Thomas Jeier
Das große Buch vom Wilden Westen
Die Pionierzeit Amerikas
Sachbuch, Hardcover
Ueberreuter, Wien, Oktober 2011
304 Seiten/ 24,95 €
ISBN: 9783800016143
Aus was für einem Grund auch immer wird das Thema Western seit Jahren von der Buch- und Verlagsbranche nicht oder teilweise nur stiefmütterlich behandelt.
Dabei ist dieses Genre keinesfalls vom Aussterben bedroht, noch ist es eine Tatsache, dass es für Western keine Interessenten mehr gibt.
Wer einmal etwas eingehender in den Welten des World Wide Web und auf den Seiten verschiedenster Verlage nachforscht, wird schon bald erkennen, dass der Western nach wie vor quicklebendig ist.
Der beste Beweis hierfür ist das neueste Werk von Thomas Jeier.
Mit Das große Buch vom Wilden Westen, so der Titel des im Ueberreuter-Verlag erschienenen Werkes, ist dem Autor ein wohl einzigartiger Lese- und Nachschlageband gelungen, der sowohl Jung als auch Alt zu begeistern weiß.
In insgesamt zehn Kapiteln wird dem Leser die Eroberung des amerikanischen Westens nahe gebracht. Dabei werden auch Themen behandelt, über die man in den gängigen Berichten über dieses Genre normalerweise kaum etwas zu lesen bekommt. Angefangen von den Konquistadoren über die Flussmänner bis hin zu den chinesischen Eisenbahnarbeitern.
Auf über dreihundert Seiten führt uns der Autor beginnend vom sechzehnten Jahrhundert aus mit Namen wie Hernan Cortes, Francisco Pizarro und Vazquez de Coronado über Fallensteller, Alamo, den amerikanischen Bürgerkrieg, Indianern, Cowboys und Siedlern bis hin zum Erscheinen des ersten Automobils durch eine Zeit, die uns heute noch allen als der Wilde Westen bekannt ist.
In spannenden Kapiteln behandelt Thomas Jeier alle Facetten dieser wilden Zeit.
Wissenswertes über die spanischen Eroberer findet man in diesem Buch genauso vor wie Berichte über die Eisenbahn, den Mississippi, den Goldrausch und die Indianer. Natürlich werden auch Sheriffs, Revolverhelden, Rancher und Cowboys nicht vergessen, wobei mir der Artikel über die Originalrezepte der damaligen Cowboyküche persönlich am besten gefallen hat.
Abgerundet wird diese ganze Fülle an Informationen durch über fünfhundert Bilder der unterschiedlichsten Art.
Das Spektrum reicht von Abbildungen historischer Stiche über Fotografien aus jener Zeit von Land und Leuten bis hin zu Landkarten. Dazu gibt es noch eine große Anzahl an Bildern aus der heutigen Zeit, auf welchen von Vereinen und Westernfans das damalige Leben nachgestellt wird.
Bemerkenswert sind die beiden letzten Kapitel dieses Buches.
Spätestens hier wird dem Leser klar, warum Thomas Jeier im amerikanischen Fernsehen als
»… einer der besten Westernkenner der Alten Welt« vorgestellt wurde.
Noch nie wurde der Mythos vom Western an Hand von Schauspielern, Schriftstellern und Filmen in einem Nachschlagewerk derart eingehend erklärt.
Mit dem Abschlusskapitel »Spurensuche im Westen« zeigt uns der Autor schließlich auf, was die Faszination des Wilden Westens auch heute noch ausmacht.
Wer sich für dieses Thema interessiert, wird wohl kaum an diesem Buch vorbeikommen. Man kann es getrost als das wirkliche Lexikon über den Wilden Westen bezeichnen.
Das einzige Manko, das ich diesem Buch ankreiden muss, ist die teilweise nur oberflächliche Erwähnung gewisser Themen, wie der amerikanische Bürgerkrieg oder der Überlebenskampf der Indianer.
Wobei ich hierzu den Autor in Schutz nehmen muss.
Thomas Jeier hatte sicherlich noch jede Menge an Informationen zur Hand, aber verlagstechnisch war mit dreihundert Seiten wohl das Ende der Fahnenstange erreicht.
Eine Schwarte von über eintausend Seiten, was wohl, so wie ich den Autor kenne, das Mindeste gewesen wäre, verkauft sich mit der Westernthematik nun mal nicht so leicht. Mit der Hoffnung, dass in absehbarer Zeit noch weitere Werke erscheinen werden, die auf die einzelnen Themen genauer eingehen, schließe ich meine Rezension.
Copyright © 2011 by Gerold Schulz |