Sie sind hier: Startseite - Background - Rezensionen - Hardcover anderer Autoren / Romanhelden Thriller - HATARI! MONTANA


Rezension - HATARI! MONTANA

Zwei Rezensionen verfügbar, bitte auswählen oder abwärts scrollen:

von
Anke Brandt | Sascha Vennemann

Lester Wallace
HATARI! MONTANA

Thriller
Gebundene Vorabdruck-Ausgabe mit Schutzumschlag
accommbook, Borken, 2009
368 Seiten / 19,95 €

www.action-verlag.de

»HATARI! MONTANA« ist ein Thriller für Leser mit dem Hang zum Besonderen. Im Stil eines schmutzigen Road Movies der Coen Brothers oder Quentin Tarantino erzählt Pseudonym-Autor Lester Wallace, gebürtiger US-Amerikaner, die phantastische Geschichte von einer geheimnisvollen Formel, mit der sich die Welt verändern lässt.

Ethan Cold, ein machtgieriger und wenig zimperlicher Vorstandsvorsitzender eines internationalen Pharmakonzerns, hat in seiner Konzernzentrale in Montana ein geheimes Labor einrichten lassen, wo diversen Giraffenarten literweise Blut abgezapft wird. Das Blut der Tiere dient als Gencocktail und Ausgangsbasis für ein Präparat, mit dem sich der Schlaf dauerhaft überwinden lässt. Mit einem solchen Mittel würden sich Milliarden verdienen lassen. Ließe es sich doch so problemlos 16 statt 8 Stunden am Tag arbeiten, was der USA einen gewaltigen Wirtschaftsvorsprung verschaffen würde - vorausgesetzt, man würde den Rest der Welt vom Zugang zu diesem Produkt abschotten. Doch noch existiert das Produkt lediglich als gedankliche Formel im Kopf des leitenden Biochemikers Dr. Richard Pascoe. Und der ist – weil ihn Schuldgefühle und Skrupel plagen – auf der Flucht.

Gleich im Prolog entfaltet Autor Lester Wallace sein ganzes Können und bringt Popcorn-Kino vom feinsten. In einem riesigen Labor winden sich Giraffen in Todesangst, umlagert von unter Druck gesetzten Wissenschaftlern, die nur eines wollen: das Blut der Tiere, die mit weniger als zwei Stunden Schlaf pro Tag auskommen. Ethan Cold, Konzernchef und passionierter Großwildjäger, gibt dabei den Prototyp des rücksichtslosen Wirtschaftsmagnaten ab. Fest dazu entschlossen, das Mittel auf den Markt zu bringen, greift er in einem Wutanfall zum Gewehr und streckt eines der Tiere nieder. Seine lakonische Bemerkung dazu: »Im Serengeti-Nationalpark laufen 16.000 von denen rum!«

»HATARI! MONTANA« erhebt erst gar nicht den Anspruch, ein Wissenschaftsthriller im Stil von Michael Crichton zu sein. Die Figuren sind klischeehaft überzeichnet, stellenweise überhöht ins Absurde. Lediglich Dr. Richard Pascoe, der Mann mit der Formel, eine Art Harrison Ford in Anzug und weißem Kittel, bildet den grundsoliden Kontrast zu einem Dutzend völlig überdrehter Typen, die ihm auf die Pelle rücken. Da wäre zunächst Joey Di Santos, ein glupschäugiger Auftragskiller, der einem Film wie »Fargo« entsprungen sein könnte. Er jagt im Auftrag von GLOBALPHARM Dr. Pascoe, um an die Formel zu kommen. In irren Verwechslungssituationen zieht er dabei eine Spur des Todes hinter sich her. Und das alles auf engstem Raum, irgendwo in einem Kaff in Montana, in einer einzigen düsteren Nacht, weitab der Zivilisation. Mit ihm begegnet der Leser einem Haufen verschrobener Dorfbewohner, angeführt von Rita Swanton, einer drallen rothaarigen Barbesitzerin. In ihrem Fahrwasser bewegen sich ein fetter Polizeichef, ein trotteliger Deputy, ein Vietnam-Veteran, ein fast blinder Motel-Besitzer, ein jüdischer Leichenbestatter und hundert aufgebrachte Hillbillys, bewaffnet mit Mistgabeln und Feuerwaffen. Und mitten drin Dr. Pascoe, dem alle Morde in die Schuhe geschoben werden und der nur zwei Wünsche hat: Er will einen letzten Anruf tätigen und sich dann umbringen, um der Menschheit eine traumlose Zukunft durch die Formel zu ersparen.

Bis zum Ende weiß der Leser nicht, welchem Zweck dieser Anruf dienen soll. Geschickt konstruiert wird die Spannung gehalten beziehungsweise kontinuierlich gesteigert. Immer wenn man denkt, jetzt müsste der Anruf funktionieren, bricht die Verbindung ab oder es kommt etwas dazwischen. Es gibt wirklich keine einzige langweilige Seite in »HATARI! MONTANA«, der ganze Roman ist ein völlig überdrehtes Feuerwerk der grotesk-komischen Einfälle. Schlag auf Schlag ändern sich die Situationen, getragen von einem schroffen, zynischen, sarkastischen und tiefschwarzen Humor, der sich in äußerst unterhaltsamen Dialogen niederschlägt. Lester Wallace zieht alle Register und schafft Momente des menschlichen Wahnsinns, spielt mit den Genres und lässt wie selbstverständlich Horror-, Mystery- und Politthriller-Elemente einfließen. Manchmal glaubt man, dass beim Lesen mehrere Filme gleichzeitig ablaufen, so raffiniert ist die Story angelegt.

Bei all den Verfolgungsjagden in Leichenwagen, Hubschraubern, alten Doppeldeckern, Kutschen, Treckern und Polizeiautos bringt ein Protagonist das Tüpfelchen auf dem I in die Geschichte: Billy Woddlestock, ein uralter Farmer, dessen Hobby das Plastinieren toter Ehefrauen ist. Er gibt »HATARI! MONTANA« einen skurrilen und gleichzeitig mystisch-religiösen Touch. Seine Person ist so facettenreich angelegt, dass sie Pascoe fast die Show stiehlt. In ihm manifestiert sich das Credo des Buches; durch ihn wird klar, dass der ganze Irrsinn Methode hat. Glaube nichts und niemandem, nicht einmal deinen eigenen Träumen. Denn irgendeine höhere Macht, sei es Gott oder Captain Kirk vom Raumschiff Enterprise, hat alles für uns vorbestimmt.
HATARI - was in der afrikanischen Swahilisprache »Gefahr« bedeutet - ist in der Tat ein gefährliches Buch. Man läuft Gefahr, alles um sich herum zu vergessen, wenn man in die Geschichte eingestiegen ist und sich mitreißen lässt. Selten hat ein Debüt so überzeugt; selten sind Action, Anspruch, Humor, Spannung und ein Schuss Tiefgründigkeit so stilistisch geschliffen und pointiert zu einem lesenden Höllenritt vereint worden. Bis hin zum völlig überraschenden Ende, bei dem »HATARI! MONTANA« sich selbst auf die Schippe nimmt und einen rundum überzeugten Leser im Wachkoma zurücklässt.

Es sei noch zu erwähnen, dass diese Rezension anhand eines Vorabdruck-Belegexemplars geschah. Das Buch ist zurzeit nirgendwo im stationären Buchhandel erhältlich und wurde lediglich 1000 Testlesern zugänglich gemacht. Der kleine und unabhängige Buch-Marktforscher accommbook (zu erreichen unter www.action-verlag.de) will die Wirkung des Romans testen und dann die Rechte an einen großen Publikumsverlag übertragen. Wird dies gelingen? Das Buch ist – trotz einiger weniger Rechtschreibfehler in der Vorabdruck-Version - ein absoluter Knaller, wirklich Bestseller-verdächtig.

Bewertung:



© Anke Brandt

Lester Wallace
HATARI! MONTANA

Thriller
Gebundene Vorabdruck-Ausgabe mit Schutzumschlag
accommbook, Borken, 2009
368 Seiten / 19,95 €

www.action-verlag.de

Der Biochemiker Dr. Richard Pascoe hat ein Problem: Für den Pharmakonzern GLOBALFARM hat er ein Präparat entwickelt, dass es ermöglicht, nie mehr schlafen zu müssen. Gewonnen aus Giraffenblut würde das Medikament die Welt, wie wir sie kennen, komplett verändern, GLOBALFARM mit dem Patent und der Monopolstellung die mächtigste Instanz auf Erden werden. Das, und die Tatsache, dass das Präparat fehlerhaft ist und unweigerlich irgendwann zum Tode des Einnehmenden führt, bringt Pascoe dazu, die Formel an einem sicheren Ort zu verstecken und zu fliehen.
Jetzt hat der Chef des Konzerns, Ethan Cold, ein Problem: Er sieht seine Felle davonschwimmen und beauftragt einen Profikiller und einen Schnüffler, um die Formel zu finden und Pascoe zu töten.
Derart verfolgt flieht Pascoe ins ländliche Montana, genauer gesagt in das kleine Nest Fergusson. Hier trifft er auf einen über hundert Jahre alten Alkoholiker, dessen Hobby das Ausstopfen von Tieren ist, der seine verstorbene Frau als ebenso präparierte Mumie im Keller aufgestellt hat, Millionen im Lotto gewonnen hat, Star Trek-Fan ist, religiöse Visionen zu haben glaubt und sich dazu noch aus alten Kampfflugzeugen mit Jahrzehnte alten Fallschirmen stürzt. Auch ein jüdischer Bestatter, eine Bardame, die es sich nicht nehmen lässt, potentielle Bettgenossen vorsorglich zu betäuben, anzuketten und nach dem Einflößen von Viagra sicher zu gehen, dass diese trotz Bewusstlosigkeit ihren »Mann« stehen, und eine tote Kuh spielen mit, dessen Kadaver im Laufe der Zeit vom Pascoe verfolgenden Killer als Urinal zweckentfremdet wird. Wird es dem Biochemiker gelingen, einen letzten entscheidenden Anruf zu tätigen, bevor er sich selbst umbringen kann, da ihn die Schlafentzugsmedizin bereits langsam tötet? Denn das Handynetz funktioniert in Fergusson nicht und jemand hat sämtliche Telefonleitungen der Stadt gekappt ...

»Hatari! Montana« von Lester Wallace lässt sich mit viel Wohlwollen mit den Worten »bizarr« oder »skurril« zusammenfassen. Passender wären allerdings die Attribute »hanebüchen«, »überzogen« und »unlogisch«. Denn was der Autor hier zelebriert ist eine krude Verfolgungsjagd, deren Figuren nur auf eines getrimmt sind: Beklopptheit zum Selbstzweck. Das fängt beim wild um sich ballernden Konzernchef an, der im Prolog Forschungsobjekte (Giraffen) im Labor aus Jähzorn zersiebt. Über den seltsamen Alten habe ich ja schon in der Zusammenfassung berichtet. Und so lässt sich die Liste an Figuren munter fortsetzen, die der Autor bemüht, um seine an sich nicht sehr originelle Handlung voranzubringen. Die Grundprämisse mit dem Anti-Schlaf-Präparat ist als solche sicher gut und ausbaufähig, lediglich das Ergebnis kann überhaupt nicht überzeugen. Entweder ist die Übersetzung nicht gelungen oder der Stil des Autors an sich zu flapsig für einen Thriller dieser Art. Das Lektorat, auch wenn es sich bei dem Buch um eine Vorab-Version handelt, ist schlampig ausgeführt, Rechtschreibfehler häufen sich, außer den Kapitelüberschriften sind die Anfänge der Absätze nicht eingerückt. Das gesamte Schriftbild ist mit doppelt gewähltem Abstand eine Zumutung.
Während sich inhaltlich die Story oft im Kreise dreht (Pascoe sucht Telefon, findet keins, sucht wieder an einer weiteren Station, findet keins etc.) und der Großteil der etwa 350 Seiten mit der Beschreibung der wild zusammenphantasierten Personen gefüllt wird, schafft es der Autor sogar, nach einem voraussehbaren Ende (Warum sollte man sonst nur einen einzigen Telefonanruf tätigen wollen?) im Epilog seinen gesamten Roman ad absurdum zu führen. Auf ein paar Seiten bekommt die Geschichte noch einen unnötigen Twist, als hätte Lester Wallace plötzlich Angst vor der eigenen Courage bekommen. Zusätzlich – auch wenn der Epilog vielleicht entschuldigend oder erklärend gemeint ist – wird so der Roman zum einzigen Logikloch, da man viele vorangehende Szenen nicht aus der Sicht der Hauptperson erlebte, was mit dieser Auflösung absolut keinen Sinn macht.

»Hatari! Montana« ist als limitierte Versuchs-Auflage erschienen, um Leserstimmen zu generieren und Verlage auf das Manuskript aufmerksam zu machen. Es würde mich nicht wundern, wenn der Roman sich niemals an einen großen Verlag verkaufen würde. Es würde mich zusätzlich nicht wundern, wenn Autor Lester Wallace, der Name ist ohnehin ein Pseudonym, sich als unbekannter deutscher Autor mit erfundener Vita herausstellt. Hier hat jemand eine gute Idee gehabt, sie aber einfach schlecht und unkonsequent umgesetzt. Freunde skurriler und überzogener Charaktere greifen lieber zu Karen Slaughters »Unverstanden«, Liebhaber von Wirtschafts- bzw. Wissenschaftsthrillern zu »EarthCore« von Scott Sigler. Es ist mir unverständlich, wie jemand in diesem Text, der mit einer der schlechtesten (sowohl stilistisch als auch inhaltlich) ist, die ich in den letzten zehn Jahren gelesen habe, Hitpotenzial erkannt zu haben glaubt und auch noch eine Übersetzung in Auftrag gegeben hat. Die unten angegebene Bewertung vergibt den Punkt lediglich für die an sich spannende Ausgangsidee.

Bewertung:



© Sascha Vennemann

 

© by 2009
nach oben Zurück Optimiert für 1024x768 Pixel
im IE & Mozilla Firefox