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Stephen KingWahn Originaltitel: Duma Key Aus dem Amerikanischen von Wulf Bergner Horrornovelle, Taschenbuch Nach etwa 30 Jahren als Schriftsteller ist Stephen King quasi im Rentenalter angekommen. Wie viele US-amerikanische Rentner zieht es ihn in den kalten Monaten nach Florida. Mit seinem Roman »Duma Key« legt er einen Quasi-Rentnerroman vor. »Duma Key« ist Kings erster Roman, der nicht in Maine angesiedelt ist. Er handelt von dem Bauunternehmer Edgar Freemantle, der sich nach einem schweren Unfall auf einer kleinen Insel namens Duma Key in Florida niederlässt. Dort beginnt er auf Anraten seines Arztes, zu malen. Doch seine Gemälde besitzen eine seltsame, ja unheimliche Atmosphäre. Er freundet sich mit einem Mann namens Wireman an, der eine alte Dame namens Elizabeth Eastlake betreut. Auf der Insel scheinen merkwürdige Dinge vorzugehen. Edgars Bilder scheinen diese Dinge noch zu verstärken. Zusammen mit Wireman beschließt er, mehr über Duma Key in Erfahrung zu bringen und stößt dabei auf ein bizarres Geheimnis. Als Stephen King den National Book Award to American Letters für sein Lebenswerk erhielt, schlug ein Teil von Amerikas Intellektuellen vor Schreck die Hände über dem Kopf zusammen. Ein anderer Teil sieht in King eine Art neuen John Steinbeck oder Mark Twain und betrachtete daher den Preis durchaus als gerechtfertigt. Aber Preise sind nur Preise und sagen eigentlich nichts über das eigentliche Werk aus. Wie dem auch sei, mit »Duma Key« legt King einen kurzweiligen, teils unheimlichen Roman vor, der allerdings nicht verbergen kann, dass er grundlegende Ideen aus anderen Geschichten entlehnt. So z. B. aus Koji Suzukis »Ring«. Ich möchte sogar soweit gehen, dass sich in »Duma Key« Aspekte aus »Mandala« von Justus Pfaue wieder finden. Ob King aber diese Serie kennt, ist eine andere Frage. Dass King aber seit Kurzem gerne stibitzen geht, machte er bereits in seinem Roman »Puls« offensichtlich. Sieht man von diesen Merkmalen ab, ist die Geschichte gut durchdacht, wirkt an keiner Stelle konstruiert und wird getragen von durchweg lebendigen Charakteren, die allerdings teilweise wie Rentner wirken, die es sich am Strand gemütlich machen, was sie zwischendurch auch tatsächlich tun. Trotz der gut 900 Seiten herrscht allerdings nie wirklich Langeweile. Es gibt viele ironische Seitenhiebe auf die amerikanische Gesellschaft, ein paar kritische Worte auf die ehemalige Bush-Regierung und überraschend witzige Dialoge. Zwar erscheint der Anfang, als würde King auf der Stelle treten, sodass man skeptisch auf die Dicke des Buchs blickt. Diese Befürchtung hält allerdings nicht lange. Denn nachdem Unfall, Scheidung usw. geklärt sind, kommt King wieder in die Gänge. Er wird zwar nie wirklich spannend, doch die unheimlichen Momente sind wirklich gut geschildert. Im Laufe der Geschichte wird das Rätsel um die Insel Duma Key zu der Rekonstruktion einer interessanten Familiengeschichte, die eng mit dem Geheimnis verknüpft ist. Diese Rekonstruktion einer Momentaufnahme wirkt plausibel und durchaus erschreckend. Natürlich ist die Zeit seiner frühen Romane wie etwa »Shining« längst vorbei. Hier fühlen sich wieder die Literaturwissenschaftler bestätigt, die behaupten, dass Autoren nur unter Drogeneinfluss oder Alkohol (oder beidem) hervorragende Werke schreiben. Doch zeigt King mit »Duma Key«, dass er noch immer dazu fähig ist, gute Unterhaltung zu liefern. – Durchaus lesenswert. © Max Pechmann |