Alexander Merow
Beutewelt
Bürger 1-564398B-278843
Science Fiction, Taschenbuch
Engelsdorfer Verlag, Leipzig, April 2010
250 Seiten/ 12,90 €
ISBN: 9783869018393
Die Welt im Jahr 2028 ist ein einziger totalitärer Überwachungsstaat. Die Weltregierung suggeriert dem Volk mittels Medien, Polizei und Militär Humanität und Weltfrieden. Doch für den einzelnen Bürger sieht das Leben weder human noch friedlich aus. Am Beispiel des Bürgers Frank Kohlhaas, dessen Bürgernummer 1-564398B-278843 lautet, wird ein Leben geschildert.
Frank Kohlhaas kann sich glücklich schätzen, dass er in dieser Zeit von Arbeitslosigkeit, Not und Elend einen Aushilfsjob und dadurch auch eine kleine Wohnung hat. Doch das ändert sich, als er seinem Chef Widerworte gibt und dafür zu 5 Jahren Haft verurteilt wird.
Haft bedeutet absolute Isolation, Gehirnwäsche und in Franks Fall sogar noch ein Versuch, wie lange ein Mensch unter gewissen Umständen überleben kann. Doch er erweist sich als zäh und so wird Frank Kohlhaas nach acht Monaten in ein anderes Gefängnis verlegt. Zumindest ist dieses andere Gefängnis das Ziel des Transports, doch er kommt nie in diesem Gefängnis an. Rebellen befreien Franks Mithäftling unterwegs und um keine Zeugen zu hinterlassen, wird Frank kurzerhand mit befreit. Er findet sich in einem kleinen Ort in Litauen wieder, der von Menschen bewohnt wird, die gegen das System rebellieren. Und Frank, der seine Zeit der Haft überwunden zu haben glaubt, fasst dort einen unglaublichen Plan …
Der Roman »Beutewelt« ist nichts für zarte Gemüter. Allzu realistisch erscheinen die Beschreibungen eines globalen Staates, in dem kein Platz für Individualismus und Persönlichkeitsentfaltung ist. Menschen werden in der Masse zu Vieh, welches in einer Herde leben muss und nur eines darf: sich unterordnen. Alexander Merow erzählt in diesem Buch seine Vision von der Entwicklung der Globalisierung und diese wird für die Menschheit zu einer düsteren Zukunft.
Am Beispiel von Frank Kohlhaas macht der Autor die Lebensumstände deutlich. Menschen werden zu Nummern und wer nicht funktioniert, verschwindet aus dem Leben. Haft wird ach so human als Heilungsprozess getarnt, in Wirklichkeit ist es eine Zeit der Grausamkeit und Gehirnwäsche.
Doch es gibt auch Hoffnung, denn so global die Weltregierung auch herrschen möchte, sie kann nicht jeden Flecken der Erde unter Kontrolle halten. Und so gibt es wenige Orte, an denen der Widerstand arbeitet. Menschen, die sich gegen das System auflehnen, jedoch im Untergrund bleiben müssen, denn die Weltregierung stützt sich auf die Hilfe von Polizei und Militär.
Alexander Merow beschwört eine beklemmende Atmosphäre herauf. Bei aller Vision beschreibt er seine Zukunft doch in weiten Teilen so, dass sie auf alle Fälle nicht als unmöglich erscheint, auch wenn einige Details vielleicht übertrieben wahrgenommen werden. Doch schaut man sich die Welt heute an, und vor allem auch die Geschichte unserer Welt, dann ist die Zukunft von Beutewelt gar nicht so abwegig.
Mit der Story an sich konnte Merow mich als Leser überzeugen, denn sie ist realistisch beschrieben.
Was mich beim Lesen einige Male irritierte, war der Stil des Autors. In einem Absatz wurde die gleiche Person oft mit mehreren Bezeichnungen aufgeführt. Das war dann doch manchmal zu viel des Guten, sorgte eher für Verwirrung als für vermiedene Wiederholungen (und ich vermute, das was der Zweck des Ganzen).
Fazit:
Eine Zukunftsvision, wie sie düsterer und grausamer kaum sein kann.
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