Uwe Voehl
Der Kuss der Medusa
Ein phantastischer Roman aus der Eifel
Horror, Taschenbuch
KBV Verlags- und Mediengesellschaft mbH, Hillesheim, Juli 2009
237 Seiten / 9,90 €
ISBN: 9783940077585
Malte Wallbusch hat in seinem Leben so ziemlich alles erreicht. Er hat eine eigene Werbeagentur, fährt einen Porsche und lebt mit der ehemaligen Miss Eifel Hanna zusammen in einem alten, abgelegenen Haus in der Eifel. Und nun steht auch noch ein Großauftrag für die Firma an, der auch die letzten finanziellen Sorgen vom Tisch kehren soll.
Doch in Wallbuschs Vergangenheit gibt es ein tragisches Ereignis, das er sein ganzes Leben lang nicht vergessen kann. Und nun werden Gerüchte laut über eine rothaarige Hexe, die sich unweit seines Hauses Autofahrern zeigt und schon bald ihr erstes Todesopfer fordert.
Malte Wallbusch gibt nicht viel auf die Gerüchte, denn er hat ganz andere Sorgen. Zum einen mit Hanna. Was macht seine Lebensgefährtin allein in Köln und warum leugnet sie ihren Ausflug? Und woher kommt dieser widerliche Gestank in der Küche seines Hauses? Malte beschließt, der Sache auf den Grund zu gehen und fördert mit Hilfe des Klempners Butzbach Münzen ans Tageslicht, auf denen Medusenköpfe geprägt sind.
Nun gerät Wallbusch immer tiefer in einen Strudel seltsamer Ereignisse, die an seinem 40. Geburtstag in ein wahres Inferno münden ...
Die Handlung des Romans teilt sich in zwei Handlungsstränge. Zum einen sind da Wallbuschs Erinnerungen an seine Jugend und an Brigitte, seine erste große Liebe.
Der zweite Handlungsstrang, der den Roman ausmacht, spielt in der Gegenwart in einem Dorf in der Eifel. Und in der Eifel ist die Hölle los. Der Roman wird aus der Sicht des Protagonisten Wallbusch erzählt. Und zusammen mit Wallbusch sucht auch der Leser bis zum Schluss nach einer rationalen Erklärung. Manchmal hätte ich diesem Wallbusch gern erzählt, dass seine Erklärungen, die er sich für irrationale Erscheinungen einredete, ziemlich einfallslos waren. Irgendwie redete er sich meiner Meinung nach die Dinge zu lange schön. Das hinterließ bei mir als Leser den Eindruck, dass dieser Malte Wallbusch mit seinen 40 Jahren und einer eigenen Firma nicht recht erwachsen geworden ist. An manchen Stellen nervte er regelrecht mit seinen Ausreden, die er sich für übernatürliche Dinge zurechtlegte. Mit dem Protagonisten konnte mich der Autor nicht recht überzeugen. Ich war eigentlich froh, als sich seinen Ausführungen nicht mehr folgen musste.
Die Handlung selbst dagegen gestaltete sich sehr spannend. Auch wenn einige Dinge etwas überzogen wirkten, wie zum Beispiel die Szene in der Gaststätte. Der Autor übertreibt meines Erachtens ein wenig beim Beschreiben der Ungeheuerlichkeiten, als dass es noch glaubhaft wirken kann. Genau wie in dem Haus, in das Wallbusch seiner Freundin folgt. Es sind zu viele Negativerfahrungen, die auf den Protagonisten einstürzen, ihn in ihrer Gänze handlungsunfähig machen, als dass ich sie alle glauben könnte. Leider ging dabei auch der wesentliche Teil des Aufbaus der düsteren Atmosphäre verloren, wie ich fand.
Dennoch gibt es auch immer wieder gelungene Szenen. Klempner Butzbach ist beispielsweise eine Figur, die ich während des Lesens vor Augen hatte. Sein Wandel während der Handlung kommt nicht übertrieben, sondern ist sogar nachvollziehbar. Auch mit der Figur Gattermann ist es dem Autor gelungen, sie glaubwürdig darzustellen. Da beide einen wesentlichen Teil zur Handlung beitragen, gleichen sich die Gegensätze schlussendlich wieder aus.
Insgesamt ist »Der Kuss der Medusa« ein spannender Roman, der den Leser in seinen Bann zieht. Trotz der Schwächen, die ich angedeutet habe, lässt er den Leser nicht mehr los, bis sich das Geheimnis um den Kuss der Medusa endlich lüftet.
Was ich in meiner Rezension völlig außer Acht lassen musste, ist die Eifel. Ich kenne die Eifel mehr oder weniger nur von der Landkarte, habe keinerlei Erfahrung mit den Menschen dort. Deshalb möge man mir verzeihen, wenn meine Rezension ganz aus der Sicht eines Hessen kommt. Ach ja, die Sache mit den Geldscheinen, die Wallbusch für die Medusenplakette erhält, habe ich nicht bemängelt. Irgendwie passt das zu dem Bild, das ich mir von dem Typen während des Lesens gemacht habe …
© Anke Brandt |