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Das Magdalena-Evangelium

Das Magdalena-Evangelium
von Kathleen McGowan

Deutsch v. Rainer Schumacher u. Barbara Först

Lübbe Verlag
Gebunden
541 Seiten/ 19,95 €

Maureen Paschal ist Historikerin, Wissenschaftlerin und Schriftstellerin in einem. In ihrem Buch„HERStory (genialer Titel, aber das nur so am Rande!)“ beschäftigt sie sich mit Figuren der Geschichte, und versucht sowohl zu verstehen, wie auch zu ergründen, welchen Nutzen die
damaligen herrschenden (vor allem männlichen) Geschlechter hatten, dass viele – wenn nicht sogar alle Frauen – in der Geschichte schlecht wegkamen. Es wird eben nicht „HIStory („his“, engl. für seine)“ besprochen, sonder „HERStory („her“, engl. für ihre)“. „Geschichte ist nicht was geschrieben steht, sondern was gelebt wurde.“ Unter dieser Voraussetzung versucht sie Hintergründe von Zeitgenossen ausfindig zu machen, die ebenfalls über diese Frauen geschrieben haben, aber deren Werke keine geschichtliche Beachtung fanden.
Maria Magdalena war eine dieser Figuren. Gerade sie beschäftigt Maureen Paschal am meisten. Und es scheint, dass Maria Magdalena auch nach gut 2'000 Jahren noch etwas zu erzählen hat. Natürlich die Wahrheit! Wie es wirklich war, und nicht, wie sie in der Bibel steht: beschönigt oder verdreht.Während Dan Browns „The DaVinci-Code (dt. Sakrileg“)“ Geschichte in einer halsbrecherischen Fahrt durch das Buch führt, und den Leser von einem Rätsel zum nächsten hetzt, nur um einer heißen Spur zu folgen, die selbst nach dieser langen Zeit noch sein soll, nimmt es Kathleen McGowan etwas ruhiger. Hier ist die schwarz/weiß Malerei nicht so ausgeprägt, aber auch in diesem Werk erscheint nicht alles so, wie es scheint. Dadurch gelingt es ihr, einen interessanten Bogen zu spannen, der den Leser mit auf eine Reise nimmt, die spannender und interessanter nicht sein könnte, anstatt ihn vor sich her zu jagen, dass
einem fast die Luft weg bleibt. Voraussetzung ist natürlich, dass man Weltoffen ist und das Gesagte auch mal vom Gefühl her zu sich nimmt, und den logischen Verstand mal ins Kämmerlein schließt, der einem immer wieder sagen will, dass es so in der Bibel aber anders stehe...
Ein Argument, dem sich Kritiker auch gerne annehmen, gebe ich zu. Dabei ist diese ein Sammelsurium von kleinen, niedlichen – aber auch weniger niedlichen – Geschichten, die bis über 200 Jahre nach Jesus Tod hinweg mündlich weiter gegeben wurden. Und der geneigte Leser kann sich selber vorstellen, was in einer solchen Zeit aus einer Geschichte wird! Was weggelassen wird, was hinzugefügt wird. Obwohl ich Dan Browns Story sehr interessant fand, setze ich diese eher in den Bereich Fiktion. Auch wenn es mir unmöglich erscheint genau zu sagen, wo diese beginnt oder etwa endet. Aber zum lesen ist es genial. Wenn man/frau einen etwas offenen Geist hat. Mit Kathleen McGowan hadere ich da schon eher. Sie greift da auf Dinge zurück, die ich selber schon in Sachbüchern gelesen und weiter verfolgt habe, und baut es in die Handlung ein. Die Merowinger sind ein Beispiel dafür. Ebenso das Volk der Katharer, die Templer oder der heilige Gral. Johannes der Täufer, Maria Magdalena und Jesus selbst kommen im Roman vor und erzählen ein Bild der Geschichte, wie sie durchaus hätte passieren können. – Der Leser kann sich schließlich selber entscheiden, in welche Richtung er gehen will. Und da dies der erste Band von einer geplanten Trilogie ist, kann er sich noch auf mehr Material freuen. – Ich tue es jedenfalls! Abschließend muss ich doch noch erwähnen, dass der Roman keine supergute Kritik bekommt, da er gegen den Schluss etwas langatmig wurde (20-30 Seiten), aber ob das in der zugrunde liegenden Übersetzung lag oder am Stil selber (oder vielleicht sogar an meiner Müdigkeit, da die Nächte sehr
kurz wurden), werde ich erst dann wissen, wenn ich mir das Original in Englisch noch mal zu Gemüte geführt habe. Und das will doch was heißen, wenn ich die Story so rasch wieder aufgreife! Den Autoren des Hüters kann ich das Buch jedenfalls nur wärmstens empfehlen. Schon nur der Recherche wegen. Aber ich bin sicher, dass auch andere ihren Gefallen an dem Buch finden werden.

© Michel Wuethrich

 

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