Thomas Plischke
Die Zombies
Horror, Paperback
Piper Verlag München, April 2010
480 Seiten/ 12,95 €
ISBN: 9783492267465
Lily Young schreibt ihre Doktorarbeit zum Thema »Lebende Tote«. Bei ihren Recherchen stößt sie immer wieder auf merkwürdige Legenden, die in allen Teilen der Welt Ähnlichkeiten aufweisen. Genauso, wie sie von Menschen aus allen Teilen der Welt gewarnt wird, nicht zu tief ins Detail zu gehen.
Dann passieren drei Dinge, die Lilys Leben durcheinander bringen. Ein Todesfall, eine Trennung und das Auftauchen eines Fremden, der die junge Frau in seinen Bann zieht. Von da an ist nichts mehr, wie es einmal war. Plötzlich wird Lilys Leben nur noch von tosendem Hunger bestimmt, bis eines Tages, als die Ereignisse eine dramatische Wendung nehmen, ein Freund wieder erscheint und sein Geheimnis offenbart.
Alles könnte nun gut werden, wäre da nicht dieser ständige Hunger, der Lily das Leben schwermacht ...
Der Titel des Buches macht kein Geheimnis darum, worauf sich der Leser einlässt, er ist eine klare Ansage. Es ist die Umsetzung des Themas, die in diesem Fall etliche Überraschungen birgt.
Zu Beginn nimmt sich Thomas Plischke die Zeit, seine Leser allmählich an das Thema heranzuführen. Er erzählt von Lilys Arbeit, teilt ihre Ergebnisse detailliert mit und stimmt die Leser Schritt für Schritt auf die folgende Handlung ein. Besonders interessant fand ich dabei die Interviews, die Lily mit Personen aus verschiedenen Kulturkreisen führte und die alle die gleiche Grundaussage beinhalten. Unter dem Aspekt, dass Thomas Plischke im Nachwort von seinen eigenen Recherchen für den Roman berichtet, verursachen mir diese Interviews im Nachhinein noch eine Gänsehaut, weil ich mich frage, wie viel davon nun realen Tatsachen entspricht.
Als dann Victor das Geschehen betritt, setzt die eigentliche Handlung um die Zombies ein. Fleischgierige Untote, deren »Leben« nur noch vom Hunger bestimmt wird, könnte nun eine sehr blutige Story vermuten lassen. Doch Thomas Plischke lässt diesen Aspekt eher hintergründig mitlaufen. Die Handlung selbst splittet sich in drei Handlungsstränge. Zunächst erfahren wir, wie es Lily nach ihrer Verwandlung geht. Als Leser konnte ich mit ihr fühlen, mich in sie hineinversetzen und dennoch nie dabei vergessen, was Lily nun ist. Dafür sorgte Victor, dessen Charakterisierung bis zu einem einschneidenden Erlebnis sowohl für Lily als auch für den Leser der perfekte Gentleman bleibt, der erst nach und nach seine wahren Beweggründe offenbart. Anfänglich ist er eine Figur ähnlich eines Vampirs, der aufgrund seines Wesens diese unnahbare und erotische Ausstrahlung verbreitet. Doch Victor ist anders, ganz anders …
Der zweite Handlungsstrang dreht sich um Gottlieb. Zunächst als Lilys Freund vorgestellt, offenbart sich alsbald, dass Gottlieb nicht der ist, der er zu sein vorgibt. Nach Lilys Verwandlung gehört er zu den ärgsten Feinden ihrer Spezies. Im Nachhinein stellte ich fest, dass es mir trotzdem nicht gelang, meine Sympathie Gottlieb zu schenken. Zu sehr stand ich schon unter dem Einfluss von Lilys Gefühlen.
Dann verlagert sich die Handlung in das schottische Dorf Manger. Dass es dort nicht mit rechten Dingen zugeht, wird schnell klar und als Leser kann man auch erahnen, was genau dort nicht stimmt. Aber auch hier ist es wieder die Erzählweise des Autors, die das Offensichtliche Stück für Stück und dabei immer brutaler werdend offenbart. Das Leben in Manger wird anhand der beiden Jugendlichen Ben und Alice geschildert, die Umstände anhand von Einzelschicksalen erzählt. Dies wirkte besonders intensiv bei den Schilderungen der Lebensumstände in diesem Dorf.
Die Handlung mündet dann auch in Manger in ihr brutales Finale. Und erst dann beschreibt Thomas Plischke in blutigen Details das wahre Wesen der Zombies.
Diese Zurückhaltung von Blut und Gewalt war es, die mich als Leser besonders beeindruckt hat. Der Autor benötigte bei all seinen Beschreibungen keine blutigen Einzelheiten, die Charakterisierung der Zombies als noch denkende Wesen reichte aus, um die Brutalität dieser Endgültigkeit zu erleben. Den Horror beim Lesen versursachte der Hunger, nicht das Fressen. Und damit beweist Thomas Plischke einmal mehr, dass nicht alles durch und durch böse ist, was als solches gemeinhin definiert wird. In meinen Augen war dies der gelungenste Schachzug an diesem Roman.
Fazit:
Hunger ist Horror 
Copyright © 2010 by Anke Brandt |
Thomas Plischke
Die Zombies Horror, Paperback
Piper Verlag München, April 2010
480 Seiten/ 12,95 €
ISBN: 9783492267465
Die Doktorandin Lily Young studiert Anthropologie. Der beste Ort dafür scheint Oxford zu sein. Der Schwerpunkt ihres Studiums liegt auf der Erforschung der Zombie-Legenden, die rund um den Globus bestehen. Scheinbar besitzt jede Kultur ihre eignen Mythen um lebende Tote. Lily ist dabei, die gesellschaftliche Bedeutung die diese Legenden besitzen, bis in die Gegenwart zu verfolgen. Ihr Grossvater warnte sie vor dieser Sucht nach Informationen über die wandelnden Toten. Auf der Beerdigung des Grossvaters, Grampy Jules, lernt sie den geheimnisvollen Victor kennen. Erst glaubt sie an eine neue Masche der Anmache. Sie begleitet Victor auf eine Party und wird dort von einem verkleideten Schauspieler gebissen. Nach dem Biss des als Zombie verkleideten Schauspielers fühlt sich Lily von Tag zu Tag hungriger. Dieser Heisshunger geht sogar so weit, dass die Vegetarierin sogar Fleisch isst. Weil Lily ihre tägliche Zeit lediglich in ihre Arbeit investiert und viele angebliche Untotenexperten interviewt, beschränkt sich ihr Freundeskreis auf den One-Night-Stand Gottlieb. Als sich ihr Freund Gottlieb aus London in Richtung Deutschland verabschiedet, geht sie näher auf charmanten Victor ein. Gottlieb erhält die Nachricht, dass sein Vater gestorben ist und er nun das väterliche Geschäft führen soll. Dabei ist sein Abschied nicht unbedingt die feine englische Art. Er fährt mit einer fremden Frau zum Flughafen. Dieser Umstand führt Lily Young noch näher zu Victor. Nach wenigen Tagen taucht Victor wieder auf und erklärt ihr, dass der Schauspieler, der sie gebissen hat, in Wahrheit ein Zombie. Leider verwandelt sie sich jetzt auch in einen dieser wandelnden Leichname. Nach dieser Eröffnung zieht Lily bei Victor ein, der ihr weitere Einzelheiten zum Überleben als wandelnde Tote aufzeigt.
Was Lily nicht weiss ist, Gottliebs Familiengeschäft besteht darin Untote zu jagen und gänzlich dem Tode zu übereignen, um die Lebenden vor ihnen zu schützen. Doch das erfährt Gottlieb erst, als er zuhause ankommt. Gottlieb bringt in Erfahrung, dass sich die Firma seines Vaters zwar mit Börsengeschäften beschäftigt, im Geheimen aber mit der Bekämpfung von Untoten befasst. Gottlieb ist somit als Erbe der Chef von Zombiejägern. Seine Arbeit führt ihn rund um die Erde. Ein Auftrag führt ihn nach Schottland, wo ein ganzes Dorf den Zombies ihre Ehre erweist. Zu seinem Entsetzen trifft er dort auf eine sehr zu ihrem Nachteil veränderte Lily. Diese stellt sich Fragen, die ihr nie in den Sinn kamen. Sie bemerkt an sich Eigenschaften, die sie nie erwartete, und muss sich nun mit ihnen herumschlagen. Dabei sind sie gar nicht mal so übel. Oder doch?
»Die Zombies« ist eine etwas andere Geschichte um die untote Hälfte der Menschheit. Der Roman geht weg von dem üblichen Splatter an die ich mich so sehr gewöhnt habe. Dabei sind gerade die Abenteuer von David Moody und David Wellington die besseren Zombie-Romane der letzten Zeit. Im Gegensatz zu diesen Zombies sind die vergleichbaren Individuen von Thomas Plischke mit ihrer Persönlichkeit ausgestattet. Im Mittelpunkt steht die frisch abgelebte Lily, deren Studium der Zombies nun am eigenen Leib mit einem Doktortitel abgeschlossen werden kann. Wenn sie lang genug lebt, bekommt sie vielleicht sogar eine Professur, denn sie weiss, wovon sie redet. Mit der Geschichte der Untoten erfindet Thomas Plischke aber auch einen geheimen Jagdclub, der sich auf Zombies spezialisiert hat. Der Autor stellt in seiner Erzählung viele verschiedene Abwandlungen zum Thema Zombie vor. Neben Interviews mit erfundenen Personen lässt er auch alte Texte zu diesem Thema sprechen. Wobei ich mir nicht ganz sicher sind, ob diese nicht auch erfunden sind. Jedenfalls wird das Buch dadurch sehr abwechslungsreich. Ein unterhaltsames Werk.
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