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Rendezvous mit einem Mörder

Rendezvous mit einem Mörder
von J. D. Robb

Softcover
382 Seiten/10,00 €
Bertelsmann Best-Book

Ein Serienmörder im New York des Jahres 2058 hat es auf Prostituierte abgesehen. Lieutenant Eve Dallas wird unter größter Geheimhaltung auf den Fall angesetzt, doch trotz enormem Druck eines Angehörigen schreiten die Ermittlungen nur mäßig voran – und nicht nur einmal sprechen die Indizien gegen Multimilliardär und Eve Dallas’ Liebhaber Roarke...

Bisher haben mich die Romane von J. D. Robb, auch besser bekannt unter dem Namen Nora Roberts, einigermaßen abgeschreckt. Liebe, Schmalz und Leidenschaft – kurz: Kitsch; das war für mich unvermeidlich mit diesem Namen verbunden. Durch den äußerst positiven Kommentar einer Bekannten habe ich mich nun doch durchgerungen und „Rendezvous mit einem Mörder“ zur Hand genommen; hierbei handelt es sich um den ersten Band einer Krimi-Serie mit der Hauptfigur Eve Dallas, die in den USA als „In Death“ Serie veröffentlicht werden.

Ich stehe diesem Buch jetzt, nach dem Lesen, allerdings mit eher gemischten Gefühlen gegenüber. Auf der einen Seite liest sich der Roman relativ flott weg und zumindest ein Teil der Lösung vermochte mich ein wenig überraschen, aber man merkt doch stark, dass der Schwerpunkt dieses Romans weniger bei den Ermittlungen bzw. auf der Jagd nach dem Serienkiller liegt – vielmehr steht Eve Dallas’ Privatleben bzw. die Beziehung zu Multimilliardär Roarke im Vordergrund. Positiv ist auf jeden Fall anzumerken, dass man kaum merkt, dass der Roman in der Zukunft, im Jahre 2058, spielt – denn ich hatte und habe seit jeher eine Abneigung gegenüber Science Fiction-Romanen mit kleinen grünen Marsmännchen, weswegen ich diesen Bereich auch weitgehend gemieden habe.

Der Stil der Autorin oder vielmehr der Übersetzerin (oder der Stil von beiden?) bereitet mit allerdings Magenschmerzen. Gerade, wenn es mal spannend wurde, verhunzt die Autorin die Szene(n) mit sich ständig wiederholenden Worten wie „Himmel“ oder damit, dass jemand jemanden reglos anstarrte. Das ist nicht nur überflüssig und auf die Dauer extrem nervtötend, sondern stört den Lesefluss enorm und zieht das Ganze obendrein auch noch ins Lächerliche – so oft, wie irgendwelche Personen sich in ihrer Not an den Himmel wenden, könnte man glatt auf den Gedanken kommen, Eve Dallas sollte besser umschulen und ins Kloster gehen.

Ganz untypisch fürs Kloster ist allerdings der hohe Anteil an Sexszenen, bei denen selbst Roman-Kollege Lassiter, seines Zeichens härtester Mann seiner Zeit (und ein Western-Held, der seine Kanone stets für alle Lebenslagen griffbereit hat), vor Neid erblassen würde. Im Ernst: Teilweise sind diese Szenen viel zu ausgewalzt und detailliert beschrieben – wenn etwa eine Prostituierte, die sich auf Pädophilie spezialisiert hat, kurz vor ihrer Ermordung noch ihren Dienst tut und auf gut 10 Seiten Schäferstündchen zwischen Eve Dallas und Roarke beschrieben werden.

Auch die Figuren sind zum Teil eher klischeehaft – Roarke etwa. Der Junge hat ja ’n paar gute Sprüche auf Lager, aber der Charakter selbst ist doch sehr schablonenhaft: Er, unglaublich reicher Multimilliardär, unheimlich guter Liebhaber, erotisch, geheimnisvoll und Besitzer von ungefähr 28 Prozent der Welt (!!) verliebt sich natürlich schon nahezu im ersten Augenblick in eine mehr oder weniger gut aussehende, erfolgreiche Polizisten, die noch nicht einmal gekämmte Haare hat – ich weiß ja nicht. Und alle paar Seiten zu schreiben, wie zornig er so manches Mal über Eves Reaktionen ist, wirkt auf die Dauer doch auch sehr ermüdend.

Was natürlich ziemlich unglaubwürdig für die Zukunft ist – wobei man der Autorin zugute halten muss, dass das Buch im Original 1995 erschienen ist –, ist, dass 2058 angeblich noch immer Disketten verwendet werden, es im Gegensatz dazu aber allerlei technischen Schnickschnack gibt – Disketten verwendet ja schon heute, gut 50 Jahre vor Handlungszeitpunkt, kein Mensch mehr. Allerdings hat sich die Autorin dafür umso intensiver mit einigen eventuellen Neuerungen in der Zukunft beschäftigt – etwa, wenn Eve Dallas’ Erstaunen über ein Steak von einer echten Kuh oder echten Kaffee keine Grenzen kennt.

Alles in allem leichte Lesekost für zwischendurch – ob man dabei allerdings mal den einen oder anderen Satz auslässt, ist genauso unwichtig, wie ob man während des Lesens seine Gedanken schweifen lässt. Dennoch, bis auf ein paar stilistisch verbesserungsdürftige Dinge, ein unterhaltsamer Roman.

© Martin Palm

 

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