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Sebastian Fitzek
Das Kind Krimi/Thriller, Hardcover Droemer/Knaur, Januar 2008 400 Seiten/16,95 € ISBN: 9783426197820 Der Berliner Strafverteidiger Robert Stern bekommt es eines Tages mit einem ganz besonderen Mandanten zu tun: Der 10-jährige Simon Sachs ist der festen Überzeugung, in seinem früheren Leben ein Serienmörder gewesen zu sein. Kein schlechter Scherz: Bald darauf werden die Leichen lange gesuchter Verbrecher gefunden. So muss auch Stern einsehen, dass Simons Ahnungen nicht von ungefähr kommen – doch nicht nur das: Dabei muss er sich selbst seiner eigenen Vergangenheit stellen, die ihn nie los gelassen hat und noch bis heute verfolgt …
Eins muss man dem Knaur-Verlag lassen: Er weiß, wie man auf ein Buch bewirbt. Mit großer Medien-Aufmerksamkeit gerade im Internet vermarktete man schon lange Zeit vor dem offiziellen Erstverkaufstag Sebastian Fitzeks mittlerweile dritten Psycho-Thriller »Das Kind«. Ob man diese Art der Werbung deutscher Krimiautoren nun gutheißt oder nicht: Sie hat dem Thriller immerhin große Beachtung zuteil werden lassen; ob nun gerechtfertigt oder nicht. Fitzeks Stärke: Temporeiche und verzwickte Plots Schon ab der ersten Zeile wird deutlich, dass Sebastian Fitzeks Stärke eindeutig im Tempo liegt. Rasant und mit hoher Erzählgeschwindigkeit jagt der Autor den Leser in superkurzen Kapiteln – zu Anfang noch in schöner Regelmäßigkeit mit einem treffsicheren Cliffhanger abgeschlossen – durch das Geschehen und erschwert es in der Tat, den Thriller aus der Hand legen zu können. Dazu trägt natürlich die verzwickte Story bei; ähnlich wie bei seinen beiden ersten Thrillern enthält »Das Kind« etliche Elemente des Mystery-Thrillers, wenn auch nicht so zahlreich wie in seinem Debüt »Die Therapie«. Obwohl man dem Plot eine gewisse Genialität freilich nicht absprechen kann, ist die Wirkung der Auflösung jedoch bei weitem nicht mehr so intensiv und mitreißend wie bei den beiden Vorgängern. Logisch: Die Möglichkeit, ähnliche Knalleffekte wie in seinem Debüt ins Spiel zu bringen ist aus ganz natürlichen Gründen begrenzt, sodass sich die zentralen Wendungen dieses Romans teilweise (für meinen Geschmack) zu stark auf Überraschungen im Stil des moderneren Wer-war-der-Mörder-Prinzips verlassen und deshalb an Intensität einbüßen müssen. Fitzeks Schwäche: Glaubhafte Figuren Eine Schwäche des, wie es plakativ auf der Buchrückseite heißt, »neuen deutschen Stars des Psychothrillers« ist zudem ganz klar die Figurenzeichnung. Was in »Die Therapie« aus bestimmten Gründen eher unbemerkt blieb, sich in »Amokspiel« aber leise abzuzeichnen begann, wird mit dem Bild des Hauptcharakters Robert Stern leider ziemlich deutlich: Zwar mag Fitzek ein Händchen für komplizierte und überraschende Plots haben, aber seinem Schreibstil fehlt zumindest in »Das Kind« der Charme, eine plastische Hauptfigur mit nachvollziehbaren und authentischen Zügen zu kreieren. Natürlich hat auch Robert Stern seine ganz persönliche Trauergeschichte, aber möglicherweise liegt gerade hierin das Problem: Der Thrillermarkt ist mittlerweile sinnflutartig überschwemmt mit diesen 0815-Drama-Backgrounds der Hauptfiguren, die nur allzu oft nach Schema F entwickelt wirken, sodass der Background Sterns nur bedingt glaubwürdig wirkt. Ähnlich verhält sich das mit der Authentizität bei Andi Borchert. Dieser Charakter sorgt zwar für Sympathiepunkte, ist jedoch weder neu noch innovativ, sondern erinnert von der Figurenkonzeption schon sehr stark an Figuren aus Harlan Cobens »Kein Sterbenswort« und Linwood Barclays »Ohne ein Wort« (im Fall von Barclays Roman ist ein Ex-Freund der Frau des Protagonisten gemeint): Erst einmal mit dem Verbrechen konfrontiert, greift der Protagonist bald auf die Hilfe einer undurchschaubaren Figur mit kriminellem Hintergrund zurück, da dieser dem Hauptcharakter noch einen Gefallen schuldig oder aus anderen Gründen in den Fall verwickelt ist. Natürlich kann man hier von keiner Kopie der Charaktereigenschaften sprechen, die Parallelen sind dennoch unverkennbar. Packender, beängstigender Recherche-Hintergrund Abgesehen von den üblichen Kritikmerkmalen in Krimis und Thrillern – also Glaubwürdigkeit der Figuren, Qualität des Kriminalfalls, Schreibstil – sticht in »Das Kind« Sebastian Fitzeks hervorragende Recherchearbeit zum Thema Kinderhandel hervor, die hier mehr als beeindruckend ist. Weniger beeindruckend ist dafür der Schluss bzw. die konstruierte Schlussüberraschung, über deren Sinn und Berechtigung man sicher geteilter Meinung sein kann (auf die an dieser Stelle verständlicherweise allerdings nicht eingegangen werden kann). Nur so viel: Phantasie und Interpretationsmöglichkeiten haben hierbei sehr viel Spielraum. Ein etwas klareres Ende wäre beim nächsten Roman wünschenswert. Fazit:
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Sebastian Fitzek Das Kind Titelillustration/Titelfoto/Titelgestaltung von ZERO, Werbeagentur München Psychothriller, Hardcover Rechtsanwalt Robert Stern wird von der befreundeten Krankenschwester Carina zu einem Abrissgelände bestellt, wo Stern auf den zehnjährigen Simon Sachs trifft. Simon hat einen inoperablen Gehirntumor und möchte Robert als seinen Anwalt engagieren, denn er ist felsenfest davon überzeugt, dass er in einem früheren Leben, genauer gesagt, vor fünfzehn Jahren, einen Menschen mit dem Beil erschlagen hat. Die Leiche dieses Mannes soll auf diesem Abrissgelände zu finden sein, und tatsächlich stößt Robert Stern auf den halbverwesten Körper des Opfers. Für die Polizei gehört Stern zu den Hauptverdächtigen, da ihm aber nichts bewiesen werden kann, wird er entlassen. Zu Hause findet er eine DVD auf der er sieht, wie sein eigener neugeborener Sohn vor zehn Jahren an plötzlichem Kindstod stirbt. Kurz darauf sieht er einen zehnjährigen Jungen mit einem identischen Feuermal auf der Schulter bei einem Kindergeburtstag. Lebt Felix etwa noch? Ein Unbekannter behauptet dies und fordert Robert Stern auf, den Fall von Simon Sachs zu übernehmen und den wahren Täter zu finden. Erst dann bekäme er die Adresse des Jungen, der angeblich der Sohn des Rechtsanwaltes ist. Ab da beginnt für Robert Stern ein nicht enden wollender Albtraum, der ihn in die Abgründe der menschlichen Seele führt… Es ist wirklich nicht verwunderlich, dass die Romane von Sebastian Fitzek auf den Bestsellerlisten landen und auch im Ausland enormen Absatz finden. Der Spannungsaufbau, die einfühlsame Charakterisierung der Personen, sowie die aufwändige und gewissenhafte Recherche sind die Ingredienzien für diesen Psychothriller der Superlative aus der Feder von Sebastian Fitzek. Wie schon in seinem Debüt-Roman „Die Therapie“ hat auch der Protagonist des vorliegenden Textes, der Anwalt Robert Stern, mit dem Verlust seines Kindes zu kämpfen. Ein beliebtes zentrales Thema, welches Fitzek immer wieder aufgreift, es aber in der jeweiligen Umsetzung derart geschickt zu variieren versteht, dass keine Langeweile aufkommt. Bemerkenswert ist der minimalistische Stil, den der Autor pflegt und der das Buch so überaus kurzweilig gestaltet. Fitzek hält sich nicht mit ausschweifenden Beschreibungen der Umwelt auf, sondern berichtet nur über das, was für die Story und somit für den Leser von Belang ist. Dabei hebt sich der Spannungsbogen immer wieder an, um dem Leser eine erneute Überraschung zu präsentieren. Auch das Ende ist dem Schriftsteller äußerst gut gelungen und die Geschichte löst sich schlüssig und nicht allzu kitschig auf, so dass der Realismus nicht durch ein arg strapaziertes Happy End leidet. Allerdings sollte man bei der Lektüre des Buches starke Nerven haben, denn gerade die Passagen, in denen es über Pädophilie und Kinderhandel geht, sind nichts für zarte Gemüter. Dabei quält Fitzek seine Leser nicht mit grausigen Darstellungen, sondern allein durch die Einblicke in eine Szene, welche von kranken Individuen bevölkert wird, von denen es mehr gibt, als man gemeinhin annehmen dürfte. Die Umschlaggestaltung zu dem Hardcover passt hervorragend zu dem Roman und vermittelt einen düster-romantischen Eindruck. Besonders eindrucksvoll wirkt der Titel, der sich aus den dunklen Wolken herausschält. Das Buch selbst wurde auf hochwertigem, stabilen Papier gedruckt und die Bindung des Romans leidet auch nach mehrmaligen Lesen nicht. Fazit:
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