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Rezension - Die Nacht der lebenden Trekkies

Kevin David Anderson, Sam Stall
Die Nacht der lebenden Trekkies
Night of the Living Trekkies, USA 2010
Aus dem Amerikanischen von Ronald M. Hahn
Titelillustration/Titelgestaltung von Nele Schütz Design, München

Horror-Parodie, Taschenbuch
Heyne, München, Juli 2011
304 Seiten / 8,99 €
ISBN: 9783453528550

Die Gulfcon in Houston, Texas, ist ein Mekka für alle Star Trek-Fans. Der Afghanistanveteran Jim Pike kann diesem Hype nur wenig Verständnis abgewinnen, doch als Page im Botany Bay-Hotel, in dem das Event stattfindet, muss er gute Miene zum bösen Spiel machen. Außerdem ist es einer der seltenen Gelegenheiten, seine Schwester Rayna wiederzusehen. Zu dumm nur, dass ihr neuer Freund Matt, erfolgreicher Game-Producer, ein ziemlich herablassendes Arschloch ist. In ihrer Begleitung befinden sich Matts Assistentin, verkleidet als Vulkanierin T'Poc und Matts Kumpel Gary. Doch Jims Wiedersehensfreude mit seiner Schwester wird durch sonderbare Vorfälle getrübt. Mehrere Mitarbeiter des Hotels wurden von Menschen mit auffälligem Verhalten gebissen. Eine große Anzahl ist erst gar nicht zum Dienst erschienen und hat sich Krank gemeldet. Vor dem Hotel lungern immer mehr zerlumpt wirkende Gestalten herum. Jim Pikes, in unzähligen Gefechten geschulter Instinkt schlägt Alarm. Zu Recht, denn das Botany Bay wird von lebenden Toten überrannt und aus der harmlosen Star Trek-Convention wird ein Kampf ums nackte Überleben. Plötzlich stehen Jim und seine Gefährten untoten Klingonen, Vulkaniern, Sternenflottenoffizieren und Borgs gegenüber. Widerstand ist zwecklos, oder doch nicht?

»Die ultimative Star Trek-Parodie« steht über dem Klappentext. Ob dies stimmt, entschließt letztendlich der Leser. Fest steht, dass die Autoren Kevin David Anderson und Sam Stall über erhebliches Insider-Wissen verfügen. Nicht nur über Star Trek, sondern auch über Zombies. Die Geschichte entwickelt sich nach bekanntem Schema, einige anfangs harmlos erscheinende Vorfälle häufen sich und gipfeln in einem apokalyptischen Inferno, in dem die kannibalischen Zombies in Horden über ihre Opfer herfallen und sie buchstäblich zerreißen. Dennoch weisen die Star Trek-Zombies eine Besonderheit auf, welche zum einen die Zombies aus der Masse ihrer Artgenossen hervorhebt und zum anderen perfekt zum Universum passt, dass Gene Roddenberry ersonnen hat. Um dieses flüssig und flott geschriebene Buch in voller Gänze genießen zu können, sollte man mit Star Trek nicht gerade auf Kriegsfuß stehen. Und je mehr man über Kirk, Picard und Co weiß, umso mehr macht diese einzigartige Parodie Spaß. Wer sich dann noch für Zombie-Satiren à la Shaun of the Dead begeistern kann, ist beim vorliegenden Roman goldrichtig aufgehoben. Die Anspielungen beginnen bereits beim Namen des Protagonisten Jim Pike. Jim ist die Kurzform des Vornamens von James T. Kirk und wurde in der Classic-Serie hauptsächlich von McCoy verwendet. Pike indes lautet der Nachname des Captains, der vor Kirk das Kommando über die U.S.S. Enterprise innehatte. Die 35 Kapitelüberschriften entsprechen den Originaltiteln einzelner Episoden aus allen fünf Star Trek-Fernsehserien. Der englische Titel wurde beibehalten, weil er besser zur jeweiligen Handlung passt. Die deutschen Titel findet der Leser im Anhang. Die Handlung bietet keinerlei Längen, und entwickelt sich rasch zum Zombie-Gemetzel par excellence. Natürlich gibt es auch einen Antagonisten, der sich von dem Zombie-Fußvolk abhebt. Auch die Lösung für das Rätsel, weshalb die Toten plötzlich ins Leben zurückkehren, entspricht dem Geist von Star Trek und erinnert in seinen Grundzügen an die Next Generation-Episode Die Verschwörung. Schließlich bekommt auch das Star Wars-Universum sein Fett weg, beziehungsweise wird gewürdigt durch den sexy Auftritt von Prinzessin Leia im Metallbikini mit rotem Seidenlendenschurz. Und wenn sie mit einer schweren Metallkette einen schwabbeligen Zombie würgt, werden endgültig Erinnerungen an Die Rückkehr der Jedi-Ritter wach.

Das minimalistisch gestaltete Cover passt einfach perfekt zum Thema. Das Sterneflotten-Symbol mit dem blutroten Zombie-Auge zeigt dem Leser, was ihn auf den kommenden 300 Seiten erwartet.

Fazit:
Faszinierend! Genial absurde Parodie, die nicht nur Star Trek gekonnt auf die Schippe nimmt, sondern den anhaltenden Zombie-Boom gleich mit. Mit Sachverstand und Ehrfurcht haben die Autoren einen flotten Unterhaltungsroman geschrieben, der trotz seiner satirischen Elemente nie albern wirkt.

Copyright © 2012 by Florian Hilleberg


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