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Susan HillDer Seele schwarzer Grund Originaltitel: The Risk of Darkness, England, 2006 Aus dem Englischen von Susanne Aeckerle Titelfoto von getty images/keystone Titelgestaltung von ZERO Werbeagentur, München Krimi, Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen Acht Monate liegt die Entführung zurück, der Kidnapper läuft noch immer frei herum – Simon Serrailler und sein Ermittlerteam sind kurz davor, die Hoffnung aufzugeben. Dann aber kommt dramatische Bewegung in den Fall … Nach zwei weiteren Vermisstenmeldungen gibt es endlich eine Spur: Das Auto des Verdächtigen ist gesehen worden. Simon macht sich allein und höchstpersönlich an die Verfolgung, denn der Stachel des ungelösten Falles sitzt tief. Es geht schließlich ein Verbrecher ins Netz, dessen Identität vollkommen überrascht und dessen Taten alles Vorstellbare sprengen. Doch das Virus des Menschenraubs scheint dennoch nicht aus Lafferton getilgt. Bald darauf wird die junge Vikarin der Kathedrale in ihrem eigenen Haus als Geisel genommen. Und was sich abermals als Bedrohung für die Stadt entwickelt, verhilft Simon paradoxerweise am Ende zu neuem Glück. »Der Seele schwarzer Grund« ist der dritte Band in der »Detective Chief Inspector Simon Serrailler«-Krimiserie von Susan Hill mit der Location in »North Riding«, wo so viele Schicksale zusammenführen, dass man meinen möchte, diese Fäden fänden niemals zusammen. Doch genau das ist die Stärke der Autorin. Es geht auch weniger um den Fall als solchen, denn der wird dem Leser recht schnell klar, dieses Buch handelt mehr von den Menschen und ihre seelischen Befindlichkeiten und Abgründe. Da ist allen voran natürlich Simon Serrailler, aber auch Cat Deerborn seine Drillingsschwester (haben beide noch einen Drillingsbruder) und verheiratete Ärztin, Mutter zwei Kinder (Sohn Felix und Tochter Hannah). Simon Serrailler ist eine sympathische Zentralfigur – sympathisch in der Gewichtung, die die Autorin an ihm vornimmt. Bei ihm laufen alle Fäden zusammen, aber er ist nicht so omnipotent, dass er die anderen Charaktere »erdrückt«. Und davon gibt es etliche, die dieses Buch zu einem psychologischen Mosaik werden lässt. Sei es nun Natalie Combs, alleinerziehende Mutter, und ihre Tochter Kyra (6 Jahre). Natalie ist mit der Erziehung ihres Kindes eindeutig überfordert. Sie liebt Kyra zwar, kann es ihr aber nicht zeigen – im Gegenteil, ihre schroffe und strenge Art ihr gegenüber, lässt eher darauf schließen, dass sie von Kyra genervt ist – so hat sie auch nichts dagegen, wenn die Kleine hin und wieder ins Nachbarhaus entschwindet – zu Ed, die ihr mehr Aufmerksamkeit schenkt, als ihre Mutter. Eine weitere »geplagte Seele« ist Max Jameson und seine todkranke Frau Lizzie, die an einer neuen Variante der Creutzfeld-Jakob-Krankheit leidet und daran verstirbt. Max mutiert zum gramgebeugten Mann, der den Boden unter den Füßen und den Bezug zur Realität verliert. In seinem Schmerz und auch Hass, dass ihm mit Lizzie schon die zweite Frau genommen wurde, verschanzt er sich mit Jane Fitzroy in ihrem Haus, will von ihr Antworten auf die Fragen, warum es gerade Lizzie treffen musste. Antworten, die es nicht wirklich gibt, wenn es um den Tod geht und ob er die Menschen gerecht ereilt. Und ob der Glaube zu Gott dabei eine Rolle spielt. Max, der schon immer eine Neigung zum Jähzorn hatte, verliert immer mehr seine innere Mitte, sieht erst in Jane Fitzroy, dann als ihn die Polizei in Gewahrsam nimmt, aber wieder auf freiem Fuß setzt, auch in anderen Frauen Lizzie – weil er sich weigert, ihren Tod zu akzeptieren, trotzdem er weiß, dass seine Frau gestorben ist. Und so verliert seine Seele immer mehr ihren Anker. Die Seelsorgerin Jane Fitzroy, Reverend im Imogen House, ist ein ebenso interessanter Charakter und ihre gespannte Beziehung zu ihrer atheistische Mutter Magda Fitzroy (Kinderpsychologin), die zweimal in ihrem Haus überfallen wird, aber unbeugsam und stark, wie sie ist, keine Hilfe von ihrer Tochter annehmen will und merklich damit hadert, dass diese Geistliche geworden ist. Aber auch Jane zweifelt schon bald daran, ob sie den richtigen Weg gewählt hat. Und da ist Ed – mit dieser Begierde nach Kindern. Was an Susan Hill besticht, ist ihr minimalistischer Stil. Die Autorin schreibt spannend, kurzweilig und nicht schwafelig – und dennoch unter die Haut gehend. Und sie vermag, trotzdem dem Leser recht schnell offenbart wird, wer die Kindesentführerin und –mörderin ist, die Spannung zu halten, sie sogar durchgängig – und vom Leser beinahe unbemerkt – zu steigern. Es ist ein vermeindlich »leicht unterhaltender« Roman, weil er löblicherweise auf Effekthascherei verzichtet. Doch wenn man ihn nicht flüchtig »überliest«, sondern die einzelnen Handlungsstränge, die Susan Hill beinahe spielerisch verbindet, die Geschichten, die hinter jeder Person stehen, auf sich wirken lässt, ist es ein in die Tiefe gehendes Werk. Vielleicht weil sich ein jeder darin wiederfindet. Selbst wenn es nur in Ansätzen ist. Fazit: © Alisha Bionda |