Thomas Finn
Weißer Schrecken
Mystery-Thriller, Taschenbuch
Piper Verlag, München, November 2010
496 Seiten / 9,95 €
ISBN: 9783492267595
Der kleine Ort Perchtal in der Nähe von Berchtesgaden ist am 5. Dezember 1994 komplett eingeschneit und von der Außenwelt abgeschnitten. Bei den Vorbereitungen zum traditionellen Krampuslauf kommt es unter den Jugendlichen des Dorfes zu Unstimmigkeiten, die durch ein Eishockeyspiel beseitigt werden sollen. Dabei entdecken sie die Leiche eines Mädchens unter dem Eis, die einer von ihnen zum Verwechseln ähnlich sieht. Mit dem Bergen der Leiche beginnen seltsame Dinge, denen die fünf Freunde Andreas, Robert, Niklas, Elke und Miriam auf den Grund gehen wollen, denn eine Bedrohung macht sich bemerkbar, die die Jugendlichen noch nicht zuordnen können. Ihre Eltern sind allesamt merkwürdig und keine Hilfe beim Ergründen des Rätsels um die Ähnlichkeit zwischen den Zwillingen Elke und Miriam und der Toten. So versuchen sie auf eigene Faust, das Geheimnis zu ergründen und ahnen nicht, dass sie es dabei mit einer Macht zu tun bekommen, die sich zu einer ungeheuren Bedrohung auswächst. Was hat es mit den Geistern auf sich und welche Rolle spielt der ihnen allen unsympathische Pfarrer Strobel? Und warum taucht bei ihren Nachforschungen immer wieder die Legende vom Nikolaus auf?
Ich nehme es vorneweg, »Weißer Schrecken« ist das mit Abstand spannendste Buch, welches ich aus der Feder von Thomas Finn gelesen habe. Von der ersten Seite an zog mich die Handlung in ihren Bann, was dazu führte, dass ich das Buch in Rekordzeit gelesen habe.
Thomas Finn erzählt die Geschichte von fünf Freunden auf zwei Zeitebenen. Einmal im Jahr 1994, als die Protagonisten alle 15-jährige Jugendliche waren und zum ersten Mal mit dem Geheimnis ihrer Herkunft konfrontiert wurden, dann 16 Jahre später, als sie sich wiedertreffen, um den Schrecken bezwingen zu wollen. Dabei erlebt man als Leser mit, wie sie sich während der Zeit verändert haben, was der spannenden Handlung eine gewisse Dramatik verleiht.
Es war erschreckend, den Jugendlichen beim Ergründen des Geheimnisses, welches mit dem Auffinden der Toten, die den Zwillingen Anna und Miriam so verdammt ähnlich sieht, beginnt, zu folgen. Erschreckend, weil sich menschliche Abgründe auftun, die in dieser Geballtheit zunächst übertrieben erscheinen könnten, doch sind Alkoholismus, religiöser Fanatismus und fehlende Liebe und Geborgenheit leider gar nicht so selten. Doch die familiären Umstände führen im Roman dazu, dass die Vorgehensweise der Jugendlichen glaubhaft bleibt. Wenn die Lebensumstände anders dargestellt worden wären, hätte ich dem Autor die Eigeninitiative und vor allem den Mut der Jugendlichen nicht abgekauft.
Die Lebensumstände der Jugendlichen wären schon genug Stoff für einen Roman, doch Thomas Finn hat noch viel mehr in die Handlung hineingepackt. So erfährt der Leser, der nicht aus dieser Region stammt, etwas über den Brauch von Krampusläufen, über den Mythos Nikolaus und Knecht Ruprecht und über Kinderbischöfe und was es damit auf sich hat. Das könnte man bei Interesse zwar alles im Internet und sicher auch in vielen Sachbüchern nachlesen, aber im Zusammenhang mit den Schicksalen der Kinder im Roman wird aus trockener Lektüre eben ein richtig schauriger Hintergrund für die Handlung.
Thomas Finn umschrieb das Buch während seiner Lesung auf dem diesjährigen BuCon als eine Mischung aus »Fünf Freunde« und »ES« von Stephen King. Ich glaube, dem ist nichts hinzuzufügen. Wer sich auf das Buch einlässt, weiß damit, was ihn erwartet.
Fazit:
»Weißer Schrecken« ist ein absolut spannender und atmosphärisch dicht geschriebener Mystery-Thriller, der den Leser von der ersten Seite an zu begeistern und zu fesseln weiß. Der flüssige Schreibstil des Autors rundet das Lesevergnügen ab und macht das Buch für mich zum bisher Besten des Autors.
Copyright © 2010 by Anke Brandt

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