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Rezension - Amputiert

Gord Rollo
Amputiert

Thriller, Paperback
Otherworld Verlag 2011
336 Seiten / 14,95 €
ISBN: 9783800095384

Seit vier Jahren lebt Michael Fox auf der Straße. Nachdem seine Frau und sein Sohn bei einem Autounfall starben und seine Tochter ihm die Schuld daran gab, verlor er nicht nur seinen Job und sein Haus, sondern auch die Achtung vor sich selbst. Schuldgefühle ließen ihn erst zur Flasche, dann zu immer härteren Drogen greifen, damit er sich für ein paar Stunden aus seinem erbärmlichen Leben davonstehlen konnte. Als die Situation für ihn unerträglich wird, will er sein Leben beenden. In genau dieser Situation taucht ein Fremder auf und bietet ihm 2 Millionen Dollar für seinen rechten Arm.
Mike muss nicht lange überlegen, denn das ist eine Summe, von der er in seinem bisherigen Leben noch nie zu träumen gewagt hatte. Und was ist dagegen schon ein Arm?
Doch in dem Moment, wo er den Vertrag unterschreibt, geht er einen Pakt mit dem Teufel ein. Er gerät in die Fänge eines Wahnsinnigen, der sich mit einem Arm nicht zufriedengibt. Mike erkennt recht bald, dass er nicht der einzige Spender ist. Doch das ist noch lange nicht das Schlimmste ...

Gerd Rollo lässt Mike seine Geschichte selbst erzählen. Schonungslos, offen und ehrlich berichtet Mike zunächst von seinem Leben und wie er zum Penner wurde. Trotz seines erbärmlichen Lebens hat sich Mike eine ihm eigene Art von Humor bewahrt, mit dem er seine Erzählung trotz aller Missstände unterhaltsam zu untermalen weiß. Hätte Mike sich diese lockere Art nicht bis zur letzten Seite des Buches bewahrt, ich glaube, dann wäre das ganze Szenario einfach unerträglich gewesen.
Mike gerät in die Fänge von Psychopathen der schlimmsten Sorte. Und die schlimmste Sorte sind eben die, die sich für Gott halten. Dr. Marshall hält sich eindeutig dafür, obwohl seine Motive vielleicht sogar nachvollziehbar bleiben. Doch die Art und Weise seines Vorgehens ist derart brutal und grausam, dass man dieses Buch besser nicht zum Frühstück lesen sollte. Denn da ist auch noch der Sicherheitschef Drake, ein perverses Schwein, dessen Denken und Fühlen ein normaler Mensch gar nicht nachvollziehen kann.
Ich werde an dieser Stelle nicht auf Details eingehen, denn diese leckeren kleinen Überraschungen möchte ich keinem Leser verderben. Doch eine Warnung muss sein – dieses Buch ist nichts für schwache Nerven und schon gar nichts mal für eben zwischendurch. Wer sich auf Amputiert einlässt, sollte sich gewiss sein, dass er dieses Buch an keiner Stelle einfach mal so aus der Hand legen kann. Es funktioniert nicht, denn Mike nimmt jeden Leser schonungslos auf seinem Leidensweg, aber auch seinen Kampf dagegen mit.
Bei aller Grausamkeit, Brutalität und Ekelhaftigkeit ist das Buch dazu unglaublich spannend geschrieben. Die Wahl der Ich-Perspektive war perfekt, denn so blieb ich als Leser von der ersten bis zur letzten Seite mitten im Geschehen. Ich fühlte mich nicht als Betrachter und Beobachter, sondern konnte die ganze Zeit mit Mike fühlen und leiden. Manchmal bis zur Unerträglichkeit …

Fazit:
Amputiert ist ein schonungslos brutaler Thriller, der den Leser in die tiefsten Abgründe der menschlichen Psyche entführt. Es bleibt unvorstellbar, wie Menschen mit solcher Grausamkeit und Brutalität agieren können, mögen die Motive dafür auch noch so edel sein.

Bewertung:



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