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Rezension - Drood

Dan Simmons
Drood
Aus dem Amerikanischen von Friedrich Mader

Hardcover mit Schutzumschlag
Heyne Verlag, München, Oktober 2009
992 Seiten / 24,95 €
ISBN: 9783453265981

Charles Dickens gehört wohl zu den bekanntesten Vertretern der Weltliteratur. Selbst Menschen, die noch nichts von ihm gelesen haben oder überhaupt nichts lesen, haben schon einmal von Dickens’ Weihnachtserzählung gehört und kennen die Namen Oliver Twist oder David Copperfield. Dickens war seinerzeit nicht nur der erfolgreichste Autor, sondern hinterließ zugleich eines der wohl größten literarischen Rätsel. Dieses rankt sich um sein unvollendet gebliebenes Werk »Das Geheimnis des Edwin Drood«. Dickens starb während des Schreibens an einem Herzinfarkt. Die Geschichte um Edwin Drood endet mit seinem Verschwinden. Seitdem steht die literarische Welt Kopf. Was ist mit Drood geschehen? Wurde er entführt oder vielleicht sogar ermordet? In diversen Fachartikeln (weit über 500) wird immer wieder versucht, das Geheimnis neu aufzurollen, ohne natürlich auf eine eindeutige Lösung zu kommen.

Erfolgsautor Dan Simmons, der vor zwei Jahren mit »Terror« auch die Nicht-Phantastik-Leser auf sich aufmerksam machte, versucht nun, in seinem Roman »Drood« der Lösung eben jenes Geheimnisses auf die Spur zu kommen. Hierbei ist er nicht der erste Schriftsteller, der sich auf romanhafte Weise auf die Suche macht. Zum Beispiel verfasste vor knapp zwanzig Jahren das italienische Autorenduo Fruttero und Lucentini mit »Die Wahrheit über den Fall D« einen Kriminalroman, der Licht in den Fall Drood bringen sollte. Aus dieser Hinsicht ist Simmons’ Idee sicherlich nicht originell. Dennoch gelingt es ihm, mit seiner Version eine unterhaltsame, witzig-ironische und spannende Geschichte zu erzählen.

Aus der Sicht von Charles Dickens Freund Wilkie Collins wird die Jagd nach einem Phantom erzählt, das durch das viktorianische London wandert. Am Anfang steht ein Eisenbahnunglück. Nur mit knapper Not entkommt Charles Dickens dabei dem Tod. Doch am Unglücksort begegnet er einer unheimlichen Person, die sich Drood nennt. Oder hat hier Dickens etwa eine Wahnvorstellung? Auf jeden Fall lässt ihn diese Begegnung nicht mehr los. Sie beschäftigt ihn so sehr, dass er unbedingt herausfinden möchte, wer oder vielleicht auch was Drood ist. Zusammen mit Collins begibt er sich somit auf Spurensuche, die ihn in die üblen Stadtteile Londons führen, in finstere Spelunken und düstere Gassen.
Simmons erzählt parallel zur Suche nach jenem Phantom, dessen Beschreibung irgendwie sehr an »Das Phantom der Oper« von Gaston Leroux erinnert, die Biographie von Charles Dickens, wobei er sich vor allem mit dem zwiespältigen Charakter des Autors beschäftigt. Er entlarvt auf sehr witzige Weise Charles Dickens als Wichtigtuer und Opportunisten, der andere gerne für seine Zwecke ausnutzt und der es liebt, über andere Macht auszuüben. Manchmal wird Simmons allerdings zu genau, sodass sich sein Roman stellenweise mehr wie eine Biographie liest als wie eine Erzählung. Doch Collins’ ständige Sticheleien sorgen auch hier für eine nette Unterhaltung.

Fazit:
Insgesamt ist »Drood« hervorragend recherchiert. Simmons beschreibt sehr detailliert das damalige London sowie den Alltag seiner Bewohner. Gewürzt mit vielen literarischen Anspielungen, weiß der Roman durchaus zu gefallen.

© Max Pechmann

 

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