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Rezension - Berliner Macht


Ullrich Wegerich
Berliner Macht


Krimi, Paperback
Verlag Königshausen & Neumann, Würzburg, März 2009
226 Seiten / 18,00 €
ISBN: 9783826039850

Die Geschichte beginnt im verarmten Berliner Wedding: In einer heruntergekommenen Wohnung wird eine verweste männliche Leiche gefunden. Die Kripo nimmt ihre Ermittlungen auf und erfährt, dass der Hartz-IV-Empfänger Markus Keppel angeblich schwarz als Detektiv arbeitete. Tatsächlich stellen Kommissar Mannheim und seine Kollegen eine CD sicher, die eine Überwachung von Sabine von Schleider, der Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, dokumentiert. Im Bezirk Prenzlauer Berg lernen sie die Gewinner der Modernisierungsprozesse der vergangenen Jahrzehnte kennen. In einer Stadt, die sich immer radikaler in Arm und Reich polarisiert, kommen sie einem rücksichtslosen politischen Machtkampf auf die Spur. Die Ermittlungen führen ins Herz der Hauptstadt ...

Nach »Berliner Blut« aus dem Jahr 2005 führt uns der Autor Ullrich Wegerich erneut durch die Hinterhöfe und Straßen des Molochs Berlin mit all seinem Für und Wider. Doch auch über die Landesgrenzen hinaus.
Im neuen Fall geraten die Ermittlungen von Kommissar Mannheim und seinem Team an nicht offiziell gemachte Grenzen, die es aber in den Kompetenzbereichen der deutschen Polizeihierarchie dennoch gibt. Dort, wo prekäre Themen für die öffentliche Meinung totgeschwiegen werden sollen und LKA sowie BKA sich die Klinke in die Hand geben, lässt der »kleine Kommissar von der Berliner Mordkommission« nicht locker und wehrt sich gegen dieses »Unter-den-Tisch-Kehren«, auch wenn er sich dabei Kritik seines Vorgesetzten einhandelt: Top oder Hop ist die Devise von Robert Mannheim und lässt schon mal gekonnt ironisch Polizeirat Hermann E. Göttlich vom BKA abblitzen.

Zitat Seite 108:

»…›Ich werde nicht hinnehmen, dass Sie in dieser Form ohne Absprachen mit uns agieren!‹, brüllte Göttlich, nun vollkommen aus dem Häuschen … ›Kann ich mich darauf verlassen, dass Sie sich an die Regeln halten? Kann ich? ‹
›Wenn ick Wasser ins Büro rinlasse, denn können’se bei mir sojar schwimmen lernen‹, brüllte Mannheim in den Apparat. Jetzt reichte es ihm. ›‹Aber ick muss Schluss machen, denn jerade wird der Massenmörder aus Spandau rinjeführt, und den muss ick nu verhören. Tschüüüs, Herr Jöttlich!‹ Er knallte den Hörer auf die Gabel …«


Wie jöttlich, ähm, wie göttlich!

Mit »Berliner Macht« legt der Autor Ullrich Wegerich den berühmten Daumen auf eine hochbrisante Thematik: die Weiße-Kragen-Kriminalität, die allzu gerne nicht an die Öffentlichkeit dringt, geschweige in den Medien ausgeschlachtet werden soll. Man möchte gern unter sich bleiben mit all dem rücksichtslosen Kompetenzgerangel, der Machtgeilheit und der Geld-regiert-die-Welt-Mentalität. Und für ein paar Scheinchen ist ein armer Schlucker - im Roman der Hartz-IV-Empfänger Markus Keppel - schnell mal zur Stelle, damit die feinen Herrschaften sich selbst die Hände nicht schmutzig machen.
Bis zur letzten Seite gelingt es dem Autor, den aufgebauten Spannungsbogen zu wahren und erst kurz vor Schluss die Lösung des Falls zu präsentierten. »Berliner Macht« ist wie eine Achterbahnfahrt im Spreepark Plänterwald, einerseits der Part der Ermittlungen, andererseits die Beziehung Mallmanns zu Lily: ein Wechselbad der Gefühle.
Wenn einige Kritiker der Meinung sind, »Berliner Macht« besitze zu viel an Lokalkolorit und der Autor führe sie wie ein Stadtführer durch die Straßen Berlins, kann ich nur Folgendes sagen:
• Man nehme sich einen Stadtplan von Berlin!
• Oder noch besser: Man ordert beim Autor einen Lokaltermin!

Fazit:
»Berliner Macht« wirkt überzeugend, glaubhaft sowie aktueller denn je. Sowohl unter manchen Kuppeln aus Glas, hinter weiß getünchter Villenfassaden als auchin ländlich gelegenen Tagungszentren lauert das Böse.

Über den Autor:

Ullrich Wegerich ist freier Autor und lebt in Berlin. Er wurde 1955 in Mainz geboren, ist in der Neustadt aufgewachsen und hat am Willigis-Gymnasium sein Abitur abgelegt. Dass er in Charlottenburg lebt und dort jede Straße und jedes Haus zu kennen scheint, daraus machen sein Krimis »Berliner Blut« und »Berliner Macht«kein Geheimnis. Mit einem Berliner Stadtplan zur Hand kann der Leser fast jeden Schritt der Handlungen mitverfolgen.
Im Bereich der Heftromane schrieb der Autor unter dem Sammelpseudonym Mortimer Grave u.a. die Grusel-Schocker Bände 40 und 61 sowie unter J.F. Way Western-Ass Stories.

Bewertung:



© Wolfgang Brandt

 

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