
Rezension - Der Augenjäger

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Sebastian Fitzek
Der Augenjäger
Titelgestaltung von ZERO, Werbeagentur München
Psychothriller, Hardcover
Droemer Knaur, München, September 2011
432 Seiten / 19,99 €
ISBN 9783426198810
Alexander Zorbach bleiben 45 Stunden und 7 Minuten, um seinen Sohn zu finden. Ein Hinweis führt ihn und die Ermittler zu einem verlassenden Schiff. Dort stellt der Augensammler seine Bedingungen: Für das Leben seines Sohnes muss Zorbach sich erschießen …
Sieben Wochen später. Die Polizei hat einen weiteren Serienmörder festgenommen. Der Augenjäger ist berüchtigt dafür, dass er junge Frauen entführt und ihnen die Augenlider entfernt, ehe er sie tagelang vergewaltigt, bevor er sie wieder freilässt. Bislang hat jedes seiner Opfer Selbstmord begangen. Doch nun wurde Zarin Suker als Hauptverdächtiger inhaftiert. Der Leiter der Mordkommission, Philipp Stoya, bittet Alina Gregoriev um Hilfe. Die blinde Physiotherapeutin, die angeblich über besondere Fähigkeiten verfügt, soll Suker behandeln und Hinweise für seine Schuld finden. Zunächst lehnt Alina ab, als aber die Alkoholikerin Johanna Strom bei ihr zu Hause erscheint und sie um Hilfe bittet, wird Alina schwach, denn Johannas Tochter Nicola ist verschwunden. Der Augenjäger selbst hat ihr ein Foto der Sechzehnjährigen gezeigt, nackt und gefesselt. Um Nicola zu finden, lässt sich Alina auf die Behandlung des Augenchirurgen Suker ein. Damit beginnt ein perfides Spiel, das Alina an den Rand des Wahnsinns treibt ...
Mehr darf man gar nicht vom Inhalt verraten, ohne Gefahr zu laufen dem Leser die Spannung zu nehmen. Daher sollte man auch unbedingt die Warnung des Autors ernst nehmen, die dieser anstelle eines Prologs vor dem Roman platziert hat. Tatsächlich ist die Geschichte zwar ohne Kenntnis des Vorgängers Der Augensammler verständlich, aber bei Weitem nicht so spannend, als wenn man die Bücher chronologisch liest. Führt man sich den vorliegenden Roman zuerst zu Gemüte, ist Der Augensammler tatsächlich nicht mehr halb so interessant und spannend. All diejenigen, die den ersten Band aber schon gelesen haben, erwartet ein Thriller-Erlebnis der Superlative, in dem Fitzek erneut ein Wirrwarr an Spannungsfäden produziert, um dieses dann am Ende gekonnt zu entknoten. Erstaunlich ist das Tempo, in dem Fitzek seine Geschichte erzählt. Die Kapitel sind kurz und pointiert, sodass der Leser beinahe schon gezwungen ist, weiterzulesen, bis zum bitteren Ende. Augensammler und -jäger sind zwei äußerst fiese Psychopathen, deren Taten umso brutaler wirken, da gerade Manipulationen an den Sehorganen für viele Menschen der Inbegriff des Horrors darstellen. Im Mittelteil stagniert die Story kurzzeitig, denn Alinas Befreiungsaktion wird sehr ausladend und detailliert geschildert und die Figur des Zarin Suker bleibt zunächst recht oberflächlich. Doch das letzte Drittel entschädigt für die kleine Durststrecke, denn was Fitzek da aus dem Hut zaubert, ist schlichtweg brillant. Zwar wirken die Zusammenhänge teilweise sehr konstruiert, aber das stört angesichts der originellen Einfälle und der Umsetzung keineswegs. Alfred Hitchcock hätte an dem Roman seine helle Freude gehabt. Hinzu kommt die gewissenhafte Recherche, die der Autor auch diesem Buch zuteilwerden ließ. Die Erwartungen an die Fortsetzung von Der Augensammler werden jedenfalls voll und ganz erfüllt, wenn nicht sogar übertroffen. Die Fitzek-Fans werden begeistert sein.
Passender könnte die Covergestaltung gar nicht sein. Insbesondere die Farbgebung von Auge und Umgebung ist hervorragend.
Fazit:
Trotz des konstruierten Plots ein glänzend erzählter Thriller. Was Hitchcock für den Film war, ist Fitzek für den deutschen Buchmarkt. Ein Meister der Suspense.
Copyright © 2011 by Florian Hilleberg |
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Sebastian Fitzek
Der Augenjäger
Titelgestaltung von ZERO, Werbeagentur München
Psychothriller, Hardcover
Droemer Knaur, München, September 2011
432 Seiten / 19,99 €
ISBN 9783426198810
Dr. Suker ist einer der besten Augenchirurgen der Welt. Und Psychopath. Tagsüber führt er die kompliziertesten Operationen am menschlichen Auge durch. Nachts widmet er sich besonderen Patientinnen: Frauen, denen er im wahrsten Sinne des Wortes die Augen öffnet. Denn bevor er sie vergewaltigt, entfernt er ihnen sorgfältig die Augenlider. Bisher haben alle Opfer kurz danach Selbstmord begangen.
Aus Mangel an Zeugen und Beweisen bittet die Polizei Alina Gregoriev um Mithilfe. Die blinde Physiotherapeutin, die seit dem Fall des Augensammlers als Medium gilt, soll Hinweise auf Sukers nächste »Patientin« geben. Zögernd lässt sich Alina darauf ein - und wird von dieser Sekunde an in einen Strudel aus Wahn und Gewalt gerissen ...
Den Inhalt des Buches mit eigenen Worten zusammenzufassen, ist fast unmöglich, ohne dabei zu spoilern. Auch bei der Bewertung wird es sich als schwierig erweisen, nichts von dem zu verraten, was den Wahnsinn dieses Thrillers ausmacht.
Sebastian Fitzek stellt mit diesem Buch alle seine vorangegangenen Romane in den Schatten, was Überraschungsmomente und irrsinnige Genialität angeht. Meines Erachtens liegt es daran, dass Der Augenjäger nahtlos an den Augensammler anschließt und auf einem Fundament von Personen und Fakten aufbauen kann. Da braucht es keine Erklärungen, Fitzek kann sich sofort in den Wahnsinn stürzen. Und das tut er, ohne Pause. Der Autor verstrickt sich in ein Handlungsgeflecht, dem ich als Leser nur folgen konnte, indem ich das Buch nicht mehr aus der Hand legte.
Kurze Kapitel treiben die Handlung immer schneller voran, scheinbar offensichtliche Details werden nach kurzer Zeit schon wieder infrage gestellt, zum Augenjäger gesellt sich der Augensammler, doch wo führt das letztendlich alles hin?
Da werden Figuren glaubhaft charakterisiert, nur um dem Leser aufzuzeigen, wie manipulierbar er selbst durch solche Beschreibungen wird, denn in diesem Buch ist nichts so, wie man denkt. Und dabei dachte ich, dass ich nach der Lektüre aller Thriller des Autors so etwas wie ein Handlungsmuster erkennen würde. Nicht in diesem Roman, obwohl rückwirkend alles logisch erschien und eigentlich nur so und nicht anders kommen konnte.
Laut Vorwort des Autors kann man den Augenjäger unabhängig vom Augensammler lesen. Liebe Leser, bitte tut das nicht! Ihr bringt euch um den einmaligen Genuss, des Wahnsinns fette Beute zu werden. Lest die beiden Bücher in der chronologischen Reihenfolge und genießt Alpträume mit geöffneten Augen.
Fazit:
Der Augenjäger ist meiner Meinung nach Fitzeks bisher raffiniertester Roman. Mein Verstand weigert sich zwar, die Handlung als glaubwürdig anzuerkennen, aber aufgrund der Gespräche, die ich mit dem Autor über seine Recherchearbeit führte, muss ich viele Details doch hinnehmen, obwohl ich sie mir nicht vorstellen möchte. Und das ist genau der Reiz, der das Lesen eines Thrillers von Sebastian Fitzek immer wieder ausmacht. Er macht uns als Leser mit dem Wahnsinn bekannt und beweist uns immer wieder, dass die Grenze dahin viel zu schnell überschritten werden kann.
Copyright © 2011 by Anke Brandt
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