
Rezension - Picknick am Wegesrand

Picknick am Wegesrand
von Arkadi und Boris Strugatzki
215 Seiten
(davon sind 27 Seiten das Nachwort von Stanislaw Lem)
Suhrkamp Taschenbuch 670
ISBN 3-518-37170-3
Nachdem dieses Buch als Spitzenreiter aus der Abstimmung auf fictionfantasy.de hervorging, soll es hier noch etwas detaillierter vorgestellt werden:
Außerirdische Intelligenzen besuchten die Erde, landeten an verschiedenen Orten, ließen dort rätselhafte Gegenstände zurück und verschwanden wieder, ohne sich den Menschen gezeigt zu haben.
Das „Internationale Institut für außerirdische Kulturen“ bemüht sich um eine Erforschung der sechs Besuchszonen, die sich über verschiedene Regionen der Erde verteilen. Eine riskante Arbeit, denn in den Zonen lauern Gefahren wie die Hexensülze, die Fliegenklatsche und der sengende Flaum.
Trotzdem treiben auch Schatzgräber ihr Unwesen, die nach Artefakten suchen, um sie auf dem Schwarzmarkt zu verhökern. Diese Schatzgräber leben noch gefährlicher, denn sie arbeiten meist bei Nacht und verfügen im Gegensatz zu den Wissenschaftlern nicht über Schwebefahrzeuge und Schutzanzüge.
Die Gegenstände, die in den Zonen gefunden werden, bleiben indessen mysteriös, so wie zum Beispiel die Nullen - Gebilden aus zwei runden Kupferscheiben, die in einem Abstand von vierzig Zentimeter zueinander verharren und durch keine Kraft der Welt getrennt oder zusammengeschoben werden können.
Das Buch zeigt auf, wie die Menschen mit dem mysteriösen Besuch umgehen. Sie wissen nicht, welche Ziele die Außerirdischen verfolgen, sie verstehen nicht die Bedeutung der Artefakte, die in den Besuchszonen gefunden werden. Doch von Beginn an versuchen sie, aus dem Besuch finanziellen Gewinn herauszuschlagen. So werden z.B. die „schwarzen Spritzer“ von reichen Frauen als Schmuck getragen. Und auch für andere der seltsamen Überbleibsel der Besucher lässt sich schnell eine Anwendung ersinnen - insbesondere für die Hexensülze, durch die schon etliche Menschen ums Leben kamen.
Die Geschichte wird aus der Sicht zweier verschiedener Charaktere in Form mehrerer Episoden erzählt, die zeitlich einige Jahre auseinander liegen.
Hauptcharakter ist Roderic Schuchart, ein Schatzgräber, der den ersten Abschnitt der Geschichte in der Ich-Form erzählt. In den späteren Episoden bleibt Roderic Schuchart zwar meist der Perspektivcharakter, die Ich-Form wird jedoch aufgegeben. Dieser Bruch in der Erzählform ist bei Autoren wie den Gebrüdern Strugatzki sicherlich kein Zufall und soll vielleicht die Entfremdung des Charakters von seinem früheren Ich unterstreichen.
Roderic Schuchart saß bereits wegen Schatzgräberei im Gefängnis und versucht zunächst, wieder einem geregelten Leben nachzugehen. Er arbeitet als Laborant für das „Internationale Institut für außerirdische Kulturen“ und empfindet Freundschaft für den russischen Wissenschaftler, dem er als Assistent zugeteilt ist.
Auch als er sich wieder als Schatzgräber betätigt, um genug Geld für die Gründung einer Familie zu verdienen, bleibt er seinen Idealen treu, indem er beispielsweise einen verwundeten Kollegen mühevoll aus der Zone herausschleppt.
Doch mit jedem Rückschlag, den er einstecken muss - dem Tod des russischen Wissenschaftlers und der Geburt seines missgestalteten Kindes - gibt er nach und nach seine Prinzipien auf und versucht, immer mehr Gewinn aus der Zone herauszuholen. Obwohl doch die Zone der Grund für die erlittenen Tragödien war.
Alles in allem ein interessantes Buch, das das alte Thema des Besuchs aus dem Weltall einmal in ungewohnter Form darstellt. Die Geschichte endet sehr abrupt und bis zuletzt bleibt unklar, welchen Sinn der Besuch hatte - vielleicht war es tatsächlich nur ein „Picknick am Wegesrand“, bei dem die üblichen Abfälle zurückgeblieben sind.
Das plötzliche Ende lässt für den Leser zwar viele Fragen offen, aber der Zweck des Buches ist erfüllt, denn die Profitgier der Menschen angesichts eines Ereignisses, das eigentlich viel fundamentalere Auswirkungen für die Menschheit haben sollte, ist treffend gezeichnet worden.
© B. Weißbecker
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