Jeff Strand
Grabräuber gesucht (Keine besonderen Kenntnisse erforderlich)
Thriller, Hardcover
Otherworld Verlag, Graz, September 2009
254 Seiten / 18,95 €
ISBN: 9783800095087
Andrew Mayham war in seinem Leben nie sonderlich erfolgreich. Gesegnet mit seiner tüchtigen Frau Helen, die für die Familie als Krankenschwester den Unterhalt verdient sowie den beiden Kindern Theresa und Kyle, hat sich Andrew seinen Job mehr oder minder freiwillig ausgesucht: Er macht seine Kohle als mittelmäßiger Privatschnüffler, der für ein paar Dollar untreue Partner beim Fremdgehen filmt. Während er so auf Bäume klettert, um mit der Videokamera seiner Frau die Verdächtigen in flagranti zu erwischen, passt sein phlegmatischer Kumpel Roger auf die Kinder auf.
Eines Tages sitzen die beiden nichts ahnend in ihrem Lieblingscafé, als eine junge attraktive Frau auf sie zutritt und ihnen ein merkwürdiges Angebot macht: Für 20.000 Dollar sollen sie das Grab von Jennifers jüngst verstorbenem Mann öffnen, und dem Verstorbenen einen versehentlich im Sarg gelandeten Schlüssel abnehmen. Andrew zögert nicht lang, schließlich muss er noch eine Autoreparatur bezahlen, von der seine Frau nichts mitbekommen darf. Und auch Roger ist nicht abgeneigt, so einfach an ein bisschen Geld zu kommen.
Als die beiden bald darauf zur Tat schreiten, gerät alles fürchterlich aus den Fugen. Der Tote im Sarg stellt sich als höchst lebendig heraus – wenn auch nicht für lange. Irgendjemand feuert mit einer Armbrust auf Roger und Andrew, und bald darauf muss Andrew mit verbundenen Augen irgendwo eingesperrt dabei zuhören, wie ein wahnsinniger Killer Jennifer die Kehle durchschneidet. Doch der Mörder lässt die beiden wieder frei, nur um sie in eine perfide und morbide Schnitzeljagd zu verwickeln, bei der eine zerstückelte Leiche und Unmengen an Blut nur die Spitze des Eisbergs sind. Als schließlich auch noch Roger und Andrews Kinder in die Fänge des Wahnsinnigen gelangen, scheint Andrews ganze Welt aus den Fugen zu geraten. Und was haben ein seltsames Fantasy-Cardgame und die ominöse Videoproduktionsfirma »Makabre Freuden« mit der ganzen Sache zu tun ...?
Autor Jeff Strand überschreibt seinen Thriller mit »Ein Andrew-Mayhem-Roman«, und das lässt den geneigten Leser natürlich aufhorchen. Das vorliegende Buch erschien in englischer Sprache bereits 2003 und hat aufgrund seiner Beliebtheit nun schon zwei Fortsetzungen mit der selben Hauptfigur nach sich gezogen, deren deutsche Titel »Alleinstehender Psychopath sucht Gleichgesinnte« und »Sarg zu verkaufen (Nur einmal benutzt)« schon in den Angaben zum Autoren auf den Innenseiten des Buches zu finden sind. Das lässt Gutes im Hinblick auf eine mögliche Veröffentlichung weiterer Andrew-Mayhem-Romane auf Deutsch erahnen!
Ich persönlich würde mich darüber sehr freuen, denn »Grabräuber gesucht« ist mit Abstand einer der amüsantesten Thriller, die mir je unter die Augen kamen.
Wiederum hat sich der Otherworld Verlag erwiesen, den richtigen Riecher für fantastische Romane mit dem besonderen Etwas zu haben. Was sich in der Zusammenfassung noch wie ein etwas skurriler Serienkiller-Roman anhört, entwickelt sich im Laufe der knapp 260 Seiten in eine überaus unterhaltsame Mischung aus neueren Folterhorror-Filmen à la »Saw« oder »Hostel«, gewürzt mit einer ordentlichen Prise schwarzem Humor, abgedrehter Charaktere wie sie die Cohen-Brüder in Filmen wie »The Big Lebowski« nicht schöner erfinden könnten, abgerundet mit urkomischen und schnellen, pointierten Dialogen, wie sie zum Beispiel in der Fernseh-Serie »Gilmore Girls« zu finden sind.
Zuviel der Vergleiche? Vielleicht, aber es ist in der Tat schwer, sich eine prägnante Formulierung dafür einfallen zu lassen, was Jeff Strand mit dem Thriller-Genre hier anstellt. Vielleicht ähnelt es dem, was Douglas Adams mit »Per Anhalter durch die Galaxis« für die Science-Fiction und Terry Pratchett mit seinen »Scheibenwelt«-Romanen für die Fantasy geleistet haben – eine Einbettung von genretypischen Klischees in eine amüsante Handlung.
Dabei bildet die Grundstory ein solides Krimi-Gerüst, wie es sich für einen Thriller gehört. Knapp und mit sprachlichem Witz führt Jeff Strand den Leser durch die Handlung, die auf wenigen Seiten alles Notwendige beschreibt, viel aber auch ausblendet und sich nicht sonderlich lang an irgendwelchen stimmungsvollen Szenen aufhält. Seine Charaktere inszeniert der Autor als liebenswerte Loser, mit teils unerhört positivem Gemüt. Aber er schont sie auch nicht, und wenn es nötig ist, wird es auch äußerst brutal und blutig. Da werden Leichen zerstückelt und müssen als makabre Verstecke für die nächsten Hinweise der Schnitzeljagd herhalten, die der perfide Killer mit Andrew Mayhem veranstaltet. Und auch Andrew selbst wandelt sich im Laufe der Handlung vom notgedrungen handelnden Privatschnüffler zum harten Hund, der auch mal mit Gewalt das zu erfahren trachtet, was ihn möglicherweise weiterbringt.
Alles in allem ist »Grabräuber gesucht« aber die nahezu perfekte Mischung aus Thriller, Horror, Witz und Reduziertheit, die für ein kurzweiliges Lesevergnügen desjenigen sorgen, der schwarzen Humor und makabre Späße liebt. Wer allerdings eher Masse statt Klasse sucht, wird sich die Investition in das mit knapp 260 Seiten recht magere Hardcover noch einmal durch den (hoffentlich nicht abgetrennten) Kopf gehen lassen müssen ... *gg* Sicherlich einer der amüsantesten Romane des Jahres!
© Sascha Vennemann |
Jeff Strand
Grabräuber gesucht (Keine besonderen Kenntnisse erforderlich) Thriller, Hardcover
Otherworld Verlag, Graz, September 2009
254 Seiten / 18,95 €
ISBN: 9783800095087
Andrew Mayhem ist mal wieder knappe bei Kasse. Und die Tatsache, dass er sich derzeit in einer persönlichen Findungsphase befindet, ist für seine Beziehung zu seiner Ehefrau durchaus ein wenig spannungsfördernd. Zwar ist seine Frau Helen ein durchweg verständnisvoller Mensch, aber irgendwie möchte die vierköpfige Familie auch ernährt werden. Und so erscheint es völlig angebracht, dass auch Andrew einen Teil zum notwendigen Broterwerb beiträgt.
Da kommt ein Angebot, 20.000 Dollar für ein paar Stunden Arbeit zu erhalten, durchaus gelegen. Die Tatsache, dass Andrew und sein Freund dafür einen Sarg ausgraben sollen, erscheint zwar auf den ersten Blick schräg, aber den Toten wird es kaum stören. Dumm nur, dass der Insasse des Sarges bis zum Zeitpunkt des Ausgrabens noch gar nicht tot war. Als dann die Auftraggeberin entführt wird und Andrew und sein Freund Roger ins Ziel eines makabren Killers geraten, gerät die Sache völlig außer Kontrolle.
Jeff Strand legt hier einen Thriller mit Horrorelementen vor, der den Leser von einem Gag zum nächsten jagt. Dabei schafft er es in allen Belangen zu überdrehen. Der Autor offeriert einerseits einen Helden mit Familienanhang, der so wunderbar von Fettnäpfchen zu Fettnäpfchen tappt, dass man meinen könnte, er hätte ein eingebautes Radar dafür, andererseits einen Killer, der in seiner krankhaft perversen Fantasie kaum zu überbieten ist. Dabei brilliert die frische Schreibe Strands, die den Leser von der ersten bis zur letzten Seite in den Bann des Buches schlagen wird. Dennoch verkommt das Buch nicht zu einer kitschigen Parodie, was nicht zuletzt daran liegt, dass bei allem (teilweise sehr makabrem) Humor immer die Elemente Thrill und Horror stark im Mittelpunkt stehen.
Das Buch hat 260 Seiten und kommt als Hardcover mit einem schlichten, aber ansprechenden Cover daher. Das Coverbild selbst sagt nicht viel aus, passt aber zu Titel und Geschichte. Die Titelschrift hat was von einer Zeitungsannonce und rückt schon in ihrer Aufmachung den Roman etwas in die humoristische Richtung, was nicht zuletzt durch den Titel selbst unterstrichen wird.
Fazit:
Ein hervorragender Auftakt zur Andre-Mayhem-Reihe, der absolut lesenswert ist. Wer Spaß an makabrem, schwarzem Humor und wenig Probleme mit zuweilen auch recht blutigen Beschreibungen hat, kann hier mit Sicherheit einige sehr amüsante Lesestunden verbringen.
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