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Rezension - Das traurige Ende des Austernjungen und andere Geschichten

Tim Burton
Das traurige Ende des Austernjungen und andere Geschichten
Aus dem Englischen übersetzt von Katja Sämann

Phantastische Geschichten, Hardcover
Quadriga, Berlin 2011
128 Seiten / 15 €
ISBN: 978869950068

Wer kennt nicht Tim Burton, Regisseur oder Drehbuchautor von Filmen wie Nightmare before Christmas, Sleepy Hollow oder Alice im Wunderland?! Surreal, grotesk und visionär muten sie häufig an und mit Das traurige Ende des Austernjungen und andere Geschichten aus dem Jahr 1997 liegt nun auch auf Deutsch ein Kurzgeschichtenband von ihm vor, der ganz im Geiste vieler dieser Filme steht.

In 23 illustrierten, in Versform geschriebenen Geschichtchen erzählt Burton aus den tragischen Leben Ausgestoßener und ihrer Suche nach Liebe und Anerkennung. Da sind solche wie der Austern- oder der Roboterjunge, deren Andersartigkeit selbst die Eltern verschreckt oder andere, wie Mummys Liebling (=Mumienjunge) oder der Melonenkopp, die so fremd erscheinen, dass sie nicht einmal als richtige Lebewesen wahrgenommen werden.
Klingt abstrus? Ist es auch, aber auf wunderbar melancholische Art und die Übertragbarkeit auf weniger surreale Momente des Alltags fällt nicht schwer. Kurz sind all die mal bitteren, mal süßen und oft bittersüßen Geschichten, aber sie entfalten ihre Wirkung auch noch lange über die Lektüre hinaus. Mit ihrer Eigenart, einem das anfängliche schiefe Grinsen auf dem Gesicht schnell erstarren zu lassen, erinnern sie dabei ein wenig an japanische Haikus.

Will man das Buch mit Burtons Filmen vergleichen, so fallen zunächst seine atmosphärischen Kurzfilme, etwa Vincent ein. Inhaltlich lassen sich auch leicht Parallelen zu Edward mit den Scherenhänden finden, die Illustrationen erinnern allerdings eher an die Stop Motion-Filme mit Burton-Beteiligung, also Nightmare before Christmas und Corpse Bride. In deren Halloween- und Totenwelten hätte sicher noch die ein oder andere Kreatur aus diesem Werk ein Heim gefunden.

Fazit:
Wer Burtons Stil oder auch einfach eine surreal-groteske Atmosphäre schätzt, dem sei dieser schmuck daherkommende Blickfang mit Tiefgang empfohlen. Ein wahrlich trauriges, nachhaltig wirkendes und vor allem makaber-melancholisches Vergnügen ist es, dem Austernjungen und seinen Leidensgenossen beim Leben und Leiden beizuwohnen.

Copyright © 2011 by Alessandra Ress


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