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Chasevon Dean Koontz Thriller Eigentlich will Vietnam-Veteran Benjamin Chase nur seine Ruhe haben und in der Obhut eines Psychologen die traumatischen Kriegs-Erlebnisse aufarbeiten – doch man lässt ihm keine Ruhe, denn die Öffentlichkeit braucht ihre Helden. Mehr durch Zufall wird er Augenzeuge eines Mordes, den er nur teilweise verhindern kann. Doch damit beginnt der Terror erst – denn der Killer hat Chases Gesicht in einer Zeitung wiedererkannt. Und der macht nun Jagd auf ihn … Mehr durch Zufall bin ich auf ein günstiges Exemplar des überarbeiteten Debüt-Romans von Bestsellerautor Dean Koontz gestoßen – und bin begeistert, denn „Chase“ konnte mich von Anfang an voll und ganz überzeugen. Im Gegensatz zu vielen anderen Krimis und Thrillern mit Serienmörder-Handlung in Heft, Taschenbuch und Hardcover, beleuchtet Dean Koontz die Geschichte des Täters nicht (nur) aus Sicht der Ermittler, sondern vor allen Dingen von Seite eines Einzelnen: Benjamin Chase. Es besteht den ganzen Roman durch eine hohe Identifikation mit dem Kriegshelden, der eigentlich keiner sein will – denn er ist kein Über-mensch, sondern jemand, der einfach nur seine Ruhe haben will, aber nicht in Ruhe gelas-sen wird. Sehr zur Spannung trägt natürlich die Tatsache bei, dass sich Dean Koontz mit keinen gro-ßen Vorreden oder ausschweifenden Beschreibungen aufhält. Gleich auf der ersten Seite beginnt das auf der Buchrückseite angerissene Geschehen; nur kurz darauf kommt es zur Konfrontation mit dem Mörder – und auch ab da reißt der Spannungsfaden nicht, ganz im Gegenteil. Gelungener Background der Hauptfigur Ebenso stimmt auch der Background, den die Figur Benjamin Chase mitbringt. Jugendliche, selbsternannte Detektive zum Beispiel, die nichts Besseres zu tun haben, als zwischen Schulschluss und Hausaufgaben ein paar Möchtegern-Ganoven dingfest zu machen, lassen sich in Romanform zwar leicht lesen, sind aber meiner Meinung nach nicht wirklich glaub-würdig – dieses Problem stellt sich im Fall von „Chase“ nicht. Sowohl von finanzieller als auch von beruflicher Seite ist der Hintergrund des Kriegsveteranen stimmig. Überraschendes Tat-Motiv Besonders für Kino-Gänger, die sich nach dem aktuell in den Kinos gezeigten Film „Zodiac - Die Spur des Killers“ von David Fincher gefragt haben, warum Zodiac denn eigentlich ange-fangen hat zu morden, könnte dieser Roman interessant sein - denn die Motivation des Tä-ters aus „Chase“, die mich wirklich überrascht und beeindruckt hat, ließe sich ziemlich gut auf die des sagenumwobenen Zodiac-Killers, der ja in diesen Tagen wieder in aller Munde ist (siehe auch meine Kritik zu dem aktuellen Fincher-Film in der aktuellen Romanspiegel-Kolumne), übertragen – der hat ja schließlich auch damit angefangen, Liebespärchen umzu-bringen. Fazit: Zwar wurde zum Schluss nicht richtig geklärt, ob der Killer nun ein Serienmörder war (diese Möglichkeit wurde in der ersten Hälfte des Romans kurz angesprochen) oder ob es sich um einen Einzelmord handelte, aber das ist in diesem Fall wirklich nebensächlich. An-sonsten ist „Chase“ (ziemlich einfallsloser Titel; da hätte man kreativer sein können – der ursprünglichen Titel in Deutschland, „Die Drohung aus dem Nichts“, gefällt mir da deutlich besser) eine kreisrunde Sache, die bis zur letzten Seite fesselt.
© Martin Palm |