Sie sind hier: Startseite - Background - Rezensionen - Taschenbücher anderer Autoren / Romanhelden Thriller - Jung, blond, tot


Jung, blond, tot

Jung, blond, tot
Julia Durant Band 1
von Andreas Franz

Knaur Taschenbuch
496 Seiten/8,95 €

In der Umgebung von Frankfurt/Main geht ein Serienmörder um, der es auf blonde Frauen abgesehen hat. Dabei geht er jedes Mal dem gleichen Ritual nach: Zuerst vergewaltigt er die Frauen, verstümmelt sie und flechtet die Haare zu Rattenschwänzen. Erst, nachdem eine Reihe junger Mädchen sterben muss, wird der Täter durch Zufall enttarnt...

Fitzek, Fielding, Friedrichs, Franz – die Autoren, deren Nachnamen mit dem Buchstaben „F“ beginnen, scheinen es mir angetan zu haben.
Wer bei der Ortsangabe „Frankfurt/Main“ einen altbackenen, nicht allzu spannenden Deutschland-Krimi vermutet und, wie ich, von in den USA spielenden Krimis verwöhnt ist, sollte sich davon nicht abschrecken lassen. Als ich las, dass in diesem Roman ein deutscher Ermittler – oder vielmehr eine deutsche Kommissarin, namentlich Julia Durant – ermittelt, war ich verunsichert und dachte an die schlimmsten deutschen Namen, noch immer im Hinterkopf das haarsträubende Buch „Tatort Hannover“ – doch all meine Befürchtungen wurden nach der Lektüre von „Jung, blond, tot“ zerstreut.
Der Autor schafft es, mehrere hundert Seiten ohne Enttarnung des Mörders auszukommen. Ein großes Lob für die Auflösung; dass der Täter schon einige Seiten vor Schluss namentlich als solcher erwähnt wurde, macht die Sache übrigens noch spannender und reizvoller – zumal man in der Situation wirklich nicht mit der namentlichen Erwähnung des Täters rechnete. Dass ich den Täter so überhaupt nicht erraten konnte – wobei man, im Nachhinein betrachtet, auch hätte drauf kommen können –, hatten in dem Maße nur wenige Autoren geschafft. Auch der Schreibstil des Autors ist ohne Ecken und Kanten, wenngleich er ein angenehmes, sonst jedoch eher ungewöhnliches Stilmittel mitbringt: Statt ellenlanger, zum Teil prosaischer Beschreibungen von Wetter, Orten oder Ähnlichem, reicht ihm ein einziger Begriff, um die jeweilige Sache zu erklären (z. B. heißt es hier statt einer langwierigen Erklärung wie „Bevor er ins Präsidium fuhr, bestieg er seinen Wagen und durchquerte das Bahnhofsviertel“ etwa einfach nur „Bahnhofsviertel“). Das gefällt mir sehr gut! Und auch das Privatgeplänkel kommt in dem Roman nicht zu kurz, wobei die brillante Ermittlungsarbeit trotzdem im Vordergrund steht.

(Achtung, Spoiler!) Allerdings bin ich mit einem Teil des Drumherums unzufrieden. Zu Beginn des Romans wird dem Leser auf sehr authentische und plastische Weise das Leben der Kommissare Schulz und Berger gezeigt – und dann scheiden die Beiden auf einmal so mir nichts dir nicht aus dem Team aus? Bei Berger war das ja noch halbwegs vertretbar, da eine Rückkehr theoretisch möglich wäre, dafür allerdings, dass Schulz am Ende Suizid beging, habe ich nun kein Verständnis. Da wird einem erst – allerdings auf sehr sympathische Weise und nicht allzu Zeilen schindend – lang und breit erklärt, wie es in deren Leben zugeht – und dann scheiden sie auf einmal schon im ersten Band aus dem Team aus? Schade! Irgendwie, egal ob Patterson mit Lindsay Boxer oder Andreas Franz mit Julia – ein wenig überschattet sind sie alle. (Spoiler Ende)

Auch die Ermittlerin – ausnahmsweise mal kein Mann, sondern eine Frau – ist eine sehr sympathische Person, die so überhaupt nicht ins typische Klischee passt. Sie raucht wie ein Schlot und säuft zwar nicht wie ein Loch, genehmigt sich aber trotzdem ganz undamenhaft gerne das ein oder andere Bierchen, hat eine Wohnung, in der es anscheinend wie in einem Saustall aussieht und einen nicht ganz perfekten Bauch. Eine sehr schöne Art und Weise, den Ermittler nicht so typisch klischeehaft darzustellen – zumal ein Ermittler, bei dem im Leben alles (oder fast alles) glatt läuft, auf Dauer doch irgendwie unglaubwürdig wird.

Bis auf o. g. kleinen Makel gefiel mir der Roman sehr gut. Ausgezeichnete Ermittlungsarbeit, schonungslos schildert Franz das alltägliche Leben mehrerer Polizisten und ein, von psychologischer Seite gesehen, höchst interessantes Täter-Motiv machen dieses Buch zu einem sehr guten Kriminalroman. Mit seinen Debütroman hat Franz einen exzellenten Thriller geschrieben (wobei seit Erscheinen von „Jung, blond, tot“ inzwischen schon einige Jahre vergangen sind). Sehr zu empfehlen!

Homepage des Autors mit umfangreichem Info-Material über den Autor und seine Romane: http://www.andreas-franz.org/

© Martin Palm

 

© by 2006
nach oben Zurück Optimiert für 1024x768 Pixel
im IE & Mozilla Firefox