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Rezension - Champaine 1897

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von
Wally | Stefan Jahnke

Renate Behr
Champaine 1897

Krimi mit historischem Hintergrund
Hardcover
Persimplex Verlag, 2007, 2. Auflage
192 Seiten / 15,60 €
ISBN: 978-3940528131

Eigentlich hatte Ronda Baker ihre drei Wochen Urlaub fest verplant. Zunächst wollte sie den Dochboden aufräumen und dann für ein paar Tage in den Denali Nationalpark fahren. Die Journalistin beschäftigte sich in der Freizeit gern mit ungeklärten Kriminalfällen aus der Zeit der Jahrhundertwende. Beim Aufräumen eines alten Schrankes fiel ihr ein Zeitungsartikel aus dem Jahr 1897 in die Hände, der sofort ihr Interesse weckte. Kurz entschlossen packte sie den Artikel und eine Reihe von weiteren Papieren aus dem Schrank in ihr Auto und machte sich auf den Weg. Unbeschwerte Ferientage wollte sie genießen und ihre erste Rast machte sie in Champaine, einer ehemaligen Indianersiedlung. Doch dann überschlugen sich die Ereignisse.

In diesem spannend erzählten Roman begibt sich die Journalistin Ronda Baker auf eine Reise, die sie weit in die Vergangenheit entführt. Aufmerksam gemacht durch Selbstgespräche und Visionen entdeckt sie, dass es beim Tod des Indianerhäuptlings Uttiakee nicht mit rechten Dingen zuging und der wahre Schuldige nie entdeckt wurde. Sie gerät in Lebensgefahr bei dem Versuch, die Wahrheit ans Licht zu bringen und den Täter zu entlarven. Denn bis in die heutige Zeit hinein ist der Stamm der Cheskawee-Indianer rachsüchtig und auf der Suche nach dem Mörder des Häuptlings. Durch Rondas Recherchen nimmt das ganze jedoch eine überraschende Wendung. Wenn man diieses Buch angefangen hat, mag man es gar nicht mehr aus der Hand legen. Renate Behr erzählt in einfacher, aber ungeheuer faszinierender Art und Weise.

Bewertung:




© Wally
Renate Behr
Champaine 1897

Krimi mit historischem Hintergrund
Hardcover
Persimplex Verlag, 2007, 2. Auflage
192 Seiten / 15,60 €
ISBN: 978-3940528131

Wer sagt, dass man die Vergangenheit ruhen lassen soll, der irrt … oder hat einfach nur zu sehr recht! Kanada in unseren Tagen. Die Journalistin Ronda erwarb erst vor Kurzem das Haus ihrer alten Freundin Lizzy und fühlt sich nun in dieser gottverlassenen Gegend um Whitehorse wohl. Trotzdem braucht sie Urlaub. Ein paar Tage, drei Wochen vielleicht. Seit Jahren geplant und doch wurde nie etwas daraus. Selbst ihr Chef von der Daily News glaubt nicht an die freien Tage.
Wie man es kennt … erstens kommt es anders … Natürlich will sie vor der Reise noch den Dachboden aufräumen, ein wenig Ordnung in das Chaos bringen, welches Lizzy schon Jahre nicht mehr bewältigte. Und dabei … stößt sie auf Dokumente.
Der journalistische Spürsinn erwacht. Gegen alle Vernunft, vielleicht unvorhersehbare Ereignisse und Reaktionen heraufzubeschwören beginnt sie zu recherchieren. Schon ist der Leser mitten drin in alten Geschichten. Schnell steht fest, dass es um die Zeit des Goldrausches geht. Faszinierend. Das ist doch genau der Themenkreis, den Ronda so gern bearbeitet. Sie kann nicht anders, nimmt die alten Papiere mit auf ihre Reise, die sie eigentlich weit nach Westen führen soll, aber bereits beim ersten Zwischenstopp im nahe gelegenen Indianerort Champaine eine Wendung findet und erste Komplikationen aufwirft.
Ein Grab, älter als alle dort auf dem Friedhof, aber am besten intakt, erregt Rondas Aufmerk-samkeit, scheint eine Verbindung herzustellen zu ihren Träumen und vor allem zu den nur grob gesichteten Papieren vom Dachboden. Aber die Indianer sind nicht erfreut, als sie gegen die Regeln verstößt, dort Fotos macht, wo die Geister der toten Häuptlinge in Ruhe gelassen werden wollen. Auch wenn ihr eine junge und den Traditionen längst nicht mehr so verbundene Indianerin hilft, hat sie schon bald Angst. Begründet? Vielleicht.
Sie fährt weiter nach Alaska. Flucht? Nein, sie will nicht wahr haben, dass sie in Gefahr ist. Und als sie dann auf Miles trifft, ihren alten Schulfreund, der statt beim FBI als Polizist in Fairbanks arbeitet, scheint die Welt für kurze Zeit in Ordnung.
Was aber um Himmels willen hat sie nur mit ihren Fotos, den alten Papieren und ihren Fragen ausgelöst? Miles Großvater im nahen Reservat sieht viele dunkle Wolken, aber auch Hoffnung und die Stärke dieser Frau, die nicht nur die Story für den Pulitzerpreis sucht, sondern echtes Interesse zeigt. An alten Bräuchen, den Indianern ... und an Miles. Nein, die Ruhe ist vorbei. Erst scheint sich alles nur unterschwellig zu entwickeln. Dann meinen Ronda und ihr Freund, dass sie doch in Alaska weit von Champaine sind. Doch nach und nach müssen sie erkennen, dass da mehr ist als nur ein paar alte Geschichten.
Menschen sterben. Viele Menschen. Jetzt und in den Jahren seit damals mussten sie gehen. Und alle hatten irgendetwas mit diesem alten Häuptling da auf dem Friedhof zu tun.
Wie lange lebt der Hass? Wann ist genügend Blut geflossen für eine Tat vor Jahren, Jahrzehnten gar? Wer glaubt heute noch, dass ein paar alte Männer einfach keine Ruhe geben können? Die Zeichen sind eindeutig. Längst geht es nicht mehr um eine Tat vor Jahrzehnten. Ronda selbst und mit ihr alle, die ihr helfen, sie sind in Gefahr.
Behr beschreibt einen Fall, der sich genauso überall auf der Welt zugetragen haben kann. Bewusst wählt sie als Hintergrund und Umgebung eine Landschaft, der man vielleicht viel eher zutrauen würde, Geheimnisse genau dieser Art zu bewahren. Und doch fühlt der Leser, dass all dies sehr wohl bei den Sorben, den Elsässern, gar den Roma spielen könnte.
Indianer als Gleichnis des fehlenden Vergessens? Steht die Natur für Unantastbarkeit? Mutige und doch eigentlich unbeteiligte Menschen dabei für ein wenig Hoffnung auf Zukunft? Vielleicht.
Dass es um düstere und doch klar erkennbare Handlungsabläufe geht, zeigt schon das Hoch-glanz-Hardcover des Titels. Eine verfallene Hütte in den Weiten fast unberührter Natur.
Ist das Lizzys Haus? Soll es einen Indianerstamm symbolisieren, der bis heute überlebte, weil ein angeblich noch ungesühnter Häuptlingsmord nach Rache und Vergeltung schreit?
Ronda wehrt sich. Und sie findet auf ihrer Reise zur Wahrheit Freunde, die zu ihr stehen. Genau das ist die gute, die positive Aussage neben den vielen die Hoffnung fast zerstörenden Handlungsabläufen. Und Behr lässt uns in Land und Leute ihres Romanes hineinschauen.
Ein Buch zur spannenden Unterhaltung? Natürlich!
Ein Buch zum Nachdenken? Auch …
Ein Buch, das man lesen sollte? Wenn man auf Krimis mit toller Atmosphäre steht, klar!
Ein Buch, das neugierig auf eine Fortsetzung macht? Ja!

Copyright © 2010 by Stefan Jahnke

 

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