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Rezension - Die Mutter

Brett McBean
Die Mutter
Originaltitel: The Mother


Horror, Taschenbuch
Festa Verlag, Taucha, 2010
368 Seiten / 13,95 €
ISBN: 9783865520937

Brett McBean dürfte den meisten hiesigen Horrorfans noch eher unbekannt sein. Dies wird sich wahrscheinlich durch seinen Erstlingsroman »Die Mutter« ändern. Darin erzählt McBean die Geschichte einer verzweifelten Frau, die versucht, den Mörder ihrer Tochter zu finden. Sie weiß nur, dass sie per Anhalter unterwegs gewesen war. Der Mann trug ein Tatoo, auf dem »Stirb Mutter« steht. Also unternimmt die Mutter selbst eine Reise als Anhalterin durch Australien, in der irrsinnigen Hoffnung, eben jenen Mann zu finden.

Brett McBeans Roman besteht aus einer Aneinanderreihung verschiedener Episoden, welche die Begegnungen der Mutter mit unterschiedlichsten Menschen beschreibt. Die einzelnen Geschichten entpuppen sich dabei als Andeutungen und Darstellungen unvorstellbaren Grauens. Harmlos erscheinende Personen nutzen die Hilflosigkeit der Frau rücksichtslos aus. Das Resultat ist eine Reise in den psychischen Abgrund, eine wahre Fahrt in die Hölle. McBean nimmt keine Rücksicht auf den Leser. Er knallt ihm richtiggehend eines vor den Latz. Er schockiert und zerrt an den Nerven seines Publikums. Seine Beschreibungen sind verstörend realistisch. Und genau darin liegt seine Stärke. McBean schreibt in einem regelrecht nüchternen Stil über schreckliche Abartigkeiten. Wahrscheinlich lag darin der Grund, dass »Die Mutter« in Australien in einer gekürzten Ausgabe erschienen ist (die deutsche Übersetzung ist ungekürzt). Doch der Autor liefert das Grauen nicht um des Grauens wegen. Er nutzt diese Form, um eine völlig degenerierte, kaputte Gesellschaft zu skizzieren. Aus Spaß töten Jugendliche Menschen, doch Erwachsene verhalten sich keineswegs besser. Moralische Bedenken scheint es nicht mehr zu geben. Egoismus und Ausnutzung stehen an erster Stelle. Somit ist Brett McBeans »Die Mutter« nicht nur ein extremer Psychothriller, sondern zugleich ein Roman unserer Zeit. Eine düstere Abrechnung des gesellschaftlichen Zustands. In diesem Sinne steht der Ort Australien nur als Sinnbild, denn in der Tat könnte der Roman so gut wie in jedem Land spielen.

Fazit:
»Die Mutter« ist eine wirkliche Entdeckung. Der Roman ragt aus den übrigen Horrorpublikationen eindeutig heraus. Sicherlich wird er polarisieren. Doch genau das ist vom Autor mit Sicherheit gewollt.

Copyright © 2010 by Max Pechmann

 

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