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Hermann BräuerHaarweg zur Hölle Ein hart gerockter Heimatroman Roman, Taschenbuch Mitte der 1980er Jahre hat auch in der bayrischen Landeshauptstadt München der Glamrock der 1970er seine Spuren hinterlassen. Gepaart mit dem Hardrock von »Kiss« und »AC/DC«, und dem aufsteigenden Stern von (Heavy)-Metal-Bands wie »Guns’n Roses« und »Iron Maiden« bildet sich eine seltsame Melange heraus, die sich »Hair-Metal« nennt. Harte Jungs in Lederklamotten mit ultra-gepflegten Haarmatten headbangen sich auf die weltweiten und lokalen Bühnen. Kollege Ich-Erzähler lässt uns seinen musikalischen Werdegang von Anfang an miterleben. Von den ersten Kontakten mit Rockmusik – vom klassischen Einstieg über »Kiss«, beeindruckt von geschminkten Superhelden-Comic-Fratzen. Und dann, die erste Gitarre. Eher konservative Eltern wollen das ihrer Meinung nach geschmacksverirrte Kind mit Sport zurück auf den Pfad der Tugend zwängen – erfolglos. Die erste E-Gitarre muss her, und sobald man auch nur ansatzweise die Töne finden kann, schließt man sich mit gleichgesinnten Instrumenten-Legasthenikern zusammen, um dem Musikgenre, das man für das einzig Wahre hält, eine weitere Facette aufzudrücken. Alsbald hat man in der Schule einen Proberaum organisiert, einen mehr oder minder kreativen Namen gefunden (»Llord Nakcor« – Rock and Roll rückwärts!) und muss sich um die ersten eigenen Stücke, Texte und Auftritte kümmern. Dabei stehen den vier jungen Männern, die sich als »Hair-Metal«-Beauftragte ihres Vorortes auf die göttliche Mission begeben, die Massen zu rocken, wie so oft Frauen, viel zu große Egos und zwielichtige Wegbegleiter in Form von obskuren »Managern« im Weg. Über ranzige Kaschemmen spielt man sich an die Front der lokalen Musik-Elite und versucht, an größere Deals heranzukommen. Unzählige Auftritte, Bandmitglieder-Wechsel und peinliche betrunkene Aktionen, bei denen es um Frauen (also Sex) geht, später, trägt das Bemühen Früchte. Nach verschicktem Demo kommt Album, nach Album kommt Tour. Und dann? Ruhm, Ehre, Drogen? Ja, in Maßen. Und zwar genau bis dann, wenn der Trend, dem man entspricht, sich selbst totgelaufen hat. Meistens genau dann, wenn man soweit ist, sich an die Spitze zu setzen. Aber auch das ist ein Gesetz der modernen Musik. Wenn andere Stile angesagt sind, dann gründet man neue Bands, und alles geht von vorne los. Hermann Bräuers zum Teil rasend komisches Portrait einer Metal-Band von der Geburt bis zum Tode hat im Grunde alles, was man über den Lebenszyklus solcher Töne fabrizierenden Gebilde wissen muss. Beinahe macht es den Eindruck, der Autor habe seine Kapitel anhand einer Liste abgearbeitet und alle Stationen, die für eine Band wichtig sind, mit in seinen Roman eingebaut. Und dieser Werdegang dürfte beinahe universelle Gültigkeit besitzen, alle Rockbands ab den späten 1960ern bis heute mit eingeschlossen. Da kommt zuerst die eigene Liebe zur Musik, dann das Erlernen eines Instruments, Clubbesuche, Bandgründung, Stücke schreiben, später Demo aufnehmen, Gigs spielen, Manager suchen, Konzerte spielen, Plattendeal, Album, Rockolymp. Dazu immer Sex, Drugs and Rock and Roll, wobei die beiden ersteren in dem Roman zwar stilgerecht vorkommen, sich aber doch sehr in Maßen halten. Bajuwarisch bescheiden eben?
© Sascha Vennemann |