John Ajvide Lindqvist
So ruhet in Frieden
Hanteringen av odöda, Schweden 2005
Aus dem Schwedischen von Paul Berf
Titelillustration von Photocase
Horror, Taschenbuch
Bastei Lübbe, Bergisch Gladbach, Oktober 2008
448 Seiten / 8,95 €
ISBN: 9783404159130
Stockholm leidet unter einer drückenden Schwüle. Plötzlich lassen sich elektrische Geräte nicht mehr ausschalten. Dann ist der Spuk augenscheinlich vorüber, doch als der Stand-Up-Komiker David Zetterberg, die Leiche seiner verunglückten Frau identifiziert, beginnt der Alptraum erst. Plötzlich erwachen die Toten und werden von einem Instinkt nach Hause getrieben. Selbst in den Gräbern erwachen die erst kürzlich Verstorbenen. Der Journalist Gustav Mahler befreit seinen toten Enkel aus dem feuchten Grab und bringt ihn nach Hause, um ihn vor der Regierung zu verstecken, die alle Wiedererwachten zu sammeln und zu untersuchen beginnt. Während sich die ersten religiösen Fanatiker sammeln, lässt die Regierung erste Besucher zu den Wiedererwachten. Doch die haben sich verändert und es kommt zum Desaster …
John Ajvide Lindqvist wird spätestens seit diesem Roman als der schwedische Stephen King gefeiert. Bereits sein Debütroman »So finster die Nacht« fand internationale Resonanz und zog einen erfolgreichen Kinofilm nach sich. Nach den Vampiren hat sich Lindqvist in seinem zweiten Roman den Zombies oder Untoten gewidmet, wenngleich auf einer viel anspruchsvolleren Ebene als in den einschlägigen Filmen von George A. Romero u.a.
Lindqvists Wiedergänger sind keine Kannibalen, die in Scharen über die Lebenden herfallen, sondern verwirrte, seelenlose Kreaturen, die nur einem Ziel zu folgen scheinen: Nach Hause zu gehen. Dabei erzählt der schwedische Schriftsteller die Geschichte aus drei Perspektiven und lässt in drei Familien die Toten aus den drei verschiedenen Generationen zu neuem Leben erwachen. Während es bei David und Magnus Zetterberg die Ehefrau und Mutter ist, kümmert sich Gustav Mahler um seinen toten Enkelsohn, bei dem er verzweifelt versucht ein die Versäumnisse zu wiederholen, unter denen seine erwachsene Tochter noch heute leidet. Schließlich begegnet Flora ihrem toten Großvater und erlebt, wie ihre Großmutter zu einer religiösen Fanatikerin wird. Dabei offenbart der Autor einen flotten, unterhaltsamen Schreibstil, der dennoch ein gewisses Niveau hält und sich einer ausgefeilten Sprache bedient. Leider kommt die Handlung nach den ersten Schockmomenten schnell ins Stocken und scheint nicht recht von der Stelle zu kommen. Die Nachrichtenmeldungen beleuchten das Geschehen auf eine sehr reale Art und Weise, doch richtig Spannung mag nicht aufzukommen. Erst als die Situation im für die Wiedergänger geschaffenen Ghetto eskaliert, nimmt die Handlung wieder Fahrt auf. Nur um kurz darauf in einer wirren Mischung aus Kitsch und religiöser Tagträumerei ein unbefriedigendes Ende zu finden. Muss man dem Buch zugutehalten, dass es eben nicht die x-te Schlachtplatte ist, so sehnt man sich am Ende fast eine solche herbei, um die Handlung etwas temporeicher zu gestalten. Nachvollziehbar geschildert wurden jene Extremisten, die in den Untoten eine reale Bedrohung sehen und sich als selbst ernannte Zombiejäger auf die wehrlosen Kreaturen stürzen. Hinzu kommt die stete Schwermütigkeit, teilweise sehr anstrengend ist. Ein origineller Versuch Horror mit Drama zu verquicken, der nur in Ansätzen funktioniert.
Das Taschenbuchformat von Lübbe liegt außerordentlich gut in der Hand und überzeugt durch einen gefälligen Satzspiegel. Die Titelillustration passt gut zu den nordischen Gefilden, lässt aber keine Vermutungen bezüglich des Inhaltes zu.
Fazit:
Horror trifft auf Drama. Ein realistisches Zombie-Szenario; etwas schwermütig und mit einem unbefriedigenden Ende.
© Florian Hilleberg |