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Rezension - Vampire zum Frühstück

Michele Bardsley
Vampire zum Frühstück
I’m the Vampire, that’s why, USA, 2006
Aus dem Amerikanischen von Maike Walter
Titelillustration von HARIBO
Titelgestaltung von pecher und soiron, Köln

Vampir-Romance, Paperback
Mira-Taschenbuch, Hamburg, Juli 2008
350 Seiten / 7,95 €
ISBN: 9783899414899

Saugt sie da etwa gerade am Oberschenkel eines nackten Mannes? Seit der sexy Ire Patrick O’Halloran sie aus den Fängen eines mysteriösen haarigen Biests rettete und zum Vampir machte, ist für Single-Mom Jessica nichts mehr, wie es war. Ehe sie sich versieht, muss sie nicht nur mit ihrem neuen Dasein als Kreatur der Nacht zurechtkommen (schmeckt Blut von Schokoladenessern wirklich besser?), sondern auch mit ihren überraschend innigen Gefühlen für Patrick (Vorsicht: Sex mit ihm würde sie für hundert Jahre an ihn binden!). Ganz schön aufregend, so ein Leben nach dem Tod!

Jessica Anne Matthews stellt abends anstelle ihres Sohnes Bryan (14), dessen Aufgabe das eigentlich ist, die Mülltonne an den Straßenrand und wird von einem haarigen Wesen überfallen, das an ihrem Hals herumschlürft und sie verliert ihr Leben ...
... und kommt blutsaugend am Oberschenkel eines höchst attraktiven, nackten Mannes mit einer beeindruckenden Erektion wieder zu sich – als waschechte Vampirin versteht sich.
Jessica, die seit achtzehn Monaten keinen Sex mehr gehabt hat, verspürt natürlich beim Anblick des mächtigen Freudenspenders sofort Lust auf einen ordentlichen »Ritt« mit Patrick O’Halloran, so der Name des Pierce Brosnan ähnlichen Prachtvampirs mit »silbernen« Augen, mit dem sie es fortan zu tun bekommt.
Und schon ist man mittendrin in der turbulenten Lebensgeschichte der Neu-Vampirin und der Romanze mit ihrem untoten Liebsten.

Jessica trägt den Ring einer Vorfahrin, dessen Bedeutung ihr durch Patrick erklärt wird: Lt. einer Prophezeiung zeichnet dieser Ring sie zu seiner Seelenverwandten aus – und tatsächlich: Von der ersten Sekunde an ist etwas Besonderes zwischen ihr und Patrick, über das erotische Knistern hinaus.

Jessica muss sich erst in die Gepflogenheiten des Vampirdaseins einleben und sich an ihr etwas verändertes (besseres) Äußeres, die neuen körperlichen Kräfte und ihre gestärkten Sinne gewöhnen. Als Lorcan, das Wesen, das sie überfallen hat, vermeintlich Jessicas Kinder angreift, geht sie dazwischen und stellt fest, dass Lorcan keinen gefährlichen Eindruck auf sie erweckt – mehr noch er entschuldigt sich bei ihr für das, was er ihr angetan hat. Was Jessica verwirrt ist die Tatsache, dass er die gleichen silbernen Augen wie Patrick hat.
Was hat das zu bedeuten?
In welcher Verbindung stehen die beiden?

Jessica fühlt sich – so abrupt aus ihrem Leben gerissen – einsam und hadert damit, dass sie von ihren Kindern entfernt ist, da sie jetzt nur noch nachts existieren kann. So befürchtet sie, dass ihre Kinder, die eh schon den Vater verloren haben nun auch ohne ihre Mutter aufwachsen und in fremde Obhut gegeben werden müssen.
Sie erfährt auch einiges über Patrick und seinen Zwillingsbruder Lorcan, der an einem Virus erkrankt ist, der bewusst bei den Vampiren eingeschleust worden ist und ihn zu dem Wesen verändert hat, das er nun ist.

In der Sporthalle einer Schule von Broken Heart findet eine Versammlung der Vampire statt und Jessica merkt, wie viele Untote sich schon in der Stadt »tummeln« und dass sie nicht die Einzige des Ortes ist, die zur Vampirin wurde. Sie sieht einige Bekannte wieder – wie Linda Beauchamp, eine recht zickige Frau. Aber besonders eine, die Jessica erst recht nicht sehen will: Charlene Mason, die ihr den Ehemann ausgespannt und sogar mit ihm ein Kind gezeugt hatte. Ausgerechnet Charlene hat Patrick auch mit seinem Blut versorgt und sie steht daher ebenso unter seinem Schutz wie Jessica und ist somit schon wieder ihre Rivalin. Doch dieses Mal will sich Jessica ihr gegenüber beweisen, auch da sie merkt, was ihr Patrick schon nach so kurzer Zeit bedeutet.

Jessica erfährt von dem Konsortium zur Förderung der Beziehung von Menschen und Nichtmenschen und dass Patrick fast 4000 Jahre alt, vor Christi Geburt geboren wurde.
Er lehrt Jessica einiges über Vampire, ihre Dasein und die einzelnen Vampirfamilien und deren Rangordnung. Und er gibt ihr zwei goldene Schwerter, die von seiner Großmutter mit einem Sidhe-Zauber gefertigt wurden. Jessica fühlt sich sofort magisch von ihnen angezogen.
Sie hört von Patrick auch, dass der Ring, den sie trägt, ehemals sein Ehering war. Seine Frau Dairine wurde getötet und Patrick zum Vampir verwandelt – nach und nach rollt sich vor Jessica die ganze Geschichte, die seiner Herkunft, seiner Vergangenheit und die des Rings ab.
Doch wie passt da Jessica ins Bild – bzw. deren Vorfahrin, von der sie den Ring erhalten hat?

Patrick erzählt Jessica von dem Buch »Die Legende der Sieben Ahnen- Ruadan der Erste«, das von Lorcan geschrieben wurde.
Über Ruadan, den Zauberkrieger und Sohn der keltischen Göttin Brigid und des Kriegerprinzen Bress.
Brigid fertigte auch die Halbschwerter, die Patrick an Jessica übergeben hat.
Ruadans Frau Aine gebar ihm die Zwillinge Padraig (Patrick) und Lorcan. Ruadan und seine beiden Brüder kamen zu Tode, doch Brigid holte ihn mittels eines Becher Blutes ins Leben zurück – als Vampir. Auch Ruadans Söhne wurden durch unglückselige Verkettungen zu Untoten.

So erfährt der Leser auf locker-flüssige und humorige Weise erste Einblicke in Patricks Geschichte ...
... und wird Beobachter von Jessicas und Patricks Liebesgeschichte.
Doch bevor sich diese richtig entfalten und andere Probleme angegangen werden können, müssen sie Lorcan finden, der sich immer noch versteckt hält – wohl um nicht noch mehr Unheil anzurichten.

Da Broken Heart ohnehin immer weniger Bewohner hatte, weil viele wegzogen, hat das Konsortium beschlossen dort eine Sicherheitszone für Paranormale zu schaffen und kaufte nach und nach die Immobilien der Kleinstadt auf, um somit dort eine Gemeinschaft von Nichtmenschen zu schaffen.
Jessica spricht nun auch offen mit ihren beiden Kindern darüber, dass sie eine Vampirin ist. Erst reagieren sie naturgegeben verstört und ablehnend, dann aber kommen sie immer besser mit ihrem neuen »Familienleben« und auch Patrick, als eine Art Stiefvater in spe, zurecht.

Natürlich beinhaltet der Band noch viel mehr: seien es Darrius und Drake, zwei Lykanthropen-Zwillinge, Morrigan, die Krähenkönigin, Formoren (die in der irischen Mythologie ja ebenfalls eine Rolle spielen) Todesfälle und Liebesbeziehungen – doch allem voran die Geschichte von Jessica und Patrick, die ihren Beginn nimmt. Sehr witzig hierbei sind die telepathischen Dialoge zwischen den beiden!
Doch da lauern natürlich auch Gefahren. So zum Beispiel von Ron (Ragnvaldt, 3000 Jahre) und seinen Wraights (gegnerische Vampire, die eine neue Weltordnung schaffen wollen) – aber auch privat, denn Nara Colleen MacKenzie, eine attraktive Vampirin hat es auf Patrick abgesehen, mit dem sie – wie sie Jessica bewusst deutlich vor Augen führt, eine sehr intime Vergangenheit verbindet. Patrick verbannte Nara aber – nach und nach wird Jessica gewahr, dass Nara nicht das zu sein scheint, was sie vorgibt zu sein, ebenso ihre frühere »Ehe« mit Patrick.
Dann wird Jessica von Ron und seinem Gefolge entführt und soll einen Kampf vor den Wraights ausfechten – ausgerechnet gegen Nara, die das Konsortium verraten hat. Doch es kommt anders ...

Die Aufmachung des Titels ist ohne Fehl und Tadel: ein handliches Format, gute Papierqualität, angenehmer Satz, modernes Covermotiv – einzig das Lektorat ist nicht hundert Prozent optimal, doch das schmälert den Lesegenuss nicht.

Fazit:
Ein wunderbar humorvoller und leichtflüssiger Vampirroman, der als Auftaktband einer Reihe/Serie perfekt die Anta- und Protagonisten einführt und Lust und Spannung auf die Folgebände weckt und etablierten Serien wie »Black Dagger« locker das Wasser reichen kann – absolut empfehlenswert.

© Alisha Bionda

 

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