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Rezension - Johannisfeuer

Wolf S. Dietrich
Göttingen-Krimi - Band 3
Johannisfeuer
Titelfoto von Hartmut Peuker

Krimi, Paperback
Prolibris Verlag, Kassel, Juli 2006
233 Seiten / 12,90 €
ISBN: 9783935263405

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Die Bewohner der Stadt Göttingen stehen noch immer unter dem Eindruck des Brandes, dem der Turm der Johanniskirche zum Opfer fiel. Doch es geht weiter, und eine regelrechte Serie von Bränden verunsichert die Bevölkerung. Anna Lehnhoff, Redakteurin bei der örtlichen Tageszeitung, hat eigentlich nur indirekt mit den Brandstiftungen zu tun. Anders als ihr Freund Sven, der als Kommissar bei der Polizei arbeitet und zur Sonderkommission gehört, welche die Fälle bearbeitet. Anna hingegen recherchiert am Gymnasium ihrer Freundin Lea über die aktuelle Bildungspolitik und lernt dort den sympathischen Lehrer Ingo kennen, der ihre Gefühle gehörig durcheinander wirft. Der Abend einer Schulaufführung endet mit einem Feuer, dem der Naturwissenschaftstrakt der Schule zum Opfer fällt. In den Brandrückständen findet man eine Leiche und plötzlich wird Ingo zum Hauptverdächtigen. Anna beginnt auf eigene Faust zu recherchieren – und läuft dem Brandstifter direkt in die Fänge …

Mit »Johannisfeuer« legt der renommierte Krimi-Autor Wolf S. Dietrich seinen dritten Roman vor, der in Göttingen spielt. Hauptfigur ist auch in diesem Fall Anna Lehnhoff, Redakteurin und Journalistin bei der Tageszeitung, die, wie es sich für eine gute Reporterin im Krimi gehört, ihre Nase in Dinge steckt, die sie eigentlich nichts angehen. Die Figur wurde von Dietrich sehr liebevoll, glaubhaft und ein wenig spleenig gestaltet, was den Sympathie-Bonus deutlich steigert. Doch Anna Lehnhoff hat auch ihre Ecken und Kanten und bleibt in ihren Handlungen immer menschlich, was erklärt, dass sie sich bald zwischen zwei Männern hin- und hergezogen fühlt. Hier liegt indes die einzige Krux des Romans, der bisweilen ein wenig zu tief in die Gefilde eines Liebes- und Beziehungsromans abgleitet und die eigentliche Geschichte aus den Augen zu verlieren droht. Dennoch bleibt die Spannung im Gros immer erhalten und steigert sich zum Finale hin stetig weiter, bis sie im gelungenen Showdown kulminiert. Dass der Autor den Hintergrund des Plots mit einem tatsächlichen Ereignis untermauert, das die Gemüter der Göttinger lange Zeit erhitzte, ist ein zusätzlicher Bonus, der dem Roman noch mehr Authentizität verleiht. Dietrich hat sich im Laufe seiner Bücher eine stattliche Anzahl an Charakteren geschaffen, die er immer wieder auftreten lässt, und die sich weiterentwickeln und mit ihren Aufgaben und Erlebnissen spürbar wachsen. Der Leser hat bei dem Buch das Gefühl alte Bekannte wiederzusehen, und das macht den Roman so besonders. In der Charakterisierung der zwielichtigen Gestalten indes neigt der Autor gelegentlich zu klischeebehafteten Darstellungen. Die Erklärung liefert Dietrich selbst im eigenen Roman, wenngleich in einem anderen Kontext, denn ein Klischee wird zu einem Klischee, weil es oft die Wahrheit ist.
Der Verlag bewirbt den Roman als »Göttingen-Krimi«, was durchaus gerechtfertigt ist. In Zeiten, in denen Krimis mit Lokalkolorit den Zeitgeist treffen, gelingt Dietrich der schwierige Balanceakt zwischen Beschreibungen von Örtlichkeiten und jener Verallgemeinerung, die verhindert, dass ein Nicht-Göttinger das Gefühl bekommt, einen Reiseführer zu lesen, vortrefflich.

Das Titelfoto sticht durch seine grelle Farbe direkt ins Auge und passt darüber hinaus perfekt zum Titel und zur Geschichte. Das Format des Buches liegt hervorragend in der Hand. Die Papierqualität ist von hoher Güte, und sowohl der Satzspiegel, als auch das Lektorat verraten die Professionalität des Verlages.

Fazit:
»Johannisfeuer« ist ein erstklassig recherchierter, kurzweilig geschriebener Krimi mit einem Hauptaugenmerk auf eine sorgfältige Charakterisierung. Man merkt dem Buch bei jeder Zeile an, dass der Autor versteht, wovon er schreibt. Trotz der Gefahr, bisweilen zu sehr in die Verstrickungen zwischenmenschlicher Beziehungen abzugleiten, reiht sich der Roman nahtlos in die Phalanx lesenswerter Regionalkrimis ein.

© Florian Hilleberg

 

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