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Rezension - Sehr geehrtes Finanzamt

Jürgen Sprenzinger
Sehr geehrtes Finanzamt – Mein Geld brauche ich jetzt selber
Titelfoto von UntitledOne productions inc./Gettyimages
Titelgestaltung von ZERO Werbeagentur, München

Humor, Paperback
Knaur, München, März 2011
240 Seiten / 10,00 €
ISBN: 9783426783962

Sehr geehrtes Finanzamt
Mein Geld brauche ich jetzt selber
Wer würde nicht gerne dem Finanzamt mitteilen, dass es mit den Steuerzahlungen nun vorbei ist? Oder das Gesundheitsministerium in Kenntnis setzen, dass man seine eigene Krankenkasse gründen will? Sprenzinger tut es. Seine skurrilen Eingaben an Behörden und Verbände stellen die Welt auf den Kopf. Eine großartige Eulenspiegelei!

Bereits in seinen Büchern Sehr geehrter Herr Maggi und Lieber Meister Propper hinterfragte der Autor besonders die Werbung in humoristischer Weise. In seinem Sehr geehrter Herr Hornbach hat er das bei Stellenanzeigen fortgesetzt.
Und da Deutschland ein Land der Behören, Verbände und Vereine ist, lag es nahe, auch diese zum Thema zu nehmen. So geschehen in Sehr geehrtes Finanzamt – Mein Geld brauche ich jetzt selber.

Allein die Anschreiben des Autors an die Behörden und Institutionen sind teilweise schon der Brüller, aber auch die Themen, die er erwählt hat und anspricht: der Milcheinschuss bei seiner schwangeren Frau, eine Raumstation, die er angeblich mit seinem Freund gebaut hat und nun ins All bringen will (die Antwort ist schlicht genial!), als Raucher, der beim Deutschen Zigarettenverband um „Fabrikkauf“ ersucht (und ohne Antwort bleibt), als Vater, der seinen 10-jährigen Sohn einen kleinen Atomreaktor bastelt und um Brennstoff und Sondergenehmigung bittet (aber auch der Bundesumweltminister verwehrt ihm die Antwort), ein Mann, der seiner Oma ein Denkmal errichten will, dann der Brief eines Mannes mit sehr engem Verhältnis zu Schaben und dem daraus resultierenden Streit mit seiner Frau, ein Mann, der vor seinem gewalttätigen Ehe-Drachen ins Asyl fliehen will (sehr lustige Antwort), einem Mann, der auf seinem Grundstück einen Verkehrslandeplatz für Flugzeuge errichten will, einem, der meint in seinem Keller auf Erdöl gestoßen zu sein, einem Computerfan, der seine Zwillinge Bit und Byte nennen will, einem, der den Bund der Vertriebenen anschreibt, weil er als Hobbykoch von seiner Frau aus der Küche vertrieben wurde oder ein Mann, der bei der Bundesvereinigung Sadomasochismus E. V. Rat sucht ... und und und – und zum guten Schluss ein Brief an Angela Merkel, der mir aus der Seele spricht und ein Antwortschreiben, bei dem ich mich ad hoc fremdschäme.

Die Antwort von foodwatch (Seite 50ff) ist schlicht genial, ebenso wie der Brief aus der Augsburger Klinikum (Seite 94).
Einige Angeschriebene kannten den Autor natürlich bereits aus seinen früheren, ähnlichen (o. g.) Projekten und verfassten ihre Antworten dementsprechend humorvoll. Und beweisen damit, dass Bürokraten nicht so staubtrocken sind, wie man ihnen immer nachsagt.
Bei den höchst humorigen Eingaben des Autors an Behörden und Verbände und ihre Antworten – soweit überhaupt erfolgt – hätte man gerne mal so manches Gesicht des ein oder anderen wackeren Beamten gesehen, dem die Briefe auf den Schreibtisch flatterten. Manches blieb auch – wohl auch ob der offensichtlichen Veralberung unbeantwortet. Humor ist halt leider nicht jedermanns Sache, will mir scheinen.
Lustig da auch, die Anmerkungen des Autors dazu.

Alles in allem bietet das Buch für einige Stunden Gelegenheit zu einem lustigen Ausflug in die Bürokratie und Kurzweil der etwas anderen Art.
Die Aufmachung ist ordentlich, wenngleich die Größe des Buches etwas störend ist, da es dadurch recht unhandlich ist.
Ansonsten gibt es aber keinen Grund zur Klage.

Fazit:
Kurzweiliges Buch, das zeigt, dass selbst die angeblich drögen Beamten oft eine Menge Humor besitzen. Da wiehert nicht nur der Amtsschimmel!

Copyright © 2011 Alisha Bionda


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