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Rezension - Spinnenfalle

Nina Schindler
Spinnenfalle

Thriller, Paperback
cbt Jugendbuchverlag in der Verlagsgruppe Random House, München, 2010
304 Seiten/ 9,99 €
ISBN: 9783570160831

Die 15-jährige Alex lebt mit ihren Eltern, dem großen Bruder und den kleinen Zwillingsschwestern wohlbehütet in einem Bremer Reihenhaus. Als ihre Mutter verkündet, dass sie wieder arbeiten möchte und deshalb ein Au-Pair-Mädchen in die Familie holen will, sind nach anfänglicher Aufregung alle Familienmitglieder einverstanden und freuen sich sogar auf den Familienzuwachs.
Dann kommt Ljuba in die Familie und entpuppt sich als fleißige und überaus freundliche Hilfe für die ganze Familie. Auch Alex gegenüber ist sie sehr nett, aber nur in der Gegenwart anderer. Unter vier Augen zeigt Ljuba ein anderes Gesicht, das von Kälte und Wut geprägt ist.
Alex kann sich das nicht erklären. Sie bleibt wachsam und kommt einigen Ungereimtheiten auf die Spur. Doch sobald sie darüber sprechen möchte, glaubt ihr keiner, weder ihre Familie noch ihre Freundinnen. Selbst ihr Freund beginnt zu zweifeln.
Alex kann sich Ljubas abweisende Art ihr gegenüber und vor allem ihre Geheimniskrämerei immer weniger erklären, bis ihr eines Tages der Zufall in die Hände spielt. Doch kann sie da Ljuba noch zur Wahrheit zwingen? Wird man Alex dieses Mal glauben?

Spinnenfalle lebt von der beklemmenden und teilweise ausweglosen Situation, in der Alex, die Ich-Erzählerin, sich befindet. Sie lässt die Leser teilhaben an ihren Gefühlen, Ängsten, Verdachtsmomenten und auch ihren Zweifeln. Der Roman spielt überwiegend im Kreis der Familie und Freunde und erzählt, mit welch niederträchtigen Methoden ein Außenstehender – in diesem Fall das Au-Pair-Mädchen – die Idylle, Harmonie und das Glück untergraben kann. Es ist nachvollziehbar, dass Alex niemand glaubt, wenn die personifizierte Freundlichkeit das Gegenteil behauptet. Und Alex wird immer und immer wieder enttäuscht.
Tatsächlich geschehen während der gesamten Handlung keine Verbrechen. Ljuba spinnt, wie der Titel sagt, ihr Netz, um sich die Menschen ihrer Wahl in die Falle zu holen. Warum Alex nicht zu diesen Menschen gehört, kann sich der Leser recht bald denken und dennoch bleibt die Spannung erhalten. Denn die Leser kann Ljuba mit ihrem intriganten Verhalten nicht täuschen. Das ist leider ein Mangel an diesem Roman, ich vermisste ein wenig mehr Raffinesse bei der Gestaltung des Konflikts zwischen Alex und Ljuba. Der Zeitpunkt, an dem ich – und wahrscheinlich jeder andere Leser auch - ahnte, worauf alles hinausführen wird, war zu früh gewählt.

Spinnenfalle entwickelt sich als Thriller sehr langsam. Bis zur Hälfte des Buches nimmt der Leser teil am Alltag der Familie Koopmann. Alex‘ Verdachtsmomente sind zwar da, doch das Mädchen beruhigt sich immer wieder selbst. Das steigert sich bin in Selbstzweifel, sie fragt sich immer wieder, ob sie alles richtig interpretiert, was sie hört und sieht. Dann steigern sich die Vorfälle und münden schließlich in ein Finale, welches dann doch ganz ohne großen Paukenschlag auskommt. Die Spannung ist während der ganzen Handlung vorhanden, doch sie bleibt unterschwellig, was sie irgendwie bedrohlicher macht vor der Kulisse dieser harmonischen Familie.
Ich sagte, während ich das Buch las, öfter, dass eigentlich nicht passiert, doch loslassen konnte ich auch nicht. Die Autorin verstand es, mich in den Sog von Alex‘ Ängsten und Zweifeln hineinzuziehen, sodass ich der Auflösung, obwohl ich sie ahnte, regelrecht entgegenfieberte.
Die lockere Sprache tat ihr Übriges, um am Ende sagen zu können, dass Spinnenfalle ein intensiver Psychothriller ist, der die Gefühle der Protagonistin und der Leser gekonnt ausreizt.

Bewertung:



Copyright © 2011 by Anke Brandt

 

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