M.M. Buckner
Watermind – Es kann jederzeit passieren
Übersetzung aus dem Englischen von Bernhard Kempen Mystery-Thriller, Taschenbuch
Knaur Taschenbuch, München, Dezember 2008
464 Seiten / 8,95 €
ISBN: 9783426501276
»Carolyn nahm die Probe mit beiden Händen entgegen wie ein wertvolles Juwel oder wie eine tickende Bombe.«
Seit Jahrzehnten wird das verlassene Sumpfgebiet Devil’s Swamp als Mülldeponie benutzt. Doch nun gelangen dort hochkomplexe Mikrochips in einen Tümpel voller Chemikalien und Biomasse. Sie setzen eine Kettenreaktion in Gang und eine neue Lebensform entsteht, anders als alles, was es bisher auf unserem Planeten gegeben hat. Aber ist sie friedlich ... oder eine tödliche Gefahr?
Ein Science-Thriller der Extraklasse - eine wahre Geschichte, die nur noch nicht geschehen ist.
Die Thematik in »Watermind« ist in unserer Zeit allgegenwärtig. Jeden Tag trägt der Mississippi 400.000 Tonnen Abfall von einundvierzig amerikanischen Staaten und drei kanadischen Provinzen stromabwärts. Von den Abwasserkanälen, illegalen Mülldeponien und überschwemmten Gebieten gelangen nicht mehr benötigte Technologieprodukte wie Mikrochips, Nanotubes, pharmazeutische Produkte und gentechnisch verändertes Saatgut in den Fluss. Jahrzehntelang jagt dieser Techno-Abfall stromabwärts und sammelt sich im Louisiana-Delta.
Jetzt hat das verlassene Sumpfgebiet Devil’s Swamp eine radikal neue Art von Ursuppe gebraut, und ein mysteriöses Wesen bewegt sich in einem verschmutzten Kanal. Das, was ein selbst organisiertes neurales Netz entwickelte, treibt nun im Wasser. Der unglaubliche Watermind ist mehr als ein Fremdling, der aus entfernten Galaxien kommt - weil es ein Produkt aus dem Abfall-Strom unserer eigenen Zivilisation ist.
Drei Menschen – in ihrer Charaktere sehr unterschiedlich – kämpfen darum, Watermind unter Kontrolle zu bekommen, als es in den Mississippi rinnt.
Carolyn J. Reilly, eine selbstbewusste und kluge MIT-Chemikerin, ist von dem neu entstandenen neuralen Netz fasziniert. Ihre gestörte Vergangenheit führt sie dazu, sich mit diesem Wunder zu identifizieren. Sie ergreift waghalsige Maßnahmen, um dessen Sicherheit zu schützen.
Roman Sacony, der abgebrühte Chef von Quimicron, erkennt in Watermind einen gefährlichen Feind. Sein Kanal und die eilig aufgebauten Sperren brechen zusammen, Lastkähne und Schiffe sinken. Klagen gegen ihn breiten sich aus. Sacony setzt alles erdenklich Mögliche ein, um den gesichtslosen Plünderer zu zerstören, bevor es sich jenseits seiner Kontrolle ausbreitet.
Und da ist noch Max Pottevents, ein schüchterner junger Musiker, welcher der musique créole angetan ist. Max arbeitet in Romans Crew, um eine Chance zu bekommen, Frieden mit seinem geliebten Carolyn zu finden. Er ist es, der vielleicht den Schlüssel für die Kommunikation mit Watermind findet.
Watermind kann zu Eis gefrieren, kochen, brennen, aufsteigen, sinken oder fließen – scheinbar nach Belieben. Es entwickelt sich wie eine »nukleare Explosion«. Scharen von Beamten, Medien und Zuschauern verfolgen es flussabwärts. Wenige Meilen vor der von einem Orkan verwüsteten Stadt New Orleans wird ein letzter Versuch unternommen, Watermind daran zu hindern, den Golf zu erreichen.
Gelingt es Carolyn, in der verbleibenden Zeit Kontakt mit Watermind aufzunehmen? Kann Roman es vernichten? Wird man Max glauben, der Watermind hören kann? Wird man es töten, oder wird man lernen, mit dem ersten technologischen, empfindungsfähigen Leben zu kommunizieren, welches sich seit Menschengedenken auf der Erde selbst entwickelte?
Die Autorin M.M. Buckner widmet sich mit »Watermind« einem ökologischen Thema, welches in der heutigen postindustriellen und Wegwerf-Gesellschaft wenig Beachtung findet. Wir werden zwar tagtäglich mehr oder weniger mit Mülltrennung und Abgabeverordnungen von Sondermüll konfrontiert. Doch wer hält sich strikt an diese Regelungen? Erwischen wir uns nicht selbst dabei, wenn wir aus Geld- oder Zeitnot Dinge in den Hausmüll werfen, die sich schädlich auf die Umwelt auswirken können. Werden wir täglich durch einen Beamten der örtlichen Müllabfuhr auf den Weg zur Mülltonne kontrolliert? Mitnichten. Schwerpunkt wird mehr auf die Reduzierung des CO2-Austosses gelegt, was kontroverse Diskussionen unter den Industrienationen der Welt belegen.
»Watermind« zeigt auf, was passieren könnte. Zwar ist die Selbsterschaffung künstlicher Intelligenz sehr abstrakt und aus heutiger Sicht unvorstellbar. Doch kein Wissenschaftler der Welt kann vorab sagen, welche Nebenreaktionen seine neuesten Forschungen auslösen können.
Wir sind in der Lage, winzige Mikrochips herzustellen, die eine Unmenge von Rechenoperationen in kürzester Zeit durchführen können - bereits schneller als das menschliche Gehirn. Die heutige Wissenschaft ist bereits in der Lage, Naniten - winzig kleine Roboter, die in der Gentechnologie eingesetzt werden - herzustellen. Da liegt es auf der Hand, dass die Fiction der Autorin M.M. Buckner gar nicht so weit entfernt ist.
»Watermind« liest sich flott, ist in sich gut strukturiert. Die Hauptprotagonisten überzeugen in ihrem Kampf für bzw. gegen die künstliche Intelligenz und bilden für den Fluss des Romans eine homogene Einheit.
Fazit:
»Watermind« ist ein Aufschrei, ein Appell der Autorin M.M. Buckner, mit den Errungenschaften von Wissenschaft und Technik sowie unseren Ressourcen verantwortungsvoll umzugehen. Ich kann den Roman interessierten Lesern bestens empfehlen.
© W. Brandt |