Tom Knox
Cagot
Thriller, Hardcover
Hoffmann & Campe Verlag, Hamburg, März 2011
480 Seiten/ 19,99 €
ISBN: 9783455403176
Während in England eine Serie furchtbarer Ritualmorde geschehen, tritt David Martinez nach dem Tod seines Großvaters ein zwar millionenschweres, dennoch merkwürdiges Erbe an.
Die Opfer in England sind alle baskischer Herkunft und weisen Deformierungen an den Füßen auf, David wiederum erhält eine Karte, die ihn direkt ins Baskenland führt.
Der Journalist Simon Quinn, der in England ermittelt, wird auf einen Volksstamm aufmerksam, der wegen seiner Andersartigkeit von je her verfolgt wurde. David kommt eben jenem Stamm direkt im Baskenland auf die Spur. Doch die Basken wollen das Geheimnis um diesen Volksstamm nicht preisgeben, denn es ist zu unglaublich, was mit den Cagots geschah.
David und Quinn lassen jedoch nicht locker, bringen sich und ihre Familien und Freunde in Gefahr und reisen um die halbe Welt, um das Geheimnis der Cagots zu ergründen.
Aber da sind auch noch Miguel und die ETA-Terroristen, die das unbedingt verhindern wollen. Und so wird aus den Ermittlungen eine Verfolgungsjagd, bei der die Jäger immer einen Schritt voraus zu sein scheinen …
Die beiden erwähnten Protagonisten lassen es schon ahnen, die Story setzt sich aus zwei Handlungssträngen zusammen. Während Quinn in England ermittelt und recherchebedingt nach Frankreich reist, ist David im Baskenland unterwegs, um den Spuren seiner Vergangenheit anhand der alten Landkarte zu folgen, die ihm sein Großvater vererbte. Somit springt die Handlung zunächst hin und her, bis sich beide Wege kreuzen. Dabei wird dem Leser von Anfang an klar, dass dieser Punkt kommen wird, denn die Hinweise führen die beiden von Anfang an ins Baskenland.
Was dem Leser aber auch von Beginn an klar sein sollte, hier geht es in keiner Weise um die Aufdeckung einer religiösen Verschwörungstheorie, auch wenn eine Bruderschaft eine Rolle spielt, sondern um wissenschaftliche Erkenntnisse, die der Eugenetiker Eugen Fischer während der Naziherrschaft errungen hatte. Und damit sind wir auch schon bei einem geschichtlichen Abschnitt, der für die Handlung nicht unbedeutend ist. Es geht aber noch einige Jahrhunderte weiter zurück, als man systematisch mit der Diskriminierung, Ausgrenzung und Ausrottung der Cagots im Baskenland begann. Und egal, in welcher Zeit sich der Autor bewegt, er benutzt immer die grausamsten Momente, um die Handlung voranzutreiben. Die Beschreibungen der Morde in England sind ebenso brutal und blutrünstig wie die Hexenverbrennungen im 17. Jahrhundert oder die Methoden, mit denen Miguel sich den Weg freiräumt. Auf detaillierte Beschreibungen muss sich der Leser gefasst machen, Kannibalismus ist dabei noch eins der kleineren Übel.
Waren diese Details nötig?
Ich meine, ja. Die Geschichtsbücher sind voll von Grausamkeiten. Tom Knox nutzt sie als Stilmittel, um die Ausrottung eines ganzen Volkes anhand Einzelner zu veranschaulichen. Auch wenn die Geschichte fiktiv ist, so untermalen all die Gräuel doch die Glaubwürdigkeit. An manchen Stellen wirkt es vielleicht ein wenig übertrieben, weil der Autor immer wieder Querverweise darauf gibt, doch in Psychothrillern tun es die Autoren auch. Zwar auf einer anderen Ebene, aber nicht weniger grausam.
Tom Knox bedient sich eines hohen Erzähltempos, was die Handlung vorantreibt, aber auch für immense Spannung sorgt. Irgendwie gelang es ihm dennoch nicht, einen Spannungsbogen bis zum Ende aufrechtzuerhalten. Dafür gibt es mittendrin schon zu viele Hinweise, worauf die gesamte Handlung hinauslaufen wird. Statt eines Spannungsbogens gab es mehrere, die dann leider das ganz große Finale vorwegnahmen.
Fazit:
Alles in allem ist Tom Knox wieder ein rasanter Thriller gelungen, den sensible Gemüter besser nicht lesen sollten. Die detaillierten und brutalen Folterbeschreibungen ziehen sich durch die gesamte Handlung und zeigen auf, wozu Menschen fähig sein können, wenn es um Andersartigkeit geht.
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