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Rezension - Blutiges Frühjahr

Greg F. Gifune
Blutiges Frühjahr
Originaltitel: The Bleeding Season
Übersetzung: Michael Weh
Covermotiv: istockphoto

Thriller, Taschenbuch, Umschlag in Lederoptik
Festa Verlag, Leipzig, März 2011
416 Seiten / 13,95 €
ISBN: 9783865520975

»Meine Reise nach New York war unglaublich. Ich hatte ja keine Ahnung, was für eine perfekte Umgebung es mir für den Anfang meiner Reise bot, aber nach ein paar Tagen war es offensichtlich. Ich betrachtete es als menschlichen Zoo, und ich war der Wärter.«

Trotz ihrer Unterschiedlichkeit sind Alan, Donald, Rick und Bernard seit ihrer Schulzeit Freunde geblieben. Bernards überraschender Selbstmord und die Aufdeckung einer Lüge über seine Zeit nach der High School zwingen sie dazu, sich einige Fragen zu stellen. In Bernards persönlichen Sachen finden die Freunde Hinweise darauf, dass er über weitere Teile seines Lebens gelogen hat, mehr noch, dass er möglicherweise für eine Reihe von Morden verantwortlich ist. Alan erinnert sich zurück an ihre Kindheit und Jugend, wo sich bereits erste Anzeichen von Bernards dunkler Seite zeigten. In akribischer Recherchearbeit deckt Alan schließlich immer mehr von Bernards unbekannter Vergangenheit auf.

»Hört zu, Folgendes ist mir unten in der Dunkelheit aufgegangen: Die Macht, die ich mein Leben lang nicht hatte, lag genau vor mir. Wenn du dich ein wenig entfernst und von der Herde trennst, verändert sich alles. In dem Moment wurde mir klar, dass ich alles tun konnte, was ich wollte.«

Blutiges Frühjahr gehört zur dankbaren Gattung der Phantastikgeschichten, in denen rationale Ermittlungen mehr und mehr zu einem übernatürlichen Szenario hinführen. Wie Clive Barkers Lord of Illusions oder William Hjortsbergs Angel Heart bezieht Blutiges Frühjahr seinen Sog aus der Aneinanderreihung kleiner Hinweise, die in ihrer Gesamtheit plötzlich nur noch eine phantastische Erklärung zulassen. Zu diesem Zeitpunkt ist der Ermittler selbst bereits so weit in die Ereignisse verstrickt, dass ein Zurück nicht mehr möglich ist.
Verzweifelt versucht Alan weiter die Vergangenheit aufzudecken, obwohl ihm bewusst ist, dass dieses Wissen ihn nicht erlösen wird.
Unter Alans zunehmenden Abtauchen in Bernards Welt leidet seine Arbeit, die er schließlich verliert, sowie seine ohnehin zerbrechliche Ehe. Auch die Beziehung der Freunde untereinander wird auf eine harte Probe gestellt. Eine sich anbahnende Liebesgeschichte bleibt - entgegen dem Klischee – eine bloße Andeutung. Alles Elemente, die den Roman lebensecht, wenn auch nicht weniger trostlos machen.
Als wäre die melancholische und verzweifelte Grundstimmung des Romans nicht schon genug, versteht es Greg F. Gifune, dem Leser zusätzlich wohldosierte Schauer über den Rücken zu jagen.

Das übernatürliche Element, das sich zunächst langsam einschleicht, wäre überhaupt nicht notwendig gewesen, damit der Roman funktioniert, doch Gifune bettet auch diese Puzzleteile ohne Brüche in seine Geschichte ein. Außerdem erlaubt ihm diese Facette, die Geschichte bis vor Bernards Geburt auszudehnen und damit anzudeuten, dass dieser nicht die Wahl hatte, über seine Taten zu bestimmen.

Dass der Autor seine Hauptfigur auf dieser hoffnungslosen Schnitzeljagd nach eigenem Belieben mit immer neuen Hinweisen versorgen kann, erlaubt es ihm, gezielt auf- und abschwellende Spannungskurven zu erzeugen. Dabei beweißt Gifune ein intuitives Gespür für bedrohliches Timing. So entwickelt sich Blutiges Frühjahr ungewohnt bedächtig, ohne jedoch die erhebliche Grundspannung je zu verlieren. Lediglich der geballte Schrecken des Finales droht die zuvor gewissenhaft inszenierte Spannung zu zerschlagen.

Nach einer Kurzgeschichte in Necrophobia 3: Zart wie Babyhaut (Festa-Verlag 2010) ist Blutiges Frühjahr der erste Roman, der von Greg F. Gifune auf deutsch erscheint. Nach dem »Re-Launch« 2010 ist Greg Fr. Gifune einer der neuen, vielversprechenden Thriller-Autoren, die im »Haus der Fantastik« eine deutsche Heimat gefunden haben. In Vorbereitung im Festa-Verlag befinden sich Die Einsamkeit des Todbringers und Sag Onkel.

Das Cover wird von einem bearbeiteten Stockfoto geziert, das eine passend beunruhigende Stimmung heraufbeschwört. Der Umschlag ist ins sogenannter »Lederoptik« gefertigt.

Fazit:
Blutiges Frühjahr ist ein durchgehend trostlos-düsterer Phantastik-Thriller, der sich ungewöhnlich langsam entwickelt und mit lebensechten Figuren überzeugt. Nach Brett McBeans Die Mutter ein weiterer Volltreffer eines der neuen Festa-Autoren.

Copyright © 2011 by Elmar Huber

 

© by 2011
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