Sie sind hier: Startseite - Background - Rezensionen - Paperbacks anderer Autoren / Romanhelden Mystery - Ghost Street


Rezension - Ghost Street

Josh Ericson
Ghost Street

Mystery-Thriller, Paperback
Ueberreuter, Wien, Oktober 2011
304 Seiten / 14,95 €
ISBN: 9783800056422

Savannah – Die Stadt der Geister. Hier lebt und arbeitet die junge Staatsanwältin Alessa und wird Zeugin eines Mordes, der in seiner Ausführung die Geschehnisse von vor 40 Jahren wiederholt. Damals mordeten Mitglieder des Ku-Klux-Klan afroamerikanische Menschen und jene Weißen, die sich ihnen gegenüber freundlich verhielten.
Das Ermittlerpaar Jenn und Harmon ermittelt in diesem Fall, aber auch das FBI schaltet sich ein. Polizei und FBI tappen jedoch weitgehend im Dunkel, denn die entscheidenden Hinweise bekommt Alessa von einem merkwürdigen jungen Mann, dessen Vorliebe für Friedhöfe er mit Alessa teilt. Bis Alessa eines Tages seinen Grabstein findet ...

Josh Ericsons Mystery-Thriller beginnt so gar nicht mystisch, sondern setzt sich zunächst mit einer Mordserie auseinander, für die Fanatiker verantwortlich sind, die sich für Mitglieder des KKK halten. Aufgrund der geschichtlichen Abläufe erhält der Leser einen Einblick in die Zeit vor 40 Jahren, als der KKK zwar schon für seine Taten zur Rechenschaft gezogen wurde, aber in der Denkweise vieler weißer Amerikaner toleriert und geduldet wurde, seine Taten sogar noch gutgeheißen wurden. Heutzutage sieht das anders aus, doch der Einzug des 1. schwarzen Präsidenten ins Weiße Haus ruft einige fanatische Rassisten auf den Plan, die gegen die Gleichberechtigung der schwarzen Bevölkerung ein deutliches Zeichen setzen wollen. Da der Autor vor Ort recherchiert hat, muss man diese ganzen Umstände als wahr betrachten. Somit bilden sie einen glaubhaften Hintergrund für die eigentliche Handlung, die vor dieser Kulisse umso bedrückender wirkt, noch bevor die mystischen Elemente in die Handlung einfließen.
Wie schon in seinem 1. Thriller Winterkill nimmt sich Josh Ericson auch in diesem Roman eines mystischen Themas an - Geister in Savannah. Sie boten den idealen Spielraum, um mit der Figur Alessa an diesem Thema zu experimentieren und aufzuzeigen, wie ein rational denkender Mensch damit umzugehen vermag. Wie reagiert eine moderne junge Frau auf Geistererscheinungen? Kann sie glauben, was sie sieht und erlebt? Einerseits kennt sie all die Legenden, andererseits versucht sie stets, alles rational zu erklären. Bis sie sich vom Gegenteil überzeugen lassen muss. Alessa ist stark, aber mir als Leser stellte sich die Frage, ob ich auch damit klarkommen würde. Das macht die Handlung um die Staatsanwältin unglaublich spannend, denn sie ist es, mit der ich als Leser mitfieberte. Denn eines wurde schnell gewiss, die viel größere Bewährungsprobe für Alessa bildeten die realen Ereignisse, denen sie sich stellen muss. Anhand einer von ihrem Ehemann über Jahre hinweg misshandelten Frau erkennen Alessa und der Leser, dass das Grauen nicht von Geistern ausgeht, sondern von real existierenden Personen. Diese Verknüpfung ist Josh Ericson meines Erachtens hervorragend gelungen. Geister verbreiten Angst, Menschen Schrecken! Und all das schildert der Autor auf eine Art und Weise, die erst im Nachhinein zum Nachdenken anregt.
Wie gewohnt bedient sich der Autor auch in diesem Roman eines sehr gefälligen Schreibstils, der mich als Leser sofort in die Handlung reinzog. Die Charakterisierung der Protagonisten ist ihm im Fall von Alessa und Jenn besonders gut gelungen, weil die beiden Frauen sich grundlegend unterscheiden. Alessa, die eher sanfte Frau, die sich nach Liebe sehnt, andererseits die kaltschnäuzige Jenn, die in ihrem Beruf voll aufblüht und dabei sprichwörtlich über Leichen geht. Ihre nicht immer ganz konventionellen Methoden beeindrucken ebenso wie ihre Schlagfertigkeit. Was die Schilderung des FBI-Agenten Sunflower angeht, so hielt ich diese für etwas überzogen. Das FBI wird anhand dieser Figur aus der Sicht der Polizei ein wenig lächerlich gemacht, was sicherlich einen gewissen Unterhaltungswert für den Roman birgt, aber mir ein wenig unglaubwürdig erschien.

Fazit:
Mit seinem 2. Mystery-Thriller knüpft Josh Ericson an die Spannung und Unterhaltung aus seinem 1. Roman an. Die Geisterstadt Savannah bietet eine hervorragende Kulisse für ein unerklärliches Phänomen, welches in einen rasanten Kriminalfall verpackt wird. Die Einbeziehung des Ku-Klux-Klan rundet die Story zu einem außergewöhnlichen Lesevergnügen ab, welches ich als Leser vom Autor erwartet hatte. Ein Buch, welches man nicht wieder aus der Hand legen möchte, bevor alle Rätsel gelöst sind.

Bewertung:


Copyright © 2011 by Anke Brandt

 

© by 2011
nach oben Zurück Optimiert für 1024x768 Pixel
im IE & Mozilla Firefox