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Rezension - Der blinde Masseur

Catalin Dorian Florescu
Der blinde Masseur


Unterhaltung, Hardcover
Verlag Pendo, München und Zürich, 3. Auflage 2006
272 Seiten / 17,90 €
ISBN: 9783866120792

Als Kind hat sich Teodor in Rumänien Märchen von alten Bauern erzählen lassen und sie aufgenommen. Als Jugendlicher flieht er mit seinen Eltern in die Schweiz. Dort arbeitet er sich vom Brotausfahrer zum Manager hoch. Aber glücklich ist er nicht. Also beschließt er, nach Rumänien zurückzukehren und dort nach seiner alten Liebe zu suchen. Aber bevor er sie findet, wird er von Ion, einem blinden Masseur aufgelesen. Der übt auf Teodor eine eigenartige Faszination aus, wie auch auf alle anderen Bewohner des kleinen Dorfes, in dem der Masseur lebt. Ion ist ein Büchernarr. Er hat unglaublich viele Bücher im Laufe der Zeit gesammelt, aber da er nicht sehen kann, kann er sie auch nicht lesen. Also hat er die Leute aus dem Dorf dazu gebracht, sie ihm im Gegenzug für eine Massage auf ein Tonband zu sprechen. Teodor freundet sich mit Ion an, aber Ion verfolgt seine ganz eigenen Ziele.

Zwei Dinge sind an diesem Buch erschreckend: Der ständige und sehr hohe Alkoholkonsum v.a. der männlichen Figuren und die doppelte Resignation der Frauen, deren Leben daraus besteht, hart zu arbeiten, ihren besoffenen (und schlagenden) Mann zu ertragen und, wenn sie noch jung sind, sich an fremde Männer zu verkaufen bzw. sich von der Mutter verkaufen zu lassen. Am besten an Westler, die sie hoffentlich auch gleich in den Westen mitnehmen. Völlig unverständlich also, dass Teodor beschließt, nach Rumänien zurückzukehren. Am ehesten wird noch angedeutet, dass er das Gefühl hat, etwas verpasst zu haben (alte Liebe), evtl. auch noch die bäuerlichen Charakterköpfe vermisst, die ihm früher Märchen erzählt haben. Als er nicht findet, was er sucht, steht er kurz davor, sich umzubringen und wird von Ion gerettet, den die Liebe zur Literatur am Leben hält. Wobei diese Liebe eher einer Flucht aus dem mehr als tristen Alltag gleicht. Und so hintergeht Ion Teodor, der am Schluss des Buches ohne alles und fast allein zurückbleibt – einzig die Bauersfrau Elena, in die er sich verliebt hat, ist froh, dass er in Rumänien geblieben ist. Also ein offener Schluss, auch ohne die vom Leser vermutete Wut Teodors, hintergangen worden zu sein und ohne Resignation; möglicherweise trotz des schweren Lebens ein Neuanfang. Aber das alles deutet der Autor nur an. Den Schreibstil könnte man mit »lässt sich vor sich hin treibend« beschreiben, was die Hauptfigur ja auch tut. Teodor agiert im Gegensatz zu dem, was man von einem Manager erwarten würde, relativ wenig selbst und überlässt anderen das Tun. Ein Suchender, der nur teilweise aktiv sucht und sich ansonsten auf andere verlässt. Vielleicht gewollt, denn Teodor hat seinen Job gründlich satt.

Fazit:
Kein Buch für einen Abschalt-Feierabend, eher ein Buch für Mußestunden, das zum Nachdenken anregt.

Bewertung:



© Ulrike Dansauer

 

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