Maren Frank
Kronos-Division: Geliebte Verdächtige
Edition Banzini-Hefte (Ausgabe 7), Din-A-5 Heft
dead soft Verlag, Mettingen, März 2010
64 Seiten / 3,95 €
ISBN: 9783934442863
»Geliebte Verdächtige« ist der Auftakt zu einer Reihe um die (noch geheimnisvolle) Kronos-Division, deren Mitglieder außerordentliche Begabungen haben.
Im vorliegenden Heft geht es um die Gestaltwandlerin Aska, die gemeinsam mit ihrem Kollegen Tyler den Rechtsanwalt Stan Barker beschattet. Dieser soll unsaubere Geschäfte decken und vielleicht sogar selbst in solche verwickelt sein. Im Zuge der Ermittlungen folgt Aska der Jurastudentin Trisha, die ihr schmales Einkommen bei dem überraschend großzügigen Rechtsanwalt Barker als Anwaltsgehilfin aufbessert und so auch gleich Praxiserfahrung sammelt. Als Trisha von ihrem Chef mit einem besonderen Auftrag ausgesandt wird, folgt Aska ihr und die beiden geraten in ein turbulentes Abenteuer.
Die Geschichte rund um die beiden Frauen ist spannend, schlüssig und gut geschrieben. Allerdings ist sie zwangsläufig auch kurz, weil das Hauptaugenmerk auf den erotischen Szenen liegt. Maren Frank beherrscht dieses Genre so ausgezeichnet, dass auch der erotische Teil angenehm zu lesen ist – und es ist schon amüsant, was Gestaltwandler so anstellen können.
Für Freunde gepflegter Erotik und einer damit verbundenen guten Geschichte ist das Heft aus der Edition Banzini uneingeschränkt zu empfehlen.
Damit könnte meine Rezension eigentlich auch schon beendet sein (länger geht nicht, ohne kräftig zu spoilern) – allerdings bin ich mit der Schlüssigkeit der Figuren nicht zufrieden.
Zum einen ist da die Kronos-Division, deren Mitglieder (wie Aska selbst sagt) über besondere Fähigkeiten verfügen. Ganz offensichtlich wissen sie aber untereinander nicht, welche Fähigkeiten das beim jeweils anderen sind? So lässt nicht nur der Anfang der Geschichte darauf schließen, dass Tyler keine Ahnung von den gestaltwandlerischen Fähigkeiten Askas hat und auch sie scheint von seiner Natur (trotz eines unmissverständlichen Hinweises) nichts zu wissen.
Dann ist da noch Jenks, der wohl der Leiter der Division ist – ein Hinweis auf die in ihm verborgenen Merkmale ist ebenfalls deutlich vorhanden. Und Jimmy?
Für mich ist es nicht glaubhaft, dass Mitglieder einer nichthumanen Spezies von der Existenz anderer nichts wissen. Und außerdem: Ist es für das Funktionieren einer solchen Truppe, die eindeutig nicht zum ersten Mal einen Auftrag gemeinsam bearbeitet, nicht sinnvoller und vielleicht sogar überlebenswichtig, wenn alle wissen, wer - und vor allem: was - sie sind?
Dann Aska selbst: Sie erinnert mich an eine Gestaltwandlerin aus der Fernsehserie »Mondbasis Alpha Eins«, die sich in jedes beliebige Lebewesen jeder beliebigen Größe verwandeln konnte und ihren Kollegen damit mehr als einmal das Leben rettete.
Aska kann – alles. Sie kann sich in Vögel verwandeln, in eine Maus und in eine Kofferschnalle, worüber ich an unpassendem Ort laut lachen musste. In was sie sich noch verwandelt, werde ich jetzt nicht spoilern, aber später wird die Unempfindlichkeit Askas deutlich. Sie kann also nicht nur jede beliebige Größe annehmen – sie ist auch noch unverletzlich und fühlt keinen Schmerz, außerdem hat sie keine körperlichen Schmerzen bei der Verwandlung, was durch die Verschiebung von Knochen nicht ausbleiben dürfte, und sie kann ihre Masse so verkleinern und vergrößern, dass sie ohne Probleme jede Gestalt annimmt, die sie gerade braucht.
Normalerweise würde ich hieran keinen weiteren Gedanken verschwenden, sondern mich einfach an einem wandlungsfähigen Gummiwesen ohne Schmerzrezeptoren freuen, das viel kann und einfach unterhaltsam ist.
Hier befinden wir uns aber in einer erotischen Geschichte und lesen über jede Menge sexueller Gefühle. Woher kommen die denn plötzlich, wenn Aska sonst auf nichts reagiert? Überrascht hat mich auch, dass sie trotz ihrer betonten Unerfahrenheit in der Lage war, die weiblichen Geschlechtsorgane fehlerfrei auszubilden.
Auch wenn wir mit Aska eine wirklich interessante Figur haben, scheint sie mir doch im vorliegenden Kontext nicht wirklich schlüssig zu sein.
Fazit:
Trotzdem bleibe ich guten Gewissens bei meiner weiter oben gegebenen Empfehlung: Wer über Unschlüssigkeiten hinweglesen kann (oder auch einfach nur so schlau war, meine diesbezüglichen Ausführungen einfach zu ignorieren), wird von »Geliebte Verdächtige« gut unterhalten.
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