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Rezension - Das Geheimnis zweier Ozeane

Grigori Borissowitsch Adamow
Das Geheimnis zweier Ozeane
Originaltitel: Тайна двух океанов
Aus dem Russischen übersetzt von Herbert Strese
ganzseitige Illustrationen von Gerhard Goßmann

Science-Fiction, Hardcover, Halbleinen
Verlag Neues Leben, Berlin, 1967
408 Seiten

»... da fühlt er plötzlich, dass seine Arme wie von einem Schraubstock umschlossen werden. Ohne sich der Gefahr bewusst zu sein, schnellt Pawlik hoch, befreit einen Arm, greift nach dem Buschmesser. Aber etwas Langes und Biegsames umschlingt den Arm und presst ihn mit furchtbarer Gewalt gegen die Brust. Ein paar Sekunden scheint es Pawlik, als kröchen über seinen Bauch, Rücken, seine Beine dicke Schlangenleiber, sich windend und ausstreckend. Blitzschnell ist Pawliks ganzer Körper dicht umflochten; er kann weder Arme noch Beine bewegen. Der Junge hebt die Augen und schreit entsetzt: ›EIN KRAKE!‹ Diesem Ungeheuer mit untertassengroßen Augen ist Pawlik auf seiner Forschungsreise durch die Meerestiefen noch nicht begegnet. Wo sind die Männer von der ›Pionier‹? Warum helfen sie nicht? …«
Ein sehr geheimnisvolles U-Boot – technisch aufs modernste ausgerüstet – gleitet durch die Tiefen zweier Ozeane. Seit Pawlik von der Besatzung aus Seenot gerettet wurde, ist er Passagier auf der »Pionier«. Da er kühn und geschickt ist, darf er mit dem Zoologen Arsen Dawidowitsch Lordkipanidse im Meer tauchen, um die farbenprächtige Tiefseewelt kennenzulernen.

1939 erschien nach »Die Bezwinger des Erdinnern« der zweite wissenschaftlich-phantastische Roman aus der Feder von G. B. Adamow. Zu dieser Zeit bereiteten Deutschland und Japan einen Überfall auf die damalige Sowjetunion vor.
»Das Geheimnis zweier Ozeane« ist eine Schilderung der Durchquerung des Atlantischen und des Stillen Ozeans mit dem U-Boot »Pionier«. Dieses U-Boot erhält den Auftrag, von Leningrad nach Wladiwostok zu fahren, um dort pünktlich am 23. August aufzutauchen und die fernöstlichen Küsten der Sowjetunion zu schützen.
Bevor Adamow an die Abfassung des Romans ging, leistete er umfangreiche und sorgfältige Vorarbeit auf den verschiedensten Gebieten der Technik, Physik, Chemie und Meeresbiologie.

In drei Teilen mit je 13 Kapiteln wird der Leser auf 408 Seiten in die faszinierende Unterwasserwelt versetzt. Er erlebt eine spannungsgeladene und abenteuerliche Reise des modernen U-Bootes »Pionier«, lernt die Besatzung kennen, erfährt Wissenswertes im Bereich der Meeresbiologie. Er ist Teilnehmer, wie sich die Besatzung gegen Spionage, Sabotage, Wasserbomben und Magnettorpedos zur Wehr setzt.
Beeindruckend bindet G. B. Adamow wissenschaftliche Erkenntnisse in die Rahmenhandlung ein. So benötigt zum Beispiel das U-Boot keinen herkömmlichen Treibstoff. Durch Elektrolyse gewonnener Sauerstoff und Wasserstoff werden über ein ausgeklügeltes System von Tanks und Rohrleitungen in eine Brennkammer mit Hauptringdüse und kleinen Steuerdüsen geleitet und dort als Knallgas gezündet. Oder die detaillierte Beschreibung der Stromversorgung. Unter Ausnutzung des Seebeckeffekts – die Entstehung einer elektrischen Spannung entlang eines Temperaturgradienten über einen elektrischen Leiter bedingt durch Thermodiffusionsströme - wird mithilfe von thermoelektrischen Kabelbatterien der benötigte Strom gewonnen.
Dinge, die technisch durchführbar sind, aber in der Größenordnung, wie sie G. B. Adamow aufzeigt, für ein U-Boot unserer Tage nicht realisierbar sind.

Fazit:
Grigori Borissowitsch Adamows Roman »Das Geheimnis zweier Ozeane« ist unter Berücksichtigung der Entstehungszeit und der damaligen außenpolitischen Bedingungen ein beeindruckendes Werk der Jugend-Science-Fiction. Der Autor ist mit seinen Visionen und technischen Details seiner Zeit weit voraus.

Bewertung:



© W. Brandt

 

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