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Der 1. Mord von James Patterson
Klingt vielversprechend, oder? Ist es auch. James Patterson gelingt es mit „Der 1. Mord“ wirklich grandios, den Leser regelrecht zu fesseln und auf falsche Fährten zu locken. So dachte ich, etwa 100 Seiten vor Ende, wer der Täter sein könnte – und es ja letztlich auch war – Patterson wäre nur ein guter Krimi-Autor, wurde ich im Epilog so überrascht, dass ich inzwischen auch diese Meinung zurücknehmen muss. Denn er gehört zweifelsfrei zu den besten überhaupt. Dem Kommentar, dass Patterson selbst hart gesottenen Krimilesern den Atem raubt, kann ich nur voll und ganz zustimmen. Das Ganze ist zudem in sehr kurze Kapitel (durchschnittlich 1-2 Seiten, angenehme Schrift) aufgeteilt, was mir persönlich sehr gut gefiel. Allerdings stellt sich mir bei den Ermittlungsarbeiten eine Frage, ob man das so richtig gelöst hat. Frei von der eigentlichen, zweifellos spannenden Krimi-Handlung abgesehen, halte ich es für merkwürdig, dass sich die Mordkommission nun inzwischen auch um Arbeiten des FBI kümmert, da Serienmorde (zumindest soweit ich weiß) in den Zuständigkeitsbereich des FBI fallen. Ein Wort noch zum Thema „Sex & Crime“. Wem in Spannungsromanheftserien der Sex zu viel ist und diese deshalb u. a. als Schundromane abtut und deshalb lieber „richtige Bücher“ (also z. B. ein „richtiges Krimi-Buch“ wie von James Patterson) liest, sollte nicht zu vorschnell über Heftromane urteilen … denn wenn bei einer typischen Romanheftserie pro Roman einige Zeilen mit Sex-Szenen gefüllt werden, muss das nicht unbedingt bei „richtigen Büchern“ besser sein … streckenweise ging’s bei „Der 1. Mord“ schon ziemlich detailliert zur Sache (wobei das letztlich Geschmackssache ist). Damit will ich nicht sagen, dass ich etwas dagegen habe – allerdings muss ich doch noch einmal am Verstand der Kritiker zweifeln, die Romanhefte als Schund abtun. Wer um alles in der Welt ist eigentlich auf den bescheuerten Titel „Der 1. Mord“ gekommen? Diesen Allerweltstitel hätte man auch guten Gewissens in den genauso nichts sagenden Titel „Der 1. Fall“ ändern können – einen großen Unterschied hätte es nicht gemacht und hätte zudem in das Schema gepasst, in den Titel der Romane auch immer die jeweilige Bandnummer einfließen zu lassen (der zweite Band heißt z. B. „Die 2. Chance“, der dritte „Der 3. Grad“ usw.). Hier hätte man eher einen Titel wie „Der Honeymoon-Mörder“, „Der Killer kam zur Hochzeitsnacht“ oder so etwas Ähnliches verwenden können. Als Kriminalroman an sich gesehen mit Sicherheit ein sehr spannendes Buch – praktisch Spannung bis zur letzten Seite. Wenn ich den 1. Band vom „Club der Ermittlerinnen“ allerdings mit der „Jerry Cotton“-Serie vergleiche, stellt sich mir erneut die Frage, wieso „richtige Bücher“ besser sein sollen, als Romanhefte. Es gibt in diesem Roman eigentlich kaum Dinge, die ich in einem guten Jerry Cotton Roman nicht auch finde … einziger Unterschied ist, dass ein James Patterson Roman das zigfache eines Jerry Cotton Romans kostet. Fazit: Durchaus eine Empfehlung wert – ich bin gespannt auf „Die 2. Chance“. * Achtung, Spoiler (türkis gekennzeichnet, damit man es nicht sofort lesen kann)! © Martin Palm |