Petra Klages
»Brieffreundschaft« mit einem Serienmörder
True Crime, Biographie, Hardcover mit Lesebändchen
Kirchschlager Verlag, Arnstadt, März 2010
352 Seiten / 19,90 €
Ein erschütterndes Buch um einen jungen Mann, der vom sexuell missbrauchten Opfer zum brutalen Tierquäler und Serienmörder wurde.
Im Buch Brieffreundschaft mit einem Serienmörder geht es um die Korrespondenz mit einem sadistischen Täter. Es geht um Hintergründe, Ursachen und Wirkungen, nicht um Ermittlungsarbeit. Die umfangreichen Recherchen zum Buch drücken sich in Vielfalt und Klarheit der Ausführungen aus und machen oftmals betroffen. Selten habe ich so viele interessante Details über einen Täter lesen können. Positiv ebenfalls, dass nicht die Namen der Täter und Opfer genannt werden und es schlicht um die Lebensgeschichte des konsequent anonymen Mörders Axel F. geht, der bereitwillig Auskunft gibt. Die Autorin (Kriminologin, Pädagogin) Petra Klages versteht es, immer wieder weiter zu fragen und deckt Hintergründe auf, die bislang in der Literatur nicht beschrieben worden sind. Die für mich schockierende Darstellung einer sadistischen Täterphantasie fehlt nicht, aber das ist wohl notwendig, um nichts zu beschönigen. Ein Buch über einen Serienmörder kommt wohl nicht ohne Morde aus. Eindrucksvoll, eindringlich und verständlich geschrieben. Ein Schwanken zwischen Mitleid und Wut auf und für den Mörder konnte ich beim Lesen kaum unterdrücken, die Schilderungen seines Lebens und seiner Taten machen das fast unmöglich. Ein bedrückendes und beängstigendes Buch. Ausführlich und gut geschrieben vom Vorwort (Christian Pundt) bis zum Abschluss (Gunther Scholz) in ansprechendem Hardcover vom Kirchschlager Verlag.
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Petra Klages
»Brieffreundschaft« mit einem Serienmörder
True Crime, Biographie, Hardcover mit Lesebändchen
Kirchschlager Verlag, Arnstadt, März 2010
352 Seiten / 19,90 €
Die Autorin Petra Klages ist Diplom-Pädagogin und Therapeutin. Seit Jahren befasst sie sich mit dem Thema Serienmörder. Hierbei beschäftigt sie sich vor allem mit der zentralen Frage, wie ein Mensch sich zu solch einem »Wesen« entwickeln kann. Welche sozialen Aspekte spielen hierbei eine Rolle?
Das Bild des Serienmörders ist vor allem durch die Medien geprägt. Hierbei spielen Sensationsberichte und Psychopathen-Filme eine nicht unwe-sentliche Rolle. Beide beschäftigen sich in der Regel mit dem Wortlaut »Bestie in Menschengestalt«. Noch immer sorgt der Name Jack the Ripper für Grusel und gleichzeitige Neugier. Doch es ist vor allem das unbe-schreibliche Grauen, das für hohe Verkaufszahlen sorgt.
Petra Klages geht hier einen anderen Weg. Jenseits von verzerrter Realität, versucht sie in ihrem Buch herauszuarbeiten, was für ein Mensch hinter diesen schrecklichen Taten steckt. Dies geschieht in Form einer Reportage, die allein durch den Briefwechsel zwischen ihr und dem als Axel F. bezeichneten Täter gekennzeichnet ist. Petra Klages bekam Einblick in die Akten des Falles und entschied sich daraufhin, brieflich mit dem Täter in Kontakt zu treten, um somit direkt zu erfahren, was für ein Schicksal jemanden dazu bringt, solche Taten zu begehen. Das Ergebnis ist ein sehr erschütternder Bericht, der Einblicke in soziale und seelische Abgründe liefert. Hier ist nicht das Monster, sondern ein Mensch, der selbst seelisch und körperlich misshandelt wurde. Für den französischen Soziologen Emile Durkheim gab es nichts, was nicht durch die Gesellschaft selbst geprägt wird. Der Fall Axel F., den Petra Klages durch ihre »Brieffreundschaft« analysiert, scheint diese Annahme zu untermauern. Der Mörder ist nicht einfach ein Mörder, weil er nun einmal ein Mörder ist, sondern es ist das soziale Umfeld, das ihn letztendlich zu solch entsetzlichen Taten befähigt.
Petra Klages vermeidet in ihrem Buch jegliche Sensationslust. Dennoch ist ihr Buch eine wahre Sensation. Nicht sie erzählt die Biographie von Axel F., sondern dieser erzählt seine Geschichte selbst. Das Ergebnis ist eine wissenschaftlich fundierte Erzählung, die nichts beschönigt, aber auch nicht verurteilt. Sie gibt Einblicke in Bereiche der Gesellschaft, vor denen man entsetzt zurückschreckt. Genau dort aber ist das zu Hause, was generell als wahres Grauen bezeichnet wird.
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