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Der erste Mord

Der 1. Mord
Der Club der Ermittlerinnen Band 1

von James Patterson
Limes-Verlag (Verlagsgruppe Random House)
Hardcover
352 Seiten/ 21,90 €

Im 1. Band der Kriminalromanserie „Der Club der Ermittlerinnen“ von James Patterson, der in drei Teile plus Prolog und Epilog aufgeteilt ist, geht es um einen Serienmörder, dessen Opfer frisch verheiratete Ehepaare sind. Inspector Lindsay Boxer von der Mordkommission nimmt die Ermittlungen auf. Schließlich geraten sie auf die Spur eines Schriftstellers namens Nicholas Jenks, dessen Täterschaft eindeutig zu sein scheint – doch dann kommen Lindsay Zweifel. Sie und der in diesem Roman gegründete „Club der Ermittlerinnen“, bestehend aus ihr, der Pathologin Claire Washburn, der Reporterin Cindy Thomas und der Staatsanwältin Jill Bernhardt, haben etwas übersehen und in einem actionreichen Showdown stellen sie den wahren Täter. Doch erst ganz zum Schluss stoßen sie auf das Spiel eines wahren Teufels…

Klingt vielversprechend, oder? Ist es auch. James Patterson gelingt es mit „Der 1. Mord“ wirklich grandios, den Leser regelrecht zu fesseln und auf falsche Fährten zu locken. So dachte ich, etwa 100 Seiten vor Ende, wer der Täter sein könnte – und es ja letztlich auch war – Patterson wäre nur ein guter Krimi-Autor, wurde ich im Epilog so überrascht, dass ich inzwischen auch diese Meinung zurücknehmen muss. Denn er gehört zweifelsfrei zu den besten überhaupt. Dem Kommentar, dass Patterson selbst hart gesottenen Krimilesern den Atem raubt, kann ich nur voll und ganz zustimmen. Das Ganze ist zudem in sehr kurze Kapitel (durchschnittlich 1-2 Seiten, angenehme Schrift) aufgeteilt, was mir persönlich sehr gut gefiel.
Es fiel mir schwer, den Roman aus der Hand zu legen, sodass ich das Buch schon in drei Tagen durchgelesen hatte.
Aber auch eine gute Krimihandlung reicht alleine nicht aus, um einen wirklich sehr guten Roman zu schreiben, wenn die Nebenhandlung meines Erachtens teilweise zu Wünschen übrig lässt.
So ist mir zum Beispiel nicht klar, wieso gerade Chris Raleigh* sterben musste. Mir persönlich sind Ermittler, die keine (wenn auch nur lose) Partner/Beziehungen haben, eher unsympathisch (weshalb ich die Einführung von Sarah Hunter in die Jerry-Cotton-Serie sehr begrüßt habe). Wenn der Autor dadurch wenigstens sagenhaft viele Zeilen geschunden hätte – aber nein, so viel ist das gar nicht … schon gar nicht, dass es sich gelohnt hätte, ihn sterben zu lassen. Das ganze wirkte auf mich zwar wie ein Schock bzw. wie ein Schwall kaltes Wasser – allerdings auf eher unangenehme Weise.
Wieso der Autor gerade bei Band 1 einer neuen Krimi-Serie der Hauptfigur eine tödliche Krankheit mit auf den Weg gibt, ist mir allerdings auch suspekt. Allerdings wurden damit schon einige Zeilen mehr gefüllt als mit dem Tod von Chris*, sodass dies für mich noch relativ nachvollziehbar ist.

Allerdings stellt sich mir bei den Ermittlungsarbeiten eine Frage, ob man das so richtig gelöst hat. Frei von der eigentlichen, zweifellos spannenden Krimi-Handlung abgesehen, halte ich es für merkwürdig, dass sich die Mordkommission nun inzwischen auch um Arbeiten des FBI kümmert, da Serienmorde (zumindest soweit ich weiß) in den Zuständigkeitsbereich des FBI fallen.
Dass Lindsay Boxer, wie sie auf Seite 181 erwähnt, als Beraterin hinzugezogen wird, ist ja schön und gut … aber sie arbeitet so ziemlich genau so weiter, wie zuvor.

Ein Wort noch zum Thema „Sex & Crime“. Wem in Spannungsromanheftserien der Sex zu viel ist und diese deshalb u. a. als Schundromane abtut und deshalb lieber „richtige Bücher“ (also z. B. ein „richtiges Krimi-Buch“ wie von James Patterson) liest, sollte nicht zu vorschnell über Heftromane urteilen … denn wenn bei einer typischen Romanheftserie pro Roman einige Zeilen mit Sex-Szenen gefüllt werden, muss das nicht unbedingt bei „richtigen Büchern“ besser sein … streckenweise ging’s bei „Der 1. Mord“ schon ziemlich detailliert zur Sache (wobei das letztlich Geschmackssache ist). Damit will ich nicht sagen, dass ich etwas dagegen habe – allerdings muss ich doch noch einmal am Verstand der Kritiker zweifeln, die Romanhefte als Schund abtun.

Wer um alles in der Welt ist eigentlich auf den bescheuerten Titel „Der 1. Mord“ gekommen? Diesen Allerweltstitel hätte man auch guten Gewissens in den genauso nichts sagenden Titel „Der 1. Fall“ ändern können – einen großen Unterschied hätte es nicht gemacht und hätte zudem in das Schema gepasst, in den Titel der Romane auch immer die jeweilige Bandnummer einfließen zu lassen (der zweite Band heißt z. B. „Die 2. Chance“, der dritte „Der 3. Grad“ usw.). Hier hätte man eher einen Titel wie „Der Honeymoon-Mörder“, „Der Killer kam zur Hochzeitsnacht“ oder so etwas Ähnliches verwenden können.

Als Kriminalroman an sich gesehen mit Sicherheit ein sehr spannendes Buch – praktisch Spannung bis zur letzten Seite. Wenn ich den 1. Band vom „Club der Ermittlerinnen“ allerdings mit der „Jerry Cotton“-Serie vergleiche, stellt sich mir erneut die Frage, wieso „richtige Bücher“ besser sein sollen, als Romanhefte. Es gibt in diesem Roman eigentlich kaum Dinge, die ich in einem guten Jerry Cotton Roman nicht auch finde … einziger Unterschied ist, dass ein James Patterson Roman das zigfache eines Jerry Cotton Romans kostet.
…denn seien wir mal ehrlich: Der Roman hat zwar 350 Seiten und ein Jerry Cotton Taschenbuch etwa 220-240 Seiten – allerdings sind einige Schilderungen doch ziemlich weit ausgewalzt. Die polizeilichen Ermittlungen sind zwar sehr detailliert und nicht wie bei manch anderem Roman nur auf Zufällen basierend, allerdings hätte man das ganze auch auf 220 Seiten für ein Jerry Cotton Taschenbuch komprimieren können. Das spart nicht nur Geld, da die JC-TB’s halt einfach günstiger sind, sondern auch Zeit für den Leser.

Fazit: Durchaus eine Empfehlung wert – ich bin gespannt auf „Die 2. Chance“.

* Achtung, Spoiler (türkis gekennzeichnet, damit man es nicht sofort lesen kann)!

© Martin Palm

 

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