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Rezension - Berliner Verbrecherinnen - Historische Kriminalfälle

Michael Kirchschlager
Berliner Verbrecherinnen - Historische Kriminalfälle

History, Hardcover
Verlag Kirchschlager, Arnstadt, Mai 2008
252 Seiten / 16,95 €
ISBN: 9783934277182

Der Historiker Michael Kirchschlager liefert mit seinem neuesten Werk über Verbrecherinnen aus Berlin im 19. Jahrhundert erneut ein hochinteressantes und unterhaltsames Buch über historische Kriminalfälle. Leser, die bereits mit den historischen Arbeiten Kirchschlagers vertraut sind, werden sicherlich bereits wissen, dass ihn sein Gespür für Außergewöhnliches nicht im Stich gelassen hat. So rekonstruiert Michael Kirchschlager sechs kriminalistische Fälle, die in der damaligen Zeit für großes Aufsehen gesorgt haben.

Die Fälle reichen von Diebstahl, über Betrug bis hin zu Mord. Michael Kirchschlager lässt es jedoch nicht einfach dabei, sich auf die einzelnen Verbrechen zu konzentrieren, sondern liefert zugleich biographische sowie soziale Hintergründe, sodass der Leser ein Gesamtbild der jeweiligen Situationen erhält. So berichtet er u. a. über die »giftige Geheimrätin«, die ihren Mann mit Rattengift umbrachte. Als man ihren Fall vor Gericht untersuchte, kam heraus, dass sie auch hinter mindestens einem weiteren Mord und einem Mordversuch steckte.
»Die Fee von Charlottenburg« berichtet über eine Betrügerin, die von anderen Leuten Geld »lieh«, indem sie behauptete im Namen eines bestimmten Fürsten unterwegs zu sein. Das Geld sollte angeblich für den Bau einer Schule ausgegeben werden. Tatsächlich gönnte sich die Betrügerin damit ein luxuriöses Leben und verprasste innerhalb weniger Wochen mehrere Hundert Taler. Ähnlich machte das »Wundermädchen aus der Schifferstraße« auf sich aufmerksam. Diese angebliche Heilerin entpuppte sich als Betrügerin, die soweit ging, das Leben zweier Männer vollständig zu ruinieren.
Eine recht seltsame Geschichte liefert das Kapitel über die »ungeschickte Gattenmörderin«, die versuchte, ihren Mann mit Rattengift umzubringen. Der Apotheker jedoch vertauschte das Gift mit Zucker.
Abgeschlossen wird dieser Band mit den »Mörderphysiognomien des Johann Ludwig Caspar« aus dem Jahre 1854. Dieser Text beschäftigt sich mit der Psyche von Mörderinnen und versucht herauszuarbeiten, ob sich der kranke oder auch bösartige Geist von Verbrecherinnen in ihrem jeweiligen Aussehen widerspiegelt.

Insgesamt liefert Michael Kirchschlager in diesem Band eine bemerkenswerte Arbeit zur Kriminal- und Stadtgeschichte Berlins. Die einzelnen Kapitel sind spannend und sehr unterhaltsam und liefern zugleich ein konkretes Bild der damaligen Zeit. Zusätzlich liefert der Autor ein lebendiges Bild über damalige kriminalistische Untersuchungen sowie den Ablauf von Gerichtsprozessen. Sowohl Krimifans als auch historisch Interessierte werden ihre Freude daran haben.

© Max Pechmann

 

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