Frank Esche, Wolfgang Krüger
Thüringer Mörderinnen
Frauenschicksale zwischen Liebe und Schafott
Sachbuch, Hardcover
Verlag Kirchschlager, Arnstadt, Oktober 2009
236 Seiten / 19,90 €
ISBN: 9783934277281
Der Band »Thüringer Mörderinnen« beschäftigt sich mit Kriminalfällen, in denen Frauen als Täterinnen vor Gericht standen und die sich zwischen den Jahren 1859 und 1938 in Thüringen zugetragen haben. Die beiden Historiker Frank Esche und Wolfgang Krüger liefern hierbei 21 Fälle, die sie in alten Gerichtsakten und Zeitungsberichten entdeckt haben. Sie belassen es jedoch nicht allein bei der Beschreibung der jeweiligen Taten, sondern recherchierten zugleich die biographischen Hintergründe der Frauen, die als tragische oder auch gemeine Mörderinnen in die regionale Kriminal-geschichte eingegangen sind. Viele der Frauen mordeten aus purer Verzweiflung. Andere aber packte die Gier nach Geld. Wieder andere brachten ihre Ehegatten um, da diese ihnen aufgrund einer neuen Liebe im Weg standen.
Die Lebensumstände der meisten Mörderinnen erweisen sich als äußerst tragisch, dies besonders im Bereich des Kindermordes. Manche brachten ihr Kind um, da sie einfach finanziell und familiär nicht in der Lage waren, für das Neugeborne sorgen zu können. Die Armut traf besonders alleinerziehende Mütter hart, da sie als unmoralisch galten und kaum Arbeit fanden. Andere Frauen erlebten tagtäglich extreme häusliche Gewalt, die besonders durch die Alkoholsucht ihrer Ehemänner verursacht wurde. Das einzige Mittel, sich von dieser Qual zu befreien, lag für sie in dem Mord an ihrem Ehegatten. Wie Frank Esche und Wolfgang Krüger aufzeigen, planten und mordeten diese Frauen nicht nur alleine, sondern hatten gelegentlich auch Helfer. Dabei handelte es sich um ihre eigenen Kinder oder um Bekannte. Die Mordtaten reichen hierbei vom Vergiften, über Strangulieren bis hin zum Erschießen.
Bereits nach relativ kurzer Zeit wurden die Taten allerdings von den Behörden aufgedeckt und die Täterinnen sowie ihre Gehilfen vor Gericht gestellt. Im Gerichtssaal offenbarte sich dann das meist traurige Schicksal der Mörderinnen. Dennoch erhielten nicht wenige die Todesstrafe. Bei anderen wiederum hatten die Geschworenen und die Richter Nachsicht, wie zum Beispiel bei Melitta Möller, die ständig von ihrer Schwiegermutter erniedrigt wurde, bis sie diese schließlich aus lauter Wut in einen Brunnen warf. Statt der vorgesehenen fünf Jahre erhielt Melitta Möller nur drei Jahre Gefängnis.
Bei all diesen Berichten erweisen sich Frank Esche und Wolfgang Krüger als spannende Erzähler, die die einzelnen Fälle wie Kriminalgeschichten rekonstruieren. Ihre Recherchen reichen bis ins Detail und liefern somit ein deutliches Bild über das damalige Leben, das Verhalten der Menschen sowie über die Arbeit der Polizei und der Gerichte. Die einzelnen Schicksale erweisen sich als ergreifend und erschreckend zu gleich. Hat man einmal mit dem Buch angefangen, so legt man es nicht mehr aus der Hand, bevor man die letzte Seite erreicht hat.
© Max Pechmann |