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Rezension - Der Ripper von Flensburg

Harald Jacobsen
Der Ripper von Flensburg
Grafiker: Mark Freier

Mystery-Thriller, Hardcover mit Schutzumschlag
Blitz-Verlag, Windeck, März 2011
264 Seiten / 15,95 €
ISBN: 9783898403184

www.blitz-verlag.de
www.harald-jacobsen.de
www.freierstein.de

»Im Herbst 1912 begann eine Serie von Morden, die sich bis ins Frühjahr 1913 hinzog. Sechs Jungfrauen aus Flensburg fielen dem Mörder zum Opfer, den einige der Seefahrer für Jack the Ripper hielten.«

Als die junge Miriam Becker ermordet aufgefunden wird, ist schnell ein Verdächtiger gefunden. Ihr angeblich Verlobter Kay Bremer, der in ihre Beziehung offenbar mehr hineininterpretiert hat, als es tatsächlich war und der das Opfer außerdem von einem Privatdetektiv beschatten ließ. Doch bald tauchen eine zweite und eine dritte Leiche auf, die Bremer nicht umgebracht haben kann.
Gleichzeitig wendet sich ein geheimnisvoller Informant an die Polizei mit der Information, dass es bereits im Jahr 1912 eine vergleichbare Mordserie in der Fördestadt gab. Viele dachten damals, dass Jack the Ripper aus London geflohen ist und sein Werk in Flensburg weiterführt.

Der Ripper von Flensburg beginnt als vielversprechender Krimi auf gehobenem Tatort-Niveau. Dafür sorgt neben dem Lokalkolorit die Schilderung der zwischenmenschlichen Beziehungen von Sonja Martensen und ihrem Team. Diese bilden einen schönen Gegenpol zu den Morden und lassen den Roman weniger düster wirken, wie es das Covermotiv andeutet. Leider wird dieses Gleichgewicht nicht ausdauernd gehalten und verflacht im selben Maße, wie der Roman insgesamt an Fahrt verliert. Es scheint, als hätte Harald Jacobsen den Roman mit vielen Ideen gestartet, auf halbem Weg aber die Lust verloren. Das ist vor allem wegen der anfänglich sehr gelungenen Personencharakterisierung schade, die nicht konsequent verfolgt wird. Auch das Mysteryelement wird nach der vielversprechenden Einführung nur noch stiefmütterlich behandelt und wirkt insgesamt mehr und mehr aufgepfropft. Immer wieder taucht der geheimnisvolle Informant Damian Sultan aus dem Nichts auf und verschwindet nach einigen Andeutungen sogleich wieder, ohne am Ende wirklich etwas beigetragen zu haben. Es scheint, als hätte der Autor kein rechtes Interesse an dem Mystery-Plot, der am Ende ohne befriedigenden Abschluss ad acta gelegt wird. Überhaupt wirkt der ganze Roman vor allem in der zweiten Hälfte eher behelfsmäßig zusammengeschustert denn aus einem Guss. Das vorhersehbare Finale bringt schließlich ohne jede Finesse zu Ende, was schon mehrmals im Roman angedeutet wurde.
Schade, denn Der Ripper von Flensburg hätte bei gewissenhafter Behandlung ein dichter Thriller mit Phantastikeinschlag und, vor allem, mit tollen Charaktermomenten werden können.

Die banale Ausführung des Romans verwundert, denn Harald Jacobsen ist ein geübter Autor, der u.a. schon eine Reihe Romane für die Serie Jerry Cotton verfasst hat.

Die Aufmachung lässt, wie üblich, keine Wünsche offen: handliches Hardcoverformat mit Schutzumschlag, ein stimmungsvolles Covermotiv von Mark Freier, das im Zusammenspiel mit dem Titellayout gutes altes Edgar Wallace-Feeling aufkommen lässt. Satz und Layout, wie auch die Verarbeitung und die Papierqualität stimmen.

Copyright © 2011 by Elmar Huber

 

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