als tödliche Fallen gestalten können? Und doch will er genau dieses Gebäude besuchen, nimmt gar einen Reporter mit, der die Arbeit der oft verkannten Creepers dokumentieren soll.
Schon dieser Einstieg auf den ersten Seiten des Buches verspricht Spannung ohne Hinterhalt, aber mit dem bekannten Prickeln auf dem Rücken, das Hitchcock schon süffisant beschrieb. Morrells Erzählstil ist locker und fesselnd zugleich. Er nimmt den Leser mit, beschreibt Umgebung und Personen bis hin zum Windhauch so, dass man meint, dabei zu sein. Der Leser kann nur Partei ergreifen für die einzelnen Akteure, ihr Tun und ihre Fehlschläge, die Angst, die sie haben, oder auch ihre manchmal gar ungeahnten Fähigkeiten bei der Lösung der verschiedensten Situationen auf ihrem außergewöhnlichen Sightseeingtrip.
Aber Morrell wäre nicht Morrell, wenn es bei einer puren Besichtigung bliebe.
Ein unerwarteter Gegner stellt sich den Besuchern entgegen. Dass das Hotel in den nächsten Tagen von einem Sprengtrupp für die endgültige Beseitigung vorbereitet werden soll, macht die Erlebnisse und Nöte der Gruppe nicht gerade geringer.
Jeder der Akteure hat eine ganz eigene Geschichte, einen Grund für sein Tun. Da spielen Misserfolg, Verlust, Liebe und Starrsinn, aber auch Dünkel und Machtgier eine Rolle.
Das Buch erschien allein auf dem deutschen Buchmarkt in verschiedenen Varianten. Doch alle mir heute bekannten Cover zu Morrells Geschichte vermitteln unterschiedlich und doch gleich die Mystik des besuchten Ortes, wie auch die Gefahren, die sich darin verbergen.
Umfangreiche Recherchen betrieb der Autor im Vorfeld, glaubt man seinem Nachwort zum Club-Taschenbuch von Bertelsmann. Diese waren sicher nötig, denn einige Gedanken, die seine Creepers und ihr Gegenspieler haben, die sie treiben, vor der Aufgabe bewahren und hin zu unerwarteten Wendungen führen, hätte er sonst nie beschreiben können.
Ein Buch, dessen Inhalt man nicht nachspielen sollte.
Ein Buch, um sich auf eine natürliche, noch angenehme Weise zu gruseln.
Ein Buch, das dem Leser ins Gedächtnis zurückkehrt, sieht er eine Ruine am Straßenrand.
Ein Buch, das Sie gelesen haben oder Ihren Kindern empfehlen sollten, wenn diese sich zu gern in der geschlossenen Fabrik nebenan, auf alten Garagengeländen oder im verwilderten Teil des nahen Stadtparks aufhalten, ohne die warnenden Worte der Eltern auch nur hören zu wollen.
Ein Buch, das man aufgrund seiner vielfältigen kleinen und gut erzählten Randereignisse nach ein paar Monaten gut und gerne ohne die Gefahr noch einmal lesen darf, sich zu langweilen.
Ein Buch zum Weiterempfehlen.

Copyright © 2011 by Stefan Jahnke


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