Sie sind hier: Startseite - Background - Rezensionen - Sonstige phantastische Literatur - Die Abenteuer des Caleb Williams


Rezension - Die Abenteuer des Caleb Williams

William Godwin
Die Abenteuer des Caleb Williams
Originaltitel: Things as they are, ort he adventures of Caleb Williams


Achilla Presse, Stollhamm-Butjadingen, 2011
Umfang: 2 Leinenbände a 248 Seiten und 279 Seiten im Schuber
ISBN: nicht vorhanden
Preis: 48,00 Euro

Viele, die den Namen William Godwin hören, werden wahrscheinlich zunächst ahnungslos mit den Schultern zucken. Wenn man aber erwähnt, dass dies der Vater von Mary Shelley gewesen ist, dürfte dem ein oder anderen ein Licht aufgehen. Einerseits Sozialphilosoph, andererseits Romanautor machte sich Godwin Gedanken über Themen wie Macht und soziale Ungerechtigkeit. Seine Kritik daran, dass, wer Geld besitzt auch das Gesetz auf seiner Seite hat, hat bis heute nichts von seiner Aktualität verloren.
Seine Gedanken über diese Thematik fasste er in seinem Roman Caleb Williams zusammen. Weit davon entfernt eine trockene Diskussion über Recht und Gerechtigkeit zu sein, erzählt William Godwin darin die Erlebnisse von Caleb Williams, der als Diener bei dem Gutsherrn Ferdinando Falkland angestellt wird. Falkland umgibt ein seltsames Geheimnis. Anscheinend war er vor Jahren Hauptverdächtiger bei einem Mordprozess. Williams setzt alles daran, das Geheimnis um seinen Herrn zu lüften. Dabei zieht er jedoch den Zorn Falklands auf sich. Aus Angst, ermordet zu werden, flieht Caleb Hals über Kopf, wird jedoch von Falklands Diener aufgegriffen und ins Gefängnis gesteckt. Nachdem Caleb von dort die Flucht gelingt, wird er von Falklands Leuten durch ganz England gejagt.

Der 1794 erschienene Roman liest sich auch heute noch wie eine Mischung aus Suspense und Abenteuer. Sehr eindringlich erzählt William Godwin von der Flucht Calebs vor seinen Feinden. Immer wieder gerät er in schier ausweglose Situationen. Die wohl intensivsten Schilderungen betreffen die Szenen, in denen sich Caleb im Gefängnis befindet. Sehr genau beschreibt der Autor die unmenschlichen Bedingungen, die damals in den Gefängnissen herrschten. Im Laufe des Romans wird Calebs Angst vor Falkland immer mehr zur Paranoia. Selbst in London fühlt er sich nicht mehr sicher, da jeder Mensch, dem er begegnet zugleich ein Spitzel des Gutsherrn sein kann. William Godwin gelingt es, das Thema Ungleichheit und Ungerechtigkeit in einen überaus spannenden Roman zu kleiden. Es fällt schwer, das Buch wieder aus der Hand zu legen, wenn man einmal damit begonnen hat.
In dem Nachwort von Mary Shelley erwähnt die Autorin von Frankenstein, dass Caleb Williams im Jahr seiner Veröffentlichung zu den erfolgreichsten Romanen Englands zählte – in anderen Worten: Es handelte sich damals um einen Bestseller. Betrachtet man Calebs Flucht vor den Menschen und seinen damit einhergehenden Ausschluss aus der Gesellschaft, so findet man darin sicherlich auch Parallelen zu Mary Shelleys eigenem, weltberühmten Roman. Ende der 1970er wurde Caleb Williams in einer europäischen Gemeinschaftsproduktion als vierteilige Fernsehserie verfilmt. Wer nicht nur Klassiker, sondern auch spannende Literatur mag, wird von dem Roman sicherlich nicht enttäuscht werden.

Copyright © 2011 by Max Pechmann

 

© by 2011
nach oben Zurück Optimiert für 1024x768 Pixel
im IE & Mozilla Firefox