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Rezension - Totenmaar

Jörg Kleudgen und Michael Knoke
Totenmaar
Exklusive Sammler-Edition
Grafiker: Mark Freier
Innengrafiker: Mark Freier

Mystery-Thriller, Hardcover mit Schutzumschlag
Blitz-Verlag, Windeck, März 2011
238 Seiten / 15,95 €
ISBN: 9783898403191

www.blitz-verlag.de
www.literature.the-house-of-usher.de
www.freierstein.de

»Ich erinnerte mich so deutlich an diesen Ort, als hätte ich ihn erst gestern aufgesucht! Der See hatte eine dunkle, Furcht erregende Faszination in mir ausgelöst, die ich bis heute tief in meinem Herzen trug. Und das, obwohl ich dieses Erlebnis im Lauf der rasch dahineilenden Kindheitsjahre irgendwie verdrängt hatte.«

Von einer unbestimmten Krankheit geplagt wird Roland Bock von seiner Arbeit freigestellt. Es drängt ihn, die Orte seiner Kindheit aufzusuchen, wobei ihm stets ein schwarzgekleideter Mann zu folgen scheint. Zunächst ziellos erkundet Roland die Eifel, bis er in einem Reiseführer auf eine Abbildung des Totenmaars stößt. Die Fotografie weckt in Roland unbestimmte Erinnerungen und das Gefühl der Bedrohung. Hier vermutet er die Ursache seiner ungewissen Bedrücktheit.

»Ich war fest davon überzeugt, schon einmal am Ufer dieses Sees gestanden zu haben. Damals musste ich noch sehr jung gewesen sein, denn die Erinnerungen, die ich aus der Mottenkiste meines Gedächtnisses hervorzukramen versuchte, wollte mir immer wieder entgleiten.«

Wie die Protagonisten eines Michael Siefener ist Roland Block ein menschenscheuer Einzelgänger, getrieben von einer unbekannten Macht. Immer wieder verfällt er in Phasen tiefer Depression und Minderwertigkeitsgefühle, durchbrochen nur von kurzen Augenblicken der Zufriedenheit. Selbst als er die Buchhändlerin Viola kennenlernt, die eindeutig Interesse an ihm zeigt, ist es ihm versagt, Ruhe und Glück zu finden. Geplagt von Selbstzweifeln sieht er sich außerstande, ihr etwas bieten zu können, bevor er nicht Gewissheit über seinen zerrütteten Gemütszustand hat. Antworten, so hofft er, erhält er am Totenmaar, dessen Bild ihn so seltsam berührt.

Lange Zeit mutet Totenmaar ähnlich ziellos an, wie Michael Knokes Im Wendekreis der Angst (Eloy Edictions 2008). Immer wieder wird Roland auf seiner Reise von Erscheinungen und Tagträumen gequält, die ein unbestimmtes, surreales Gefühl der Bedrohung aufkommen lassen. Viele Stellen im Roman sind so – mit Blick auf die Stimmung – gestaltet, während ein stringenter Handlungsverlauf so gut wie nicht vorhanden ist. Es scheint, als wäre Roland einem steten Wechsel zwischen Realität und einer unheilvollen Traumwelt ausgesetzt. Als Roland endlich die Ursache seiner inneren Leere erfährt, entspinnt sich schließlich doch noch so etwas wie ein roter Faden, der Roland letztendlich zurück führt zum Totenmaar und zu dem Mann in Schwarz.
Bei den Schauplätzen des Romans bemerkt man, dass auch Jörg Kleudgen in der Eifel aufgewachsen ist und seine Heimat immer noch schätzt. Mit Blick auf regionale Details schildert er Rolands Weg von Aachen bis nach Manderscheid.
Was also als Stimmungsbild einer zerrütteten Seele beginnt, entwickelt sich letztendlich zu einem düsteren Okkult-Thriller mit Heimatflair.

Wie alle Neuerscheinungen des Blitz-Verlags erscheint auch Totenmaar im handlichen Hardcoverformat. Für die Covergestaltung ist Mark Freier verantwortlich, der hier eine grandiose Grafik abgeliefert hat, die den Mann in Schwarz vor dem titelgebenden Totenmaar und der Kapelle zeigt, in der Rolands schicksalhafte Begegnung stattfindet. Im Hintergrund schwebt ein riesenhafter Totenschädel über der gesamten Szenerie. Weiterhin sind einige Schwarz-Weiß-Innengrafiken – ebenfalls von Mark Freier – enthalten.

Copyright © 2011 by Elmar Huber

 

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