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Rezension - Ich hab die Unschuld kotzen sehen 1 & 2

Dirk Bernemann
Ich hab die Unschuld kotzen sehen 1 & 2
Titelgestaltung von Yellowfarm GmbH

Taschenbuch, Belletristik
Heyne Verlag, München, Oktober 2008
255 Seiten / 8,95 €
ISBN: 9783453675605

www.dirkbernemann.de

Das Buch beinhaltet Shorties über Menschen aller Altersgruppen und Gesellschaftsschichten, die aufeinander aufbauen und in faszinierender Art und Weise zusammenhängen.
Ein Junkie tötet eines Morgens seine Freundin – einfach nur so. Ein Polizist, der seinen Vater hasst, ermittelt in der Mordsache und legt den Fall alsbald zu den Akten. Dafür schickt er seinem Vater einen Killer auf den Hals …
Exklusiv für die Gesamtausgabe gibt es eine Bonusstory sowie jede Menge Gedichte.

Als Dirk Bernemanns Debüt »Ich hab die Unschuld kotzen sehen« herauskam, waren die Kritiken sehr ambivalent und die Leserschaft wurde in zwei Lager gespalten. Die einen lobten den Stil Bernemanns und seine provokante Ader über den Klee hinaus, die anderen konnten mit den minimalistischen Texten nicht das Geringste anfangen und sprachen dem Autor jegliches Talent ab. Wie auch immer die Meinungen aussahen, Dirk Bernemanns Buch war in aller Munde und so kam nicht nur ein Folgeband heraus, sondern auch eine erfolgreiche Hörbuchadaption der beiden Bücher. Mit seinem flüssigen, prägnanten Schreibstil und seiner unnachahmlichen Art die Dinge beim Namen zu nennen, zeichnete er ein teilweise sehr beklemmendes Gesellschaftsportrait, das im Detail vielleicht zu pessimistisch anmuten mag, aber genau deshalb so eindringlich wirkt. Besonders faszinierend ist wie Bernemann seine Kurzgeschichten miteinander verwebte und eine fortlaufende Geschichte schuf, in der es keine Pro- und Antagonisten gibt, nur mehr oder weniger normale Menschen. Zartbesaitete Gemüter sollten sich die schwermütigen, drastisch formulierten Texte nur in Gegenwart von Erwachsenen durchlesen und ansonsten einen Bogen um das Buch machen, welches von Heyne sicherlich nicht umsonst unter dem Label »Heyne Hardcore« veröffentlicht wurde.

Das kleine Püppchen mit den großen, unschuldigen Kulleraugen ist mindestens ebenso bekannt, wie Bernemanns provokanter Buchtitel und mittlerweile zum Synonym der gesellschaftskritischen Texte geworden.

Fazit:
Genialer, schonungsloser Affront gegen Spießertum und Heile-Welt-Denken. Ein realistisch-depressiver Blick in die Abgründe menschlicher Seelen. Dabei von einer packenden, erzählerischen Dichte, die den Leser nicht mehr loslässt.

Bewertung:



© Florian Hilleberg

 

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