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Nicola MarniDie Tallinn-Verschwörung Thriller, Hardcover Andrea Kirschbaum wohnt zur falschen Zeit am falschen Ort und muss das mit ihrem Leben bezahlen. Die Mörder ahnen nicht, welche Folgen das für sie haben wird. Denn Andrea war die Freundin des MAD-Agenten Torsten Renk und der wiederum war mal ein guter Freund von Hajo Hoikens, der in der Neonaziszene eine nicht unbekannte Größe ist. Hajo wurde von Torsten »enttarnt» und lässt sich nun von Mitgliedern eines Geheimbundes engagieren, die mit allen Mitteln den Beitritt der Türkei zur EU verhindern wollen. Während der EU-Ratsversammlung soll ein Sprengstoffanschlag dafür sorgen, dass der Geheimbund sein Ziel erreicht. Alles ist geplant und durchdacht, die Neonazis sind zum Einsatz bereit, aber dann erscheint Renk auf der Bildfläche, dessen Fähigkeiten Hoikens nur zu bekannt sind. Die Tallinn-Verschwörung ist ein rasanter Thriller, der den Leser von Anfang an in seinen Bann zieht. Die Autoren greifen ein hochbrisantes Thema auf, dessen Wertung sie lediglich von der Warte eines Geheimbundes und deren neonazistischen Handlangern vornehmen. Damit bleibt ein sachliches Fundament, auf dem die Autoren ihre Handlung emotional aufbauen können. Dies gelingt ihnen anhand der detaillierten Charakterisierung der Protagonisten ganz hervorragend. Torsten Renk und Petra Waitl – das anfangs erwähnte Genie – kommen dabei für meinen Geschmack am besten weg. Gerade die äußerlich wenig attraktiv beschriebene Petra besticht durch einen Wortwitz, der mir die Figur sehr liebenswert gemacht hat. Torsten Renk wurde in einer anderen Rezension mit James Bond verglichen, doch soweit würde ich nicht gehen, dafür wurde die Figur viel zu individuell entwickelt. Seine Frechheit, die er zuweilen an den Tag legt, lässt ihn trotz seines Berufes und seiner Fähigkeiten sehr menschlich erscheinen und macht ihn damit ebenfalls zu einem großen Sympathieträger. Die Beschreibungen der Auslandseinsätze von Torsten Renk vermitteln beim Lesen einen Eindruck davon, was Menschen heutzutage in Kriegsgebieten durchleben müssen, ohne dabei pathetisch zu wirken. Anhand der Albanerin Lula bekommt man ganz nebenbei etwas über die Lebensverhältnisse in Krisengebieten erzählt. Den Autoren gelingt es dabei, die eigentliche Handlung nie in den Hintergrund zu drängen, und damit sind wir wieder bei der eigentlichen Story. Diese wird Stück für Stück entwickelt. Der Leser bangt von Anfang an mit, wie Renk es denn nun gelingen wird, die Mörder seiner Freundin zu stellen. Die Verbindung der Kirche zu den Neonazis ist eine gewagte Konstellation, die sicher in beiden Kreisen nicht auf Zustimmung stoßen dürfte. Ich aber fand gerade diesen Ansatz sehr interessant und was die Autoren daraus gemacht haben, ist eine äußerst spannende Geschichte, deren Fiktionalität anhand von kleinen Hinweisen im Text untermauert wird. Bei aller Fiktion merkt der Leser aber auch sehr schnell, dass hier eine sehr gute Recherchearbeit zugrunde liegt. Diese Kombination macht den besonderen Reiz dieses Thrillers aus, denn er unterhält nicht einfach nur, er regt auch zum Nachdenken an. Dass ich immer von »den Autoren« schreibe, liegt daran, dass Nicola Marni das Pseudonym des Autorenehepaares Iny und Elmar Lorentz ist. Nach ihren wahnsinnigen Erfolgen mit historischen Romanen wie zum Beispiel »Die Wanderhure« geben sie hier ihr Debüt im Bereich Thriller und dieses haben sie fabelhaft gemeistert.
© Anke Brandt |