Sie sind hier: Startseite - Background - Rezensionen - Taschenbücher anderer Autoren / Romanhelden Horror - Am Ende der Straße


Rezension - Am Ende der Straße

Brian Keene
Am Ende der Straße
Darkness on the Edge of Town, USA 2010
Aus dem Amerikanischen von Charlotte Langstrass
Titelillustration von Animagic, Bielefeld

Taschenbuch, Horror
Heyne Verlag, München, Juli 2011
352 Seiten / 8,99 €
ISBN: 9783453528499

Robbie Higgins ist Pizzalieferant und lebt mit seiner Freundin Christy in der Kleinstadt Walden. Eines Morgens geht die Sonne nicht mehr auf. Doch die Dunkelheit, die sich über den Ort gelegt hat, ist weit mehr als die bloße Abwesenheit von Licht. Walden scheint unter einer undurchdringlichen schwarzen Käseglocke zu liegen. Zu allem Unglück funktionieren weder Strom noch fließend Wasser. Es dauert nicht lange, bis die ersten Plünderungen beginnen. Doch das ist erst der Anfang. Die angespannte Stimmung entlädt sich bald in offenen Aggressionen. Verzweifelt versucht Robbie einen Weg aus der Dunkelheit herauszufinden, doch wer in die Finsternis um Walden verschwindet kehrt nicht wieder zurück. Der Obdachlose Dez scheint mehr über dieses erschreckende Phänomen zu wissen, doch keiner nimmt ihn ernst. Und die Dunkelheit bleibt nicht auf den Umkreis von Walden beschränkt, sondern schleicht sich auch in die Psyche der Einwohner und macht aus braven Bürgern unberechenbare Killer …

Brian Keene hat mit diesem Roman einen exzellenten und temporeichen Horror-Schocker abgeliefert, der das Interesse des Lesers rasch weckt und ihn bis zur letzten Seite fesselt. Das Thema ist dagegen alles andere als neu. Richard Laymon beschrieb ein ähnliches Szenario in Der Regen und Stephen King schuf mit Der Nebel eine seiner erfolgreichsten Kurzgeschichten, auf die im vorliegenden Roman unter anderem auch eingegangen wird. Abermals frönt Keene seiner Vorliebe für durchschnittliche, alltägliche Hauptfiguren, die als Identifikationsfiguren für den Otto-normal-Verbraucher perfekt funktionieren. Auch Robbie Higgins ist ein Jedermann, in dessen Lage man sich hervorragend hineinversetzen kann, nicht zuletzt deswegen, weil die Geschichte aus der Ich-Perspektive erzählt wird. Liest man sich den Klappentext und die Kurzbeschreibung des Romans auf Seite zwei durch, wartet man regelrecht auf die blutigen Auseinandersetzungen zwischen den Bewohnern Waldens. Doch dahingehend muss sich der Leser gedulden, denn obwohl der Autor schnell zum Kern des Problems kommt, dauert es bis Action und Gewalt eskalieren. Dafür greift die unheimliche, düstere Atmosphäre vom Leser Besitz und fantasiebegabte Zeitgenossen dürften die beschriebene Finsternis fast körperlich spüren. Der Einfluss bekannter Schriftstellergrößen des Genres, angefangen bei H.P. Lovecraft bis hin zu Richard Laymon und Stephen King ist unverkennbar, und Fans dieser Autoren dürften bei Keene voll auf ihre Kosten kommen. Wer die anderen Romane des Autors kennt, dürfte die Anspielungen auf frühere seiner Werke verstehen, wie beispielsweise die Bemerkung über die Terroristengruppe Söhne der Verfassung oder die Realityshow Castaways, die das Setting für den Roman Die Verschollenen bildeten. Auch die Siqqusim werden erwähnt, welche den Lesern von Auferstehung ein Begriff sein dürften. Keene gelingt es auch dieses Mal, die Gefühle und Motivationen seiner Charaktere glaubhaft und konsequent herauszuarbeiten. Die Gewalttaten sind blutig und verstörend und gewiss nichts für Zartbesaitete. Nichtsdestotrotz kommt auch der Humor nicht zu kurz, vor allem, wenn der Teenie-Gangster T(ucker) in seinem Gossenslang daherredet. Das Ende dürfte dagegen eher gemischte Gefühle hervorrufen und fordert die Fantasie des Lesers heraus. Erneut konfrontiert Keene den Leser mit einem Endzeitszenario der Superlative und fordert ihn zum Nachdenken auf. Wie würde man selbst in einer solchen Situation reagieren? Die Antwort müssen wir hoffentlich schuldig bleiben, bis zum nächsten Bestseller dieses bemerkenswerten Autors, der nicht umsonst als Nachfolger von Richard Laymon beworben wird. Abstriche müssen leider beim Lektorat gemacht werden. Wenn der Protagonist seinen Text nickt, liest sich das alles andere als elegant.

Die Firma Animagic hat den Romanen des Autors ein eigenes Corporate Design verliehen und erhöht damit den Wiedererkennungseffekt im Bücherregal. Abgesehen davon, dass die Bücher einfach gut aussehen. Satzspiegel und Papierqualität sind erstklassig.

Fazit:
Brian Keene erweist sich einmal mehr als Meister seines Fachs. Ein fabelhafter Horror-Schocker von beklemmender Intensität. Blickst du's?

Copyright © 2011 by Florian Hilleberg

 

© by 2011
nach oben Zurück Optimiert für 1024x768 Pixel
im IE & Mozilla Firefox