
Rezension - Etanas Söhne - Band 1

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Renate Behr | Stefan Jahnke |

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Antje Jürgens
Etanas Söhne - Band 1
Tödliche Bedrohung
Vampirroman, Taschenbuch
Tredition Verlag, 2008
289 Seiten / 16,99 €
ISBN: 9783868505092
Die Geschichte beginnt im Jahr 4.410 vor Christus. Die Rasse der Etanaer lebte im Land Ken-Gir, solange dieses Reich bestand. Als es zerfiel, verloren sich ihre Spuren. Und doch leben sie weiter, die vampirgleichen Wesen, auch Etanas Söhne genannt.
Der Zeitsprung ist gewaltig von der vorchristlichen Zeit in die Stadt Boston im Jahr 2006. Alisha liebt einsame Spaziergänge am Strand. Eines Abends entdeckt sie unter einem Steg, halb im Wasser liegend, einen schwer verletzten Mann. Bei dem Versuch, ihn aus dem Wasser zu ziehen, entwickelt dieser mit Wunden übersäte Fremde plötzlich ungeahnte Kräfte. Es folgt eine Vergewaltigung, bei der Alisha am Ende sogar ein ihr völlig unbekanntes Gefühl von Lust empfindet. Der Fremde schafft es, sie nach Hause zu bringen. Am nächsten Morgen ist Alisha davon überzeugt, dass sie geträumt hat. Nur der Geruch des Mannes und das Kribbeln an ihrer Halsschlagader, wo er sie gebissen hat, lassen sie vermuten, dass in ihrem Leben gerade gar nichts so läuft, wie es eigentlich sollte.
Ihre Freundin Lauren wird von dem Fremden, der sich Léon nennt, mental beeinflusst, ein erneutes Treffen herbeizuführen. Léon ist davon überzeugt, Alisha geschwängert zu haben. Einen Nachkommen Etanas auf die Welt zu bringen, birgt aber für Normalsterbliche große Gefahren. Als er erfährt, dass Alisha gar nicht schwanger werden kann, versucht er, sich von ihr zu lösen. Aber es gelingt ihm nicht und er sucht Alishas Nähe, obwohl sie ihn immer wieder zurückstößt.
In dem Familienanwesen in Boston leben noch weitere Söhne Etanas, wie sich diese Vampirart nennt. Sie unterscheiden sich gründlich von dem, was man aus Sagen und Legenden kennt. Etanas Söhne fürchten das Sonnenlicht nicht, sie essen gern und viel Knoblauch und wenn sie einen anderen Menschen beißen, um sich von dessen Blut zu ernähren, hat das keine Folgen. Niemand verwandelt sich ebenfalls in einen Vampir, der von Etanas Nachkommen gebissen wird.
Alejandro, der ebenfalls auf dem Anwesen lebt, lernt in einer Bar eine Frau kennen, die ihn sofort fasziniert. Mal ist sie aufdringlich, mal schüchtern. Alejandro weiß nicht, woran er ist. Er ahnt nicht, dass er es mit Zwillingsschwestern zu tun hat. Carmen und Carmina sehen sich zum Verwechseln ähnlich. Während Carmen wirklich Interesse an Alejandro hat, aber zu schüchtern ist, wird Carmina von einer rätselhaften Frau angesprochen. Nachdem sie diese angebliche Leiterin einer Modelagentur in ihrem Haus besucht hat, verändert sich Carmina drastisch. Eines Abends bringt sie Alejandro mit in die gemeinsame Wohnung und fällt über ihn her. Als Carmen im Zimmer erscheint, versucht Carmina, auch die eigene Schwester zu töten. Mit den letzten Resten seiner Kräfte gelingt es Alejandro, Carmen zu befreien und mit auf das Familienanwesen zu nehmen. Dort trifft sie auch auf Alisha und eine weitere junge Frau, die sich durch die Besonderheit auszeichnet, eine paarungsfähige Partnerin, Eme-biuri genannt, für die Etaner zu sein.
Es droht ihnen allen Gefahr und die Familie muss zusammenhalten. Auch die drei jungen Frauen, die so jäh aus ihrem bisherigen Leben gerissen wurden, müssen lernen, sich mit der veränderten Situation abzufinden.
Die Autorin Antje Jürgens legt mit Band 1 ihrer Vampirromanreihe »Etanas Söhne« ein Buch vor, das an Spannung kaum zu überbieten ist. Selbst wenn man eher mit gemischten Gefühlen an das Lesen eines Vampirromans herangeht und eine ganze Zeit lang ziemlich verwirrt ist, irgendwann hat es den Leser gepackt. Die Darstellungen der einzelnen Charaktere ist Antje Jürgens derart bildhaft gelungen, dass man als Leser das Gefühl hat, mitten drin in der Handlung zu stehen.
Der Schreibstil ist flüssig, die Ausdrucksweise klar und verständlich. Antje Jürgens versteht es, den Spannungsbogen gekonnt hochzuhalten. Immer, wenn der Leser glaubt, alle Zusammenhänge erkannt zu haben, geschieht etwas Unerwartetes.
»Tödliche Bedrohung« aus der Reihe »Etanas Söhne« von Antje Jürgens ist ein Buch, das dem Genre der Vampirromane sehr gut tut und ihm weitere Fans bescheren könnte.
Da die Autorin bereits am zweiten Teil dieser Reihe arbeitet, können sich die Leser auf eine rasche Fortsetzung dieser spannenden und außergewöhnlichen Geschichte freuen.
Copyright © 2010 by Renate Behr |
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Antje Jürgens
Etanas Söhne - Band 1
Tödliche Bedrohung
Vampirroman, Taschenbuch
Tredition Verlag, 2008
289 Seiten / 16,99 €
ISBN: 9783868505092
Vampire. Gerade in aller Munde, und das nicht erst seit der niemandem verborgenen Serie einer bekannten Schriftstellerin, die nunmehr auch in den Kinos mehr als nur zuhause ist.
Die Skepsis, weitere Werke zum Thema von weitestgehend unbekannten SchriftstellerInnen zu lesen, ist natürlich groß, jedoch im Falle von Jürgens Roman völlig unbegründet. Denn sie baut eine ganz eigene Welt, eine Umgebung auf, die doch eigentlich irgendwo in unserer heutigen Zeit liegt, jedoch eine Rasse mit allen Problemen der Minderheiten zeichnet, die ebenso Sorben, Elsässer oder Dänen in Deutschland sein könnten.
Natürlich sind Jürgens Etanaer völlig anders, leben zum großen Teil seit Jahrhunderten auf dieser Erde und haben eigentlich genau dieselben Probleme, wie wir als Normalsterbliche auch. Nur, und das ist bezeichnend für Jürgens Welt, bei ihnen sind sie langlebiger.
Jürgens Gestalten und Personen, Umgebungen und Bräuche sind scharf gezeichnet, jedoch auch wohltuend normal und nicht übertrieben beschrieben. Die Autorin versucht in ihrem Debütroman, das Klischee des Genres zu verdammen, reale Hintergründe einzubeziehen und damit den Leser mitten in diese doch so nahe, aber eben auch ferne Welt zu entführen.
Wie findet ein Vampir eine passende Frau, die nicht nur, wie allgemein angenommen, durch einen Biss an ihn gebunden wird, sondern auch zu ihm steht? Kann solch ein Langzahn überhaupt normal fühlen und sich familiär binden, Kinder zeugen und für diese da sein, nur allein, unter seinesgleichen oder auch in Gemeinschaften mit ‚Nichtvampiren’ leben?
Jürgens findet ganz erstaunliche Antworten und Erklärungen, dabei auch eine Art Gegenspieler, eine Frau, die seit Jahrhunderten die endliche Gabe ihrer Unsterblichkeit, die sie in einem schwachen Moment von solch einem Etanaer erhielt, bewusst ausnutzt und nun ihrerseits für ihr weiteres Überleben Mitglieder dieser Rasse mit mehr oder weniger Erfolg jagt. Dabei wird sie zunehmend zur wachsenden Gefahr der Hauptpersonen und ein mit großem Aufwand und für ein Überleben der Rasse gemeinsam von Menschen und Etanaern zu bekämpfendes Problem.
Leon, einer der vergleichsweise jungen Etanaer, kämpft seit Jahrhunderten mit einer verlorenen und vor allem damals auch sehr unglücklichen Liebe. Dabei zerfleischt er sich gar regelrecht selbst, achtet weder sein Leben noch seine Umgebung, bis er schließlich genau bei diesem Tun jene Frau gefunden zu haben scheint, die nicht nur durch ihre eigenen Besonderheiten, die Etana einst wenigen Menschen gab, zu ihm passt, sondern nach einer Weile auch noch das nötige Verständnis für ihn und die Gegebenheiten seiner Art, seines Lebens, erlangt. Doch auch dahin ist es ein weiter Weg. Und wenn man am Buchtitel noch abzulesen meint, dass auch die anderen benannten Vampire tiefgründig behandelt werden, so scheint dieser Band eben jenem Leon gewidmet zu sein, vielleicht wegen der so genauen Zeichnung ein Äquivalent zu einer wirklich lebenden Person aus Jürgens Umfeld und sicher ähnlich, wie so manch anderer Verlassener unter uns.
Wie alt werden Vampire? Sterben sie überhaupt eines natürlichen Todes? Können sie an Kummer zugrunde gehen? Und wenn ja, wann, warum und wie? Auch hier hat Jürgens, die einen spannenden Erzählstil aufzeigt, die passenden Erklärungen im ersten Band ihres Werkes. Und ihre Einlassung zu Beginn des Buches, dass sie eigentlich nur auf die Idee kam, diese Geschichte zu schreiben, weil sie nicht auf das Erscheinen des nächsten Bandes einer allseits bekannten Reihe warten wollte, nötigt dem Leser gehörigen Respekt ab. Denn was da entstand, gleich verworren beginnt und später immer klarer erkennbar wird, das könnte man als eine neue aktuell-historisch-fiktive Abhandlung zu eben jener Rasse bezeichnen, die sich nach Anerkennung, Liebe, Sex und Gemeinschaft sehnt, jedoch immer auf ihre Verborgenheit, die Wahrung der Geheimnisse achten muss, mehr noch als der normale Mensch natürliche und künstliche Feinde hat.
Schon beim ersten Blick auf das Cover, welches schlicht wirkt, aber neben vielen geheimen Zeichen auch einen Vertreter der Etanaer zeigt, wird das Neuartige in diesem uns doch eigentlich bekannt erscheinenden Genre klar.
Wer sich bisher den Vampirstoffen verschloss oder nur die bekannten Kultfilme aus früheren Jahren kennt, sollte sich in Jürgens Buch Mut und Lust für den unbedingten Genuss weiterer Literatur über eine Rasse irgendwo zwischen Mensch und Tier, Wahrheit und Fiktion holen.
Dem, der den gerade aktuell so beliebten Stoffen huldigt, sei eine Warnung gesagt … Hier exisiert eine andere Welt. Eine, in der nicht nur die Guten und Bösen gegeneinander kämpfen, eine Zuordnung nach Monstern und Heiligen geschieht, sondern das normale Leben mit ein wenig Märchen und Fabel vermischt, und damit angenehm lesbar niedergeschrieben wurde.
Genialer Beginn einer neuen Reihe rund um die Wesen, denen Knoblauch doch eigentlich schaden sollte, die aber selbst im Sonnenlicht existieren können.
Ein Buch zum puren Entspannen? Nein, denn die Spannung steigt von Seite zu Seite.
Ein Buch zum Empfehlen? Natürlich. Man sollte es kennen, um sich ein weiteres, ganz anderes und liebevoll gezeichnetes Bild über die Vampire und den aktuellen Hype machen zu können.
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